Bei Daniel Bauer hat der Fall des vom 1. FC Köln geflüchteten Kevin Pezzoni böse Erinnerungen geweckt.

"Da kommt natürlich alles hoch. Ich kann mit ihm fühlen. Es sind absolute Parallelen zu meinem Fall. Bei ihm standen auch einige Verrückte vor der Tür, dazu die Hetze bei Facebook", sagte Bauer, der Ende 2011 nach Drohungen den Regionalligisten 1. FC Magdeburg verlassen hatte.

Bei ihm, sagte Bauer, sei es "noch einen Tick drastischer" gewesen:

"Weil ich direkt mit den Leuten konfrontiert war, da ich ja direkt an der Tür stand und sie mich heruntergelockt hatten."

Vermummte hatten sich an der Haustür als Pizzaboten ausgegeben, um den damaligen FCM-Kapitän Auge in Auge bedrohen zu können. Inzwischen spielt Bauer für den Viertligisten VfB Oldenburg.

Bei der Frage nach Konsequenzen aus dem Fall Pezzoni, der nach Drohungen um Auflösung seines Vertrages in Köln gebeten hatte, ist der 29-Jährige allerdings ratlos.

"Das ist ganz schwierig. In Magdeburg haben wir damals viele Aktionen gemacht bezüglich Fanpflege, ich war da auch sehr aktiv, habe auch den Draht zu den Fans gesucht. Auch zu Ultras", sagte Bauer, und fügte hinzu:

"Aber was kann man noch machen? Wenn Einzelne durchticken und meinen, sie müssen den starken Mann machen, ist das schwer zu vermeiden." Bauer spricht von "absoluten Einzeltätern". Diese "sollte man ausgrenzen und ihnen sagen: Ihr habt in diesem Verein nichts mehr verloren."

Kurz nach dem Höhepunkt der Drohungen gegen seine Person hatte Bauer erwogen, seine Karriere zu beenden.

"Die Gedanken waren da in den ersten ein, zwei Wochen. Weil es ein absoluter Schock war", berichtete er. "Man muss als Fußballer mit Kritik umgehen können, mit den Pfiffen, vielleicht auch mal mit Beleidigungen. Aber alles hat seine Grenze. Wenn man aus dem Stadion raus ist, ist man ein normaler Privatmensch. Ich bin mehr als ein Fußballer, privat bin ich wie Herr XY."

Kevin Pezzoni wünscht er, "dass es bei ihm ähnlich läuft wie bei mir, dass er räumlichen Abstand hat und einen Neuanfang starten kann. Ich selbst hatte lange nicht mehr so viel Spaß am Fußball wie hier."

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