Der Prozess gegen Ante S. und Co. im größten Wettskandal der europäischen Fußball-Geschichte steht vor dem Abschluss.

Nach einem spektakulären elften Verhandlungstag vor dem Bochumer Landgericht wurde das Verfahren gegen Sapina sowie dessen Mitangeklagte Marijo C. und Dragan M. abgetrennt.

Am kommenden Donnerstag, spätestens jedoch eine Woche später, will die 12. Strafkammer mit dem Vorsitzenden Richter Wolfgang Mittrup die Urteile fällen. Das Verfahren gegen Deniz C., der am Montag in seinem Geständnis die gegen ihn erhobenen Vorwürfe im Grundsatz bestätigte, und gegen weitere Angeklagte wird erst am 6. Juni fortgesetzt.

Drei Anträge durch Sapinas Anwälte, die sie später wieder zurückzogen, hatten am Montag für Turbulenzen und Verärgerung bei der Kammer sowie der Staatsanwaltschaft gesorgt.

Die Sapina-Anwälte beantragten die Vorladung der Bosse eines Londoner Wettbüros, die Offenlegung aller die Firma betreffenden Akten durch die Staatsanwaltschaft und die Verlesung von Chat-Protokollen von Unterredungen zwischen Sapina und den Bossen des Wettbüros.

Der Hintergrund: Die Verteidigung ist der Meinung, dass die Londoner Unternehmer vollständig von Sapinas Betrügereien gewusst und durch eigene Wetten auf die manipulierten Spiele selbst davon profitiert haben. Dadurch sei der Betrugstatbestand nicht mehr gegeben, da keine Täuschung und kein Vermögensschaden vorliegt.

Nachdem Staatsanwalt Andreas Bachmann die umgehende Aussetzung der Haftverschonung Sapinas angeregt hatte und Richter Mittrup nicht abgeneigt schien, weil die neue Sichtweise der Rechtsanwälte ihrer Meinung nach nicht mit Sapinas Geständnis in Einklang zu bringen ist, zogen die Rechtsanwälte die Anträge zurück. Diese hätten die Schuldfrage völlig neu aufgeworfen und unter Umständen doch noch für einen Marathon-Prozess gesorgt.

Dem Wiederholungstäter Ante S. und Marijo C. droht eine mehrjährige Haftstrafe, die Staatsanwaltschaft ging zuletzt von sechs Jahren Haft aus.

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