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Der Ex-FIFA-Generalsekretär Zen-Ruffinen (r.) musste den Verband 2002 verlassen © getty

Michel Zen-Ruffinen sorgt mit neuen Aussagen um die Vergabe der WM 2018 und 2022 für Zündstoff. Auch die UEFA hat Probleme.

München - Die Korruptionsaffäre beim Weltverband FIFA um die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 weitet sich aus.

Und die UEFA plant wegen angeblicher Schmiergeldzahlungen vor der Vergabe der EM 2012 juristische Schritte gegen einen vermeintlichen Nestbeschmutzer.

Auch am Montag herrschte bei der FIFA und der Europäischen Fußball-Union hektische Betriebsamkeit wegen angeblicher Bestechungen.

Während die UEFA dem zyprischen Funktionär Spyros Marangos ein 48-Stunden-Ultimatum gestellt hat, bat die FIFA die britische Zeitung "Sunday Times" händeringend um Hilfe bei der Beweissuche.

"Das ist kein Gerücht, sondern Fakt"

Für Zündstoff sorgen angebliche Aussagen des ehemaligen FIFA-Generalsekretärs Michel Zen-Ruffinen.

Nach Angaben von Zen-Ruffinen sollen die Bewerber Spanien/Portugal (2018) und Katar (2022) bereits jeweils sieben Stimmen der 24 Exekutivmitglieder sicher haben.

"Das ist kein Gerücht, sondern Fakt", wird Zen-Ruffinen von den "Sunday Times"-Reportern, die sich als Lobbyisten für eine Austragung der WM in den USA 2022 ausgegeben hatten, zitiert.

Um am 2. Dezember in Zürich den Zuschlag zu erhalten, benötigen die Kandidaten 13 Stimmen.

Ertappter Funktionär droht mit juristischen Schritten

Zen-Ruffinen räumte zwar Kontakt zu den Journalisten ein, kündigte dennoch juristische Schritte an.

"Ich werde Klage gegen die beiden Journalisten einreichen und womöglich auch gegen die 'Sunday Times'", sagte der ehemalige Top-Funktionär, der die FIFA wegen Korruptionsvorwürfen gegen Präsident Joseph S. Blatter verlassen musste, der Schweizer Zeitung "Le Matin".

Er habe definitiv keine Kontakte zu Exekutivmitgliedern vermittelt.

FIFA kündigt "null Toleranz" an"

Die FIFA hatte am vergangenen Mittwoch zwei Exekutivmitglieder suspendiert. Amos Adamu aus Nigeria und Reynald Temarii aus Tahiti wird vorgeworfen, ihre Stimmen für die Vergabe der WM 2018 und 2022 feilgeboten zu haben.

Am Montag kündigte die FIFA an, jedes unethische Verhalten mit "null Toleranz" zu verfolgen.

Sie sei entschlossen, "die Integrität des Bewerbungsprozesses zu schützen". Eine Verschiebung der Vergabe hatte FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke ausgeschlossen.

Die FIFA bestätigte, dass die Aussagen Zen-Ruffinens in die laufenden Untersuchungen einfließen würden.

Bis Mitte November und damit noch vor dem WM-Vergabeverfahren am 2. Dezember will das FIFA-Ethik-Komitee die Untersuchung abgeschlossen und endgültige Entscheidungen getroffen haben.

UEFA fordert Beweise

Derweil hat die UEFA den Zyprer Marangos aufgefordert, seinen Vorwurf der Bestechlichkeit von UEFA-Exekutivmitgliedern bis spätestens Mittwoch mit Fakten belegen.

Dies teilte die UEFA am Montag mit. Sollte Marangos keine handfesten Beweise vorlegen, will ihn die UEFA verklagen.

Marangos liegen angeblich Beweise vor, die einen Verkauf des EM-Turniers 2012 an die Ukraine und Polen durch Vorstandsmitglieder der UEFA belegen.

EM-Gastgeber reagieren empört

Er behauptet, er habe mehrere Zeugen dafür, wie in einer zyprischen Anwaltskanzlei Korruptionsgeschäfte abgewickelt worden seien, die fünf hohe UEFA-Funktionäre betroffen und eine Gesamtsumme von elf Millionen Euro umfasst hätten.

Die EM-Gastgeber wiesen die Vorwürfe unterdessen zurück.

"Die Behauptungen sind drei Jahre alt. Wenn sie zumindest teilweise wahr wären, hätten wir keine Meisterschaft mehr", sagte der stellvertretende Ministerpräsident der Ukraine, Boris Kolesnikow, der Nachrichtenagentur "Interfax".

Ähnlich war die Reaktion in Polen. "Dies ist nur Verleumdung, es ist nicht einmal wert, dass man darüber redet", sagte Jakub Kwiatkowski, der Sprecher des polnischen Sportministeriums.

Polen behielt sich zudem rechtliche Schritte vor.

Bereits im Sommer Disziplinarchef Limacher informiert

Bereits im Sommer soll Marangos mit dem damaligen Chef der UEFA-Disziplinarabteilung, Peter Limacher, in Kontakt getreten sein.

Limacher, der den deutschen Rekordmeister Bayern München durch falsche Manipulationsanschuldigungen ins Zwielicht gebracht hatte und deshalb derzeit sein Amt ruhen lassen muss, soll mit dem Zyprer bereits ein Treffen in Genf für den 24. August 2010 vereinbart gehabt haben.

Die UEFA hatte am 18. April 2007 in Cardiff die EM 2012 mit 8:4 Stimmen an die Ukraine und Polen vergeben.

Topfavorit Italien unterlag überraschend, Mitbewerber Kroatien/Ungarn ging leer aus.

Bei den nun von Marangos Beschuldigten soll es sich um Vorstandsmitglieder der UEFA handeln, die "teilweise schon mit fragwürdigen Aktivitäten im Ehrenamt auffällig wurden".

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