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Scharfe Kritik: Reinhard Rauball, Präsident des Liga-Verbandes DFL © getty

Der Liga-Präsident sieht große Probleme bei der Umstellung des Spielkalenders. Und er greift den Weltverband FIFA scharf an.

Von Maik Rosner

München - Die Idee für eine Winter-WM in Katar findet immer mehr Befürworter.

Doch Liga-Präsident Reinhard Rauball sieht große Probleme auf die Verbände bei der Umstellung auf einen neuen Zeitplan zukommen.

Zudem erhebt Rauball schwere Vorwürfe gegen den Fußball-Weltverband FIFA.

Die Entscheidung, das Turnier für 2022 an den Wüstenstaat zu vergeben, sei offenbar getroffen worden, ohne die Sommerhitze ins Kalkül zu ziehen 320256(DIASHOW: Die Bilder der WM-Vergabe).

"Entscheidungen brauchen Transparenz"

"So sieht das vorläufige Ergebnis aus: Ein unfassbar großer Reparaturaufwand für eine falsch getroffene Entscheidung", sagte der Präsident des Bundesliga-Tabellenführers Borussia Dortmund in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

Es gebe zwar keine Denkverbote, aber es dürfe auch keine Schnellschüsse geben.

Verärgert ist der 64-Jährige vor allem über die unbedachte Entscheidungsfindung des Weltverbandes.

"Offenbar kommt die Fifa erst jetzt darauf, dass die Bedingungen für die Spieler zu beachten sind", kritisierte Rauball.

Und weiter: "Es reicht im Jahr 2010 nicht mehr aus, einen Briefumschlag aufzureißen und zu verkünden: 'The winner is Quatar.' Heute brauchen solche Entscheidungen Transparenz, man will Erklärungen. Und natürlich will man wissen, ob die Klima-Aspekte vergessen oder einfach runtergespielt worden sind. So ist das nicht akzeptabel."

Umstellung erst nach 2018

Obwohl noch elf Jahre bis zu dem Turnier vergehen werden, wäre eine Umstellung des Zeitplans in den großen europäischen Ligen hochkompliziert.

"Vor Katar 2022 ist die WM 2018 in Russland, da spielt man sicher nicht im Winter, bei sibirischer Kälte, es muss danach passieren. Und was geschieht mit dem Afrika-Cup im Januar, mit dem Asien-Cup? Was mit der Fußball-Europameisterschaft, soll die 2020 in den Winter rücken? Und was, wenn diese EM in Skandinavien wäre?"

Zudem gab er zu bedenken, dass auch die Champions League und die Europa League umgestellt werden müssten.

Drohung gegen Blatter

Fragen über Fragen - und eine Drohung gegen Präsident Joseph Blatter.

Die FIFA wäre "außerordentlich gut beraten, sich das nächste Mal mit den fünf großen Ligen in Europa zusammenzusetzen, bevor sie Entscheide trifft, die von diesen Ligen nicht mitgetragen werden".

Rauball stellte auch die Zukunft Blatters in Frage: "Sollte dieser Ratschlag wieder mit Füßen getreten werden", müsse "darüber nachgedacht werden, ob die UEFA nicht einen eigenen Kandidaten für die nächste FIFA-Präsidentschaftswahl stellt."

Völler sieht Chancen

Unterdessen hat sich nun auch Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler für eine Winter-WM ausgesprochen.

Mehr noch: "Es ist sogar eine Chance, bei uns den Spielkalender zu überdenken und von Februar bis Ende November zu spielen." Denn von 34 Spieltagen friere man derzeit gefühlt an 20.

Das sieht auch Dieter Hoeneß so, der Manager des VfL Wolfsburg. "In den schönsten Monaten macht unser Fußball Pause. Das ist nicht gut", sagte Hoeneß.

Doch es gibt auch Bedenken. Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer sieht vor allem die Gefahr, dass die langen Schulferien im Sommer "eine Menge Zuschauer kosten würden". Das fürchtet auch Rauball.

Blatters Rechtfertigung

Und Hoffenheims Manager Ernst Tanner hält die Umstellung für "nicht umsetzbar". Südliche Länder wie Spanien oder Italien könnten nicht in ihrer Sommerhitze spielen. "Es ist unmöglich, alles unter einen Hut zu kriegen", sagte Tanner.

Befürworter Blatter hat sich inzwischen zu den Vorwürfen geäußert, die WM-Vergaben an Russland und Katar seien aus finanziellen Erwägungen erfolgt.

"Wir haben neue Märkte erschlossen, in Osteuropa und in Asien. Und das ist nicht so gemeint, wie viele geschrieben haben und immer noch schreiben", sagte Blatter und machte dabei eine Handbewegung, die weltweit als Geste des Geldzählens verstanden wird.

Vielmehr sei es darum gegangen, den Fußball in die ganze Welt zu tragen und nicht an den bekannten Grenzen zu verharren.

Ins Schwitzen kommen andere.

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