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Franz Beckenbauer gerät in der Affäre um die WM 2006 immer wehr unter Druck
Franz Beckenbauers Amtszeit als Mitglied der FIFA-Exekutive läuft im März 2011 aus © imago

Das FIFA-Exekutivmitglied bringt eine Verschiebung des Turniers wegen des Klimas ins Gespräch. Weitere Probleme sieht er nicht.

München - Kritik durch Liga-Boss Reinhard Rauball, Kompromissvorschlag von Franz Beckenbauer.

Deutschlands Fußball-"Kaiser" hat angesichts der großen Sommer-Hitze in Katar vorgeschlagen, die Fußball-WM 2022 im Wüstenstaat im Winter auszutragen.

"Ja, warum nicht? Die Spielpläne der großen westeuropäischen Ligen müssten 2012 verändert werden. Das wäre kein allzu gravierender Einschnitt", sagte das FIFA-Exekutivmitglied der "Bild":

"Es wäre eine Alternative dazu, Stadien und Fanzonen mit Riesenaufwand zu klimatisieren."

In den europäischen Wintermonaten herrschen in Katar Temperaturen um die 25 Grad.

Im Sommer bis zu 50 Grad

Die Hitze ist eine der größten Sorgen der Öffentlichkeit nach der umstrittenen Entscheidung des Weltverbandes FIFA, die WM nach Katar zu vergeben. 320256(DIASHOW: Die Bilder der WM-Vergabe)

Im Sommer erreichen die Temperaturen dort bis zu 50 Grad. Diese sollen laut Planung der Organisatoren in den zwölf neuen Stadien auf 27 Grad heruntergekühlt werden.

Trotz aller Bedenken appellierte Beckenbauer dafür, dem Gastgeber der Titelkämpfe 2022 "eine faire Chance" zu geben:

"Auch bei Südafrika gab es Bedenken, und am Ende haben wir dort eine fantastische WM erlebt."

Kritik an frühzeitiger Vergabe

Er sei sich sicher, dass dies auch den Kataris gelingen werde. "Sie werden das stemmen", sagte der 65-Jährige.

Seine Kritik, die WM 2022 bereits so früh zu vergeben, erneuerte der "Kaiser".

"Bei der WM in Katar bin ich 77", bemerkte Beckenbauer und hätte sich gewünscht diese Entscheidung "der zukünftigen Generation" zu überlassen.

Völler und Rauball offen für Beckenbauers Vorschlag

Die Bundesliga tritt Beckenbauers Verlegungsvorschlag offen gegenüber.

"Ich finde das gar nicht so unrealistisch. Ich finde sogar auch für uns, für die Bundesliga, ist so etwas reizvoll. Ich könnte mir das gut vorstellen!", sagte Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler bei "LIGA total!".

DFL-Präsident Dr.Reinhard Rauball spricht sich ebenfalls nicht grundsätzlich gegen eine WM im Winter aus.

"Es sollte ab sofort geprüft werden, unter welchen sportlichen Bedingungen eine WM in Katar möglich ist."

Sollten die klimatischen Bedingungen sich signifikant zum besseren wandeln, so wäre laut Rauball eine Verschiebung eine Alternative.

Eine dafür benötigte Umstrukturierung der Spielpläne sieht er "angesichts des langen zeitlichen Vorlaufs" ebenfallls möglich.

Fehlende Transparenz

Dagegen kritisiert Rauball diel fehlende Transparenz bei der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland bzw. Katar.

"Die Transparenz bei der Entscheidungsfindung ist eindeutig verbesserungsfähig", sagte der Vereins-Chef von Borussia Dortmund dem Nachrichtenmagazin "Focus":

"Den Fußball-Fans muss bei einer Entscheidung klar gemacht werden, warum sich die FIFA für oder gegen ein Land entschieden hat."

Nur ein Kärtchen aus einem Kuvert zu ziehen, sei nicht zeitgemäß und lade geradezu zu Spekulationen ein.

Vor allem die Wahl Katars, bislang noch nie für eine WM-Endrunde qualifiziert, hatte weltweit große Empörung ausgelöst.

De Maiziere: Politik sollte sich raushalten

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere hat hinsichtlich der Bestechungsvorwürfe gegen hohe FIFA-Funktionäre die Autonomie des Sports betont.

"Die Politik sollte sich da nicht einmischen, es wird nicht besser, wenn sie den Sport kontrolliert. Dieser muss die Aufklärung autonom betreiben", meinte der für den Sport zuständige Vertreter der Bundesregierung.

Fehlendes Vertrauen Grund für Burden-Rücktritt

Der Übergangspräsident des englischen Verbandes FA, Roger Burden, hat unterdessen nach dem desaströsen Scheitern der englischen Bewerbung um die WM 2018 auf seine Kandidatur für den Posten als FA-Chef verzichtet.

Als Grund gab Burden an, er könne den Mitgliedern des Weltverbandes FIFA nicht mehr trauen.

Das Fußball-Mutterland war im Ringen um die WM 2018 bereits im ersten Wahlgang mit nur zwei Stimmen durch das FIFA-Exekutivkomitee gescheitert.

"Ich habe begriffen, dass eine wichtige Aufgabe meines Amtes die Beziehung zur FIFA ist. Ich bin aber nicht in der Lage, mit Leuten umzugehen, denen ich nicht vertrauen kann", sagte Burden.

England im ersten Wahlgang gescheitert

England war bei der Vergabe der WM-Endrunde 2018 trotz der vermeintlich besten Bewerbung im ersten Wahlgang gescheitert.

Russland erhielt bei der Vergabe in Zürich später den Zuschlag.

Roger Burden hatte im Mai nach dem Rücktritt von FA-Chef David Triesman dessen Amt als Übergangspräsident geführt.

Er stehe der FA noch so lange zur Verfügung, bis sein Nachfolger gefunden worden sei, so Burden.

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