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FIFA-Chef Sepp Blatter muss sich einem erneuten Korruptionsskandal stellen © getty

Wenige Tage vor der WM-Vergabe erschüttern neue Korruptionsvorwürfe den Weltverband. Beckenbauer kritisiert die Vorgehensweise.

München - Der FIFA droht ein weiterer Korruptionsskandal, die gleichzeitige Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 wird zunehmend zur Farce.

Während nach neuen Betrugsvorwürfen drei weitere hochrangige Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees unter Verdacht stehen und von Funktionären Absprachen zwischen Bewerberländern nicht mehr bestritten werden, hat Franz Beckenbauer die gleichzeitige WM-Vergabe am Donnerstag in Zürich heftig kritisiert.

"Es war ein Fehler, beide Weltmeisterschaften gemeinsam zu vergeben. Der Grund war die Planungssicherheit - vielleicht kann man zwei Weltmeisterschaften hintereinander besser vermarkten als eine.

Drei neue Funktionäre in Verdacht

Im Nachhinein sind alle der Meinung, dass es ein Fehler war", sagte FIFA-Exko-Mitglied Beckenbauer bei "sky".

Wie der Schweizer "Tages-Anzeiger" indes berichtete, sollen drei weitere Exekutivkomitee-Mitglieder in den neuen Korruptionsskandal verwickelt sein.

Dass die am Donnerstag in Zürich vorgesehene Entscheidung über die Austragungsorte der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 wegen der neuen Enthüllungen abgesagt werden könnte, glaubt der "Kaiser" nicht.

"Du kannst es wieder neu ausschreiben, aber dazu wurde schon viel zu viel Geld investiert. Zum Schluss hat man gesagt, trotz aller Korruptionsvorwürfe einzelner Mitglieder: wir ziehen das durch.

Am 2. Dezember werden jetzt beide Weltmeisterschaften entschieden", sagte Beckenbauer, der aus privaten Gründen im kommenden Jahr nicht mehr für einen Sitz in der Regierung des Weltfußballs kandidieren wird.

Dem Ehrenpräsidenten des Rekordmeisters Bayern München sind aber wohl auch die anhaltenden Bestechungsskandale ein Dorn im Auge.

Blatter zunehmend unter Druck

Denn Blatter könnte in den kommenden Tagen wegen des neuen Korruptionsskandals weiter in die Enge getrieben werden.

Mitte des Monats hatte der Weltverband bereits mehrjährige Sperren gegen sechs Fußball-Funktionäre, darunter die Exko-Mitglieder Amos Adamu (Nigeria) und Reynald Temarii (Tahiti), verhängt.

Adamu und Temarii wurden für drei beziehungsweise ein Jahr von jeglichen Tätigkeiten im Fußball suspendiert, nachdem sie des Verstoßes gegen mehrere Artikel der FIFA-Ethik-Regeln für schuldig befunden worden waren. Sie hatten ihre Stimme für die WM-Vergabe feilgeboten.

Bin Hammam sorgt für Aufregung

Am Montag sorgte zudem FIFA-Exekutiv-Mitglied Mohamed Bin Hammam aus Katar für helle Aufregung. Bin Hammam beurteilt einen möglichen Deal keineswegs kritisch. Angeblich soll es Absprachen zwischen ihm und dem spanischen FIFA-Vize-Präsidenten Angel Maria Villar Llona geben.

Spanien kandidiert zusammen mit Portugal für die WM 2018, Katar für die Endrunde 2022.

"Wenn es einen Deal gibt zwischen mir und Angel Maria aus Spanien oder anderen Beteiligten des Exekutivkomitees - dann sehe ich das nicht als Problem.

Vielleicht sehen Sie das aus europäischer Perspektive als Problem", sagte Bin Hammam, Chef der asiatischen Konföderation, in der "ARD-Sportschau" am Sonntag und im WDR-Hintergrundmagazin "sport inside" am Montag.

"Schuld ist das System"

"Beschweren Sie sich nicht bei Katar oder Spanien. Schuld ist das System, dass zwei Weltmeisterschaften am gleichen Tag entschieden werden", sagte Bin Hamman und schlug damit in die gleiche Kerbe wie Beckenbauer.

Nach den Sperren von Adamu und Temarii sind derzeit noch 22 Exekutiv-Mitglieder stimmberechtigt. Allerdings droht aktuell drei weiteren Mitgliedern die Suspendierung.

Für die WM in acht Jahren kandidieren England, Russland sowie die Doppelbewerber Belgien/Niederlande und Spanien/Portugal. Bewerbungen für 2022 liegen aus den USA, von Australien, Japan, Katar und Südkorea vor.

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