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Uruguay schlägt bei der WM 1950 Brasilien und wird zum zweiten Mal Weltmeister © imago

Obwohl haushoher Favorit scheitert Brasilien vor 200.000 Fans im Finale von Maracana und taucht sein Land in ein Tränenmeer.

München - Die Erwartungen waren riesig, am Ende trauerte ein ganzes Land

In Brasilien endete 1950 eine zwölf Jahre währende Zwangspause für WM-Turniere auf Grund des Zweiten Weltkriegs.

Als Gastgeber galten die Ballkünstler aus Brasilien als haushoher WM-Favorit.

Der große Rivale Argentinien hatte auf eine Teilnahme verzichtet hatte, weil sich die Gauchos bei der WM-Vergabe übergangen fühlten. (Der WM-Spielplan)

Pflichtaufgabe als Stolperstein

Nachdem die Brasilianer in der Vierer-Endrunde Schweden, das den Titelverteidiger Italien aus dem Rennen warf, mit 7:1 und Spanien mit 6:1 in Grund und Boden gewirbelt hatten, sah das ganze Land die entscheidende Partie gegen Uruguay nur noch als Pflichtaufgabe an.

200.000 Fans füllten das riesige Maracana-Stadion schon Stunden vorher.

Die beiden nächsten Tage galten als arbeitsfrei, alle Säle und Lokalitäten waren für die Siegesfeiern ausgebucht.

200.000 im Maracana

Aber die fast europäisch nüchtern spielenden Uruguayer ließen sich auch durch das Führungstor der Gastgeber nicht aus der Fassung bringen, bewahrten taktische Disziplin.

Die Nachfahren des großen Andrade, der einst die Fußball-Welt mit seinen Tricks begeisterte und dessen gleichnamiger Neffe nun ebenfalls dabei war, behielten kühles Blut, glichen aus - und schossen elf Minuten vor Schluss das Siegtor.

Brasilien versank in einem Meer von Tränen und Trauer.

Brasilianische Schockstarre

Noch drei Stunden nach Abfiff verharrten Zehntausende von Fans regungslos und schweigend auf den Rängen, konnten die Schmach nicht begreifen.

Brasiliens Radio legte Sendepausen ein: kein Wort, keine Musik!

Wohl niemand glaubte in diesem Moment daran, dass Brasilien den begehrtesten Fußball-Titel der Welt in den nächsten Jahrzehnten viele Male gewinnen würde.

Geringe Teilnahme aus Europa

Aber der Reiz von Rio de Janeiro und des weltberühmten Copacabana-Strandes reichte nicht, um alle europäischen Teams zur Teilnahme zu bewegen.

Fußball-Europa schreckte erneut die Entfernung ab, obwohl der Trip per Flugzeug nur noch 30 Stunden anstelle von drei Wochen Schiffsreise dauerte.

Österreich und Portugal verzichteten ebenso wie die Türkei, Dänemark, die Niederlande, Belgien und alle Ostblock-Staaten; nicht qualifiziert waren unter anderen Frankreich und Schottland.

Deutschland gesperrt

Für Deutschland war die WM noch tabu, man musste noch bis 1954 in der Schweiz warten. Allerdings wurden in Rio doch erfreuliche Perspektiven für die Zukunft sichtbar:

Der Weltverband FIFA stellte seinen Mitgliedsverbänden frei, wieder sportliche Beziehungen zum Deutschen Fußball-Bund (DFB) aufzunehmen - außer offizielle Länderspiele!

Dieses Thema vertagte man noch einmal auf die nächste Sitzung im September 1950 in Brüssel. Erst dort wurde der deutsche Fußball international wieder als voll akzeptiert.

Erste Nachkriegs-Länderspiel gegen die Schweiz

Am 22. November 1950 wurde in Stuttgart das erste Nachkriegs-Länderspiel gegen die Schweiz ausgetragen.

Eine wenig rühmliche Rolle spielte 1950 in Rio FIFA-Präsident Jules Rimet. Der Franzose setzte alle Winkelzüge ein, um den Schweizer Antrag abzuschwächen, der eine sofortige Aufnahme sportlicher Beziehungen mit Deutschland und Japan forderte.

Ernst Thommen als Schweizer Vorsitzender, aber auch der finnische Baron Frenckell und der einflussreiche Dr. Gregori aus Uruguay redeten mit Engelszungen.

FIFA nimmt das Saarland auf

Aber Rimets Einfluss und auch der seines Brüsseler Vize R.W. Seeldrayers waren zu groß.

Deutschland sei politisch geteilt, habe außerdem auch keinen Antrag auf eine Wiederaufnahme sportlicher Beziehungen gestellt - dahinter verschanzte sich Rimet.

Eines aber setzte er gleichzeitig durch: Das damals unter französischer Verwaltung stehende Saarland wurde in Rio in die FIFA aufgenommen.

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