Der langjährige Fußball-Nationaltorhüter Oliver Kahn hält große Sportpersönlichkeiten für eine aussterbende Spezies.

"Sportstars erscheinen zunehmend blasser und mainstreamartiger. Aber wer will nur noch stromlinienförmige und angepasste Karrieristen sehen? Kann man so Aufmerksamkeit gewinnen? Wieso wohl schaut man Sportarten nicht mehr, die man früher mit viel Spannung verfolgt hat?", sagte Kahn am Freitag in Zürich am Rande des Kongresses "Sportfinanzierung, Sponsoring und Sportwetten".

Es bestehe die Gefahr, dass das Geld den Sport und besonders den Fußball verderbe. "Wenn du mit 18, 19 Jahren ein Gehalt von mehr als einer Million Euro bekommst - damit muss ein junger Spieler erst einmal zurechtkommen. Die einen haben einen guten Berater, legen es zur Seite und konzentrieren sich auf den Sport. Andere heben sehr schnell ab und drehen durch", sagte Kahn.

Der frühere Bayern-Profi betonte aber auch, die wenigen Spieler von Weltklasse hätten ihre hohen Gehälter verdient.

Allerdings habe der Fall des Golf-Superstars Tiger Woods gezeigt, wie schnell es zum Absturz und zu einer emotionalen Achterbahnfahrt eines vermeintlichen Saubermanns kommen könne.

Die Monotonie im Leben von Profisportlern sei ein weiterer Gefahrenpunkt: "Du bist nur noch in Hotels oder auf dem Trainingsplatz, das ist schon schwierig. Da kommt der eine oder andere auf blöde Gedanken. Aber man kann sich ja auch weiterbilden, statt Karten zu spielen."

Er selbst, sagte Kahn, habe in 20 Jahren "niemals auch nur den Ansatz eines Kontaktes gehabt oder etwas mitbekommen", was in Richtung Manipulation hätte gehen können. "Aber ich kann mir vorstellen, dass solche Dinge stattfinden - nur nicht ganz oben."

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