Die Studie zum Doping in Westdeutschland hat viele Fragen aufgeworfen. Für einen Mitarbeiter der Studie ist zumindest eine dieser Fragen schon geklärt.

Ein Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Autoren-Teams der Universität Münster widersprach dem im Abschlussbericht der Studie suggerierten Doping-Verdacht gegen das deutsche WM-Team von 1966.

"Eine konspirative Verschleierung durch Sportler und Verbände ist nicht ersichtlich", sagte Nils Niemeyer und verwies auf die Erwähnung der positiven Proben in wissenschaftlichen Veröffentlichungen englischer und deutscher Experten schon in den 60er und 70er Jahren.

"Aus den vorhandenen Quellen" ließe sich schließen, sagte der Rechtsanwalt weiter, "dass man vor dem Hintergrund der Behandlung einer Schnupfenerkrankung mit einem ephedrinhaltigen Präparat keinen Verstoß gegen die geltenden Doping-Regularien sah".

Demnach hätte sich damals beim noch laufenden WM-Turnier während der regelkonform erfolgten Untersuchung des Weltverbandes FIFA inklusive der Ermittlung von Ernährungsgewohnheiten und Erkrankungen denn auch eine "Schnupfenbehandlung durch ein ephedrinhaltiges Spray" als Ursache herausgestellt.

Solche Konstellationen könnten auch trotz des schon 1966 geltenden Ephedrin-Verbots wegen des damaligen Reglements nicht als Dopingfälle angesehen werden. Denn neben einer positiven Probe setzte die FIFA seinerzeit für einen Doping-Verstoß auch "ein vom Verband zu beweisendes, vorsätzliches Handeln voraus.

Der Gebrauch einer verbotenen Substanz musste gerade mit dem Ziel einer künstlichen und unfairen Leistungssteigerung erfolgen. Dies ist im Falle einer der Gesundung dienenden Erkältungsbehandlung fraglich".

Niemeyer fügte hinzu: "Hinweise darauf, dass eine Erkrankung lediglich vorgeschoben wurde, bestehen aufgrund der Quellenlage nicht. Zudem sprachen auch die lediglich nur sehr fein vorhandenen Ephedrinspuren gegen eine Dopingabsicht."

In der am Montag veröffentlichten Doping-Studie legen Autoren einen Doping-Fall im deutschen Vizeweltmeister-Team von 1966 nahe.

Die Forscher beziehen sich dabei auf einen Brief, in dem ein früherer FIFA-Funktionär auf "feine Spuren von Ephedrin" in den Dopingkontrollen von drei DFB-Spielern hinwies.

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