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Das italienische bejubelt nach dem 2:1-Sieg im Finale den Titel © imago

Italien tat es Uruguay gleich und holte 1934 den Titel im eigenen Land. Deutschland erreichte bei der ersten Teilnahme den dritten Platz.

München - Bei der zweiten Weltmeisterschaft kämpfte Deutschland um den Einzug ins Finale.

Die Auswahl des DFB scheiterte bei ihrer ersten Teilnahme erst im Halbfinale.

Die Tschechoslowakei gewann das Spiel 3:1 - nicht zuletzt dank der Paraden ihres Wundertorwarts Frantisek Planicka.

Eine Woche später war Gastgeber Italien erstmals Weltmeister, mit einem mühsamen 2:1 nach Verlängerung. (Der WM-Spielplan)

Die Tifosi waren im Taumel. Deutschland belegte den dritten Platz durch ein 3:2 in Neapel gegen Österreich. Stolz empfing Spielführer Fritz Szepan von Mussolini einen Riesenpokal.

"Noch nie hat der Fußball-Sport seine Weltmacht so imposant dargetan... Millionen von Menschen aller Rassen, Erdteile, Völker haben in diesen Wochen von Fußball und Italien gesprochen", zog der Experte Friedebert Becker, der hernach bis 1982 in Spanien noch alle weiteren WM-Endrunden erlebte, sein Fazit.

Deutschland überrascht

War für Deutschland noch mehr möglich? Becker in seiner damaligen Analyse:

"Streitobjekt bleibt die deutsche Taktik. Es tut weh, wenn ausländische Fachleute so ziemlich einstimmig sagen: Ihr hättet die Tschechen schlagen können, wenn ihr taktisch gescheiter gespielt hättet."

Dennoch war Professor Otto Nerz, dem Trainer des deutschen Teams, wohl kaum ein Vorwurf zu machen.

Als er am 7. Mai seine WM-Kandidaten erstmals versammelte, war ein dritter Platz noch in nebulöser Ferne. Die Deutschen waren froh, überhaupt dabei zu sein.

Losglück für den DFB

Froh auch, bei der Auslosung Belgien als schlagbaren Vorrunden-Gegner erhalten zu haben. Bei der Auslosung geschah außerdem schon das erste kleine Wunder: Der Weltverband FIFA stufte Deutschland unter den acht gesetzten Teams ein, ließ aber Spanien und Frankreich draußen.

Für die deutschen Nationalspieler gab es erstmals überhaupt einen so genannten "Kursus". Mühsam und gegen vielfache Widerstände hatte Nerz diesen Fortschritt erkämpfen müssen.

Streitbarer Trainer

Überhaupt war Nerz ein sehr umstrittener Mann. Der Mediziner aus Mannheim, ein Landsmann seines späteren Gehilfen und Nachfolgers Sepp Herberger, war 1927 Reichstrainer geworden.

Bis dahin war die Nationalmannschaft ohne diesen Posten ausgekommen. Seine Kenntnisse vom Fußball bezog Nerz in erster Linie aus seinem Studium in England, wo er die Vorzüge von Profis bald erkannte.

Nerz galt als autoritär, seine Meinung alleine galt. So freundlich er sonst auch sein konnte, im Dienst war er unnahbar, Widerspruch duldete er nicht.

Stramm ging es zu, fast militärisch, mit Kommandopfeife und oft im Gleichschritt. Wie ein Unteroffizier kontrollierte Nerz abends die Bettruhe und morgens das Aufstehen.

Widerrede wird nicht geduldet

Beinahe wäre der später vorübergehend zum deutschen Rekord-Internationalen aufgestiegene Paul Janes 1934 nicht mit nach Italien gefahren.

Der Düsseldorfer Verteidiger, ein Straf- und Freistoß-Spezialist, war einmal zu spät gekommen. Außerdem hatte er sich ganz leise mokiert, dass die Trainingsmethoden von Nerz eher auf den Exerzierplatz gehören.

Streng aber erfolgreich

Aber Nerz hatte unzweifelhaft Erfolg: 1934/35 in insgesamt 25 Länderspielen 20 Siege und nur vier Niederlagen.

Eine solch positive Bilanz hatte es in den vorangegangenen 30 Jahren nie gegeben. WM-Bronze 1934 war ohne jeden Zweifel der erste Höhepunkt im deutschen Fußball.

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