Der Fußball in Mitteldeutschland kämpft ums Überleben: Die demographische Entwicklung in den ländlichen Gebieten Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens bringt immer mehr Fußballvereine in Existenznot.

Die Ligen dort haben in der Zeit von 2010 bis 2013 insgesamt 72 Klubs mit 400 Mannschaften verloren. Die "MDR"-Sendung "Sport im Osten" widmet sich am Sonntag (17.00 Uhr) ausführlich dem Thema.

"Mit dem Beginn der neuen Saison verschärfte sich das Problem noch", hieß es in einer Mitteilung des Senders. Die Zahl der gemeldeten Mannschaften sinke rapide. Allein im Punktspielbetrieb des Landkreises Nordsachsen wurde fast ein Dutzend Herren-Teams abgemeldet.

Während in den Großstädten der Fußball weiter boomt, werden den ländlichen Klubs die fortdauernde Abwanderung und die geburtenschwachen Jahrgänge zum Verhängnis.

Wie der Sender recherchierte, fehle es in der Region - die seit vielen Jahren ohne Bundesliga und internationalem Fußball auskommen muss - an Spielern, Betreuern oder Schiedsrichtern. Zwei Millionen Menschen haben seit 1990 die drei Bundesländer verlassen.

Die Fußballverbände raten zur Gründung von Spielgemeinschaften, doch der Fusionsgedanke stößt nicht überall auf Begeisterung. Viele Klubs befürchten den Verlust ihrer Identität. So zitiert der Sender den Vereinsvorsitzenden Sandro Köhler vom SV Göritz:

"So eine Spielgemeinschaft ist für mich ein Sterben auf Raten, weil man über seinen Verein nicht mehr selbst entscheiden kann. Das geht zwei Jahre, und dann interessiert sich keiner mehr für deinen Verein."

Die Landes- und Kreisverbände haben das Problem ebenfalls erkannt.

"Wir empfehlen den Vereinen die Erschließung neuer Zielgruppen wie etwa Mädchen. Wenn aber auch die Kooperation mit anderen Vereinen nicht zustande kommt, werden es manche Vereine schwer haben, in zehn Jahren noch zu existieren", sagte Christoph Kutschker, Vizepräsident und Verantwortlicher für Spielbetrieb und Nachwuchs im Sächsischen Fußballverband.

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