Dem europäischen Pay-TV-Markt drohen möglicherweise gravierende Einschränkungen im Bereich der Sportlizenzrechte.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg beschäftigt sich derzeit damit, ob weiterhin Live-Übertragungen von Fußballspielen oder anderen Sportereignissen unter Verwendung ausländischer Decoderkarten untersagt werden dürfen.

Nach Ansicht von EuGH-Generalanwältin Juliane Kokott verstoßen territoriale Exklusivitätsvereinbarungen bei der Übertragung von Fußballspielen gegen Unionsrecht, insbesondere gegen die Dienstleistungsfreiheit.

Sollte die Große Kammer des EuGH zu einer ähnlichen Rechtsauffassung kommen, würde dies nach Meinung von Experten "erdrutschartige" Folgen für die Branche haben - mit entsprechenden finanziellen Folgen für TV-Sender, Ligen und Vereine.

Die Richter in Luxemburg müssen in den kommenden Monaten entscheiden, ob es beispielsweise in Gaststätten erlaubt ist, öffentlich Live-Fußball zu zeigen, wenn das Signal von einem Sender stammt, der im entsprechenden Mitgliedsstaat keine Übertragungsrechte hat.

Hintergrund für die aktuelle Auseinandersetzung ist der Fall von Karen Murphy, die in ihrem Pub im südenglischen Southsea im Jahr 2007 Live-Übertragungen von Spielen der ersten englischen Liga gezeigt hatte.

Dazu nutzte die Wirtin jedoch keine Gaststättenlizenz des heimischen Senders "Sky", sondern importierte einen Satelliten-Decoder des Anbieters Nova, der seinerzeit die Übertragungsrechte für Premier-League-Spiele in Griechenland besaß.

Dadurch sparte Murphy rund 5200 britische Pfund pro Jahr.

Nach Ansicht der Football Association Premier League (FAPL), Vermarkter der englischen Ligaspiele, ein klarer Verstoß gegen das Urheberrecht.

Sollte die territoriale Exklusivität tatsächlich wegfallen, hat TV-Sender BSkyB bereits angekündigt, auf eine finanzielle Vertragsanpassung zu drängen.

Billige Konkurrenz aus dem Ausland gefährde schließlich die Refinanzierung der immensen Rechtekosten.

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