Die Schweiz prüft nach den jüngsten Korruptionsfällen beim Weltverband FIFA offenbar ein Gesetz gegen bestechliche Funktionäre.

"In einem Artikel im Strafgesetzbuch würde man klarstellen, dass unter internationaler Organisation nicht nur zwischenstaatliche Verbände wie die UNO oder die EU gemeint sind, sondern auch Sportverbände. Damit hätte man erreicht, dass das öffentliche Bestechungsrecht, das Amtsträger im Auge hat, voll und ganz anwendbar wäre - also auch auf IOC, FIFA oder ähnliche Verbände", sagte Mark Pieth, Strafrechtsprofessor an der Universität Basel und Leiter der OECD-Arbeitsgruppe "Korruption".

Ranghohe Funktionäre von in der Schweiz ansässigen Sportverbänden wie der FIFA, der UEFA oder dem IOC müssen bei Korruptionsverdacht derzeit nicht mit Strafverfolgungen rechnen.

Ein entsprechendes Gesetz fehlt. Diese Ausnahme erstaunt Fachleute und Strafverfolger.

"Das ist eine skandalöse Lücke, für die ich immer noch kein Verständnis habe", sagte Felix Bänziger, der Präsident der Konferenz der Strafverfolgungsbehörden (KSBS).

In der Schweiz klafft hier eine große Gesetzeslücke, denn die großen Sportverbände wie die FIFA werden als nicht gewinnorientierte Vereine betrachtet und damit vom Gesetz der Eidgenossen explizit ausgenommen.

"Die private Korruption in dem Sinne existiert in der Schweiz nicht. Und insbesondere sind die Sportverbände und Vereinigungen mit nicht wirtschaftlichem Zweck von diesem Anwendungsbereich ausgeschlossen", sagte Matthias Remund, Direktor des Bundesamts für Sport (Baspo).

In der Schweiz ist man allerdings sehr froh darüber, die FIFA beheimaten zu dürfen. Das dürfte auch der Grund sein, warum es bislang zu keiner Änderung der Gesetzeslage kam.

"Da muss man sich im Klaren sein, dass die Schweiz stolz darauf ist, dass sie diese internationalen Sportverbände bei sich beherbergen kann. Und vermutlich wollte man da keine Schwierigkeiten bereiten", sagte Strafrechtsprofessor Pieth.

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