Zum Prozessauftakt gegen die Chefetage der Fußball-Wettmafia um Ante Sapina vor dem Bochumer Landgericht hat die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift vorgetragen.

Aus dem 287 Seiten starken Papier verlas Staatsanwalt Matthias Rohde im Sitzungssaal C 240 vor der 12. Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Wolfgang Mittrup 52 Anklagepunkte, die den mutmaßlichen Wettbetrügern um Sapina, der schon in den Bestechungsskandal um DFB-Schiedsrichter Robert Hoyzer verwickelt war, zur Last gelegt werden.

Die Verlesung der Anklageschrift dauerte weit über drei Stunden, die Angeklagten verfolgten in Begleitung ihrer Anwälte gelassen das Geschehen. Sapinas Verteidiger Stefan Conen teilte mit, dass sich sein Mandant zu gegebener Zeit zu den Vorwürfen äußern wollte.

Er hoffe aber auf Strafmilderung, da die Anklageschrift großteils auf den Aussagen seines Mandanten beruhe, dessen Familie dem Prozessauftakt im Zuhörerraum beiwohnte. Sapina wird in 43 der insgesamt 52 Fälle beschuldigt. In dem Prozess geht es um 47 Fußballspiele, die von der Wettmafia angeblich verschoben wurden.

Alexander Hornung, Verteidiger des ebenfalls angeklagten Marijo C., stellt sich auf einen langen Prozess ein. "Meine Befürchtung ist, dass es Monate dauern wird, bis man zu einem Urteil kommt", sagte der Anwalt in einer Verhandlungspause.

Bis auf einen der insgesamt sechs Angeklagten wollen sich alle zu einem späteren Zeitpunkt zu Sache äußern, lediglich Ramazan K. machte von seinem Recht zu schweigen Gebrauch.

Die Angeklagten sollen unter anderem das WM-Qualifikationsspiel zwischen Liechtenstein und Finnland vom 9. September 2009 und die Champions-League-Partie zwischen VSC Debrecen und dem AC Florenz verschoben haben. Neben Sapina und Marijo C. müssen sich Ex-Basketballprofi Ivan P., Deniz C., Dragan M. und Ramazan K. vor Gericht verantworten.

Die Angeklagten sollen allein in Asien für 32 Millionen Euro Wetten platziert haben. Gegen Deniz C. wurde zudem noch der Vorwurf der schweren Körperverletzung erhoben. Er soll gemeinsam mit Helfershelfern unter anderem gewaltsam Geld eingetrieben haben.

Der Prozess begann mit einem Kuriosum. Der Angeklagte Ramazan K. war zu Verhandlungsbeginn nicht erschienen und zunächst auch für seinen Anwalt nicht erreichbar.

"Er ist meines Wissens derzeit arbeitslos, ich gehe davon aus, dass er noch schläft", sagte der Rechtsbeistand und bat um eine Unterbrechung, um seinen Mandanten aufzuspüren. Die Staatsanwaltschaft hatte beantragt, den Angeklagten polizeilich vorführen zu lassen. Mit knapp anderthalbstündiger Verspätung begann dann der Prozess, nachdem der Angeklagte eingetroffen war. Er hatte tatsächlich verschlafen.

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