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Russlands Präsident Wladimir Putin bekommt wohl die nächste Großveranstaltung
Ministerpräsident Wladimir Putin verzichtet auf eine Reise nach Zürich © Getty Images

Russlands Ministerpräsident glaubt wegen Absprachen an keine Chancengleichheit bei der WM-Vergabe und sagt seine Teilnahme ab.

Zürich/München - Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin zeigt der FIFA die kalte Schulter und kritisiert wegen unlauterer Absprachen den "skrupellosen Wettbewerb".

Seine Teilnahme an der Vergabe sagt der russische Ministerpräsident ebenfalls ab.

Juristen bezeichnen die Wahl bereits im Vorfeld gar als "rechtlich unwirksam".

Für den Weltverband wird die skandalträchtige Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 am Donnerstag im Messezentrum in Zürich zu einem Tanz auf der Rasierklinge.

Die Zukunft und die Glaubwürdigkeit der FIFA stehen auf dem Spiel.

Anwältin droht FIFA

"Das Risiko der FIFA ist, dass ihr WM-Votum unwirksam sein könnte, wenn wir dem juristischen Prozedere folgen und der Sportgerichtshof CAS am Ende die Suspendierung aufheben sollte", sagte Geraldine Lisieur, die Anwältin des vor zwei Wochen suspendierten FIFA-Exekutivmitglieds Reynald Temarii aus Tahiti, der "Süddeutschen Zeitung".

"Wenn die FIFA die aktuellen Fälle nicht wie bei meinem Klienten verfolgt, werde ich das in einem Prozess nutzen."

Temarii ist derzeit auf dem besten Weg, aus dem Untergrund die Vergabe-Show zu torpedieren.

Am Dienstag machte auch die Konföderation Ozeaniens der FIFA einen Strich durch die Rechnung, da nach dem Ausschluss von Temarii aus dem Exekutivkomitee kein Ersatz gestellt wird.

Temarii, der auf das Angebot eines britischen Journalisten reingefallen war und seine Stimme bei der WM-Vergabe feilgeboten hatte, wird seinen Einspruch gegen seine Sperre durch die Ethik-Kommission der FIFA nicht zurückziehen.

Temarii spricht von Verleumdung

"Ich habe mich entschieden, nicht auf dieses fundamentale Recht zu verzichten, um meine Ehre, Würde und Integrität nach diesen verleumderischen Vorwürfen wiederherzustellen", schrieb Temarii in einem Brief an den Weltverband.

Temarii war für ein Jahr gesperrt worden. Allerdings fehlt noch immer der schriftliche Beschluss der Ethik-Kommission, der bereits vor geraumer Zeit bei Temarii hätte eingehen müssen.

"Ich kann meinem Klienten doch nicht empfehlen, eine Strafe zu akzeptieren, für die es gar keinen Beschluss gibt", sagte Temariis Rechtsbeistand Lisieur.

Kein Ersatzvertreter Ozeaniens

Die Rücknahme des Einspruchs Temariis hatte die FIFA als Voraussetzung für eine Stimmabgabe Ozeaniens durch einen Ersatzvertreter genannt. Damit dürften Australiens Chancen auf die Gastgeberrolle 2022 weiter gesunken sein.

Um die Endrunde in zwölf Jahren bewerben sich außerdem die USA, Katar, Südkorea und Japan. USA und Katar gelten derzeit als Favoriten im Rennen um die WM 2022.

Die FIFA hatte Temarii aufgefordert, das zuletzt gegen ihn ausgesprochene Strafmaß komplett zu akzeptieren und damit den Weg für einen Ersatzkandidaten freizumachen. Doch Temarii lenkte nicht ein.

Nach der Suspendierung von Temarii und dem Nigerianer Amos Adamu stehen aktuell nur noch 22 der 24 Exekutivmitglieder für die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 zur Verfügung.

Darunter befindet sich als einziger Deutscher Franz Beckenbauer.

Blatter entscheidet bei Gleichstand

Sollten am Ende zwei Bewerber dieselbe Anzahl Stimmen erhalten, entscheidet das Votum von FIFA-Präsident Blatter. Damit könnte Blatter im Falle eines Patts zum Zünglein an der Waage werden.

"Seine Stimme würde dann zählen wie im Europacup ein Auswärtstor", sagte ein FIFA-Sprecher. Ein Eigentor könnte für die FIFA allerdings dennoch drohen.

Der laxe Umgang mit den drei FIFA-Exko-Mitgliedern, die in den 90er Jahren Bestechungsgelder von der einstigen FIFA-Hausagentur ISL in Höhe von rund zehn Millionen Dollar kassiert haben sollen, werden wohl noch ein Nachspiel haben.

"Beckenbauer ist froh, wenn er den Verband verlassen kann"

Deutschlands Fußball-Lichtgestalt Beckenbauer wird am Donnerstag als Mitglied des Exekutivkomitees seinen Wahlzettel mit einigen Bauchschmerzen in die Urne werfen.

"Beim derzeitigen Zustand der FIFA wird Franz Beckenbauer froh sein, wenn er diesen Verband im Mai verlassen kann", spottete Bayern-Präsident Uli Hoeneß.

Beckenbauer hatte zuletzt untermauert, dass es ein großer Fehler gewesen sei, zwei Weltmeisterschaften an einem Tag zu vergeben.

Absprachen wie zwischen den Bewerbern Portugal/Spanien (2018) und Katar (2022), die deshalb als Favoriten ins Rennen gehen, wären nicht möglich gewesen, wenn die WM 2022 erst in zwei Jahren vergeben worden wäre.

Russland Favorit für 2018

Für 2018 läuft es offenbar auf einen Dreikampf England, Spanien/Portugal und Russland hinaus, wobei Russland bei zahlreichen britischen Buchmachern klarer Favorit ist, gefolgt von England und Spanien/Portugal.

Belgien/Niederlande werden nur Außenseiter-Chancen eingeräumt.

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