Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), will Fußball-Klubs nicht die alleinige Verantwortung für die Randale ihrer Anhänger übertragen.

"Diese Hooligans haben mit dem Klub nichts zu tun, ihnen ist vollkommen egal, ob die Mannschaft gewinnt oder verliert. Sie nutzen den Fußball als Bühne, um gewalttätig zu werden", sagte Bach im Gespräch mit "Sport Bild": "Wie soll ein Verein Zugriff auf diese Randalierer haben?" Man dürfe die Vereine nicht überfordern.

Bach hat die Gewaltwelle beobachtet und unterschiedliche Zielgruppen ausgemacht: "Man muss die Balance finden zwischen harter Kante und Prävention. Gegen die gewaltbereiten Schläger helfen nur klare Sanktionen wie Reiseverbote." Eine zweite Gruppe sei dagegen ganz gut über Fanprojekte und Gewaltprävention erreichbar.

Deutschen Sportstars, die wegen Steuervorteilen ins Ausland abwandern, legte Bach in dem Gespräch nahe, auch an "den Tag danach" zu denken. Es gebe schließlich auch ein Leben nach dem Sport. "Für alle, für die es sich rentiert, darüber nachzudenken, bliebe selbst nach deutschen Steuersätzen genügend zum Leben übrig", sagte Bach.

Gleichzeitig zeigte sich der DOSB-Präsident enttäuscht, dass Deutschland im Hinblick auf die Mannschaftssportarten bei Olympia in London nur mäßig vertreten ist. "Mir blutet das Herz, dass aus dem Fußball-Land Deutschland keine Mannschaft dabei ist. Auch das Fehlen der Basketballer schmerzt", so Bach.

Weiter offen ließ Bach, ob er 2013 als Nachfolger von IOC-Präsident Jacques Rogge kandidieren wird.

"Es ist ehrenvoll, wenn ich für präsidiabel gehalten werde. Aber es wäre dem IOC und dem Präsidenten gegenüber nicht fair, jetzt eine Diskussion über seine Nachfolge in Gang zu bringen", sagte Bach. Seine eigene Deadline für eine solche Entscheidung sei daher so spät wie möglich.

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