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Das Khalifa International Stadion ist ein möglicher Spielort in Katar © getty

Ein Ingenieur hat sich verplappert: Angeblich soll es bei der WM 2022 wegen der großen Hitze eine spektakuläre Reform geben.

Von Christian Stüwe

München - Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten.

Diese beiden Fußballweisheiten werden auch bei der WM 2022 in Katar ihre Gültigkeit haben.

Fast alles andere scheint aber zur Diskussion zu stehen.

Nachdem bereits über eine Weltmeisterschaft im Winter diskutiert wurde, gibt es nun offenbar Überlegungen, die WM-Spiele in drei Dritteln zu je 30 Minuten auszutragen.

Michael Beavon, ein leitender Ingenieur der Firma Arup Associates, die für die Klimaanlagen in den Stadien des Emirats verantwortlich ist, brachte die angeblichen Pläne der FIFA an die Öffentlichkeit.

Ingenieur verplappert sich

Beavon referierte auf der "Katar Infrastruktur Konferenz" in London über die WM in Katar und die Kühlungstechnologie der Stadien.

Ab 29 Grad steige das Risiko hitzebedingter Verletzungen enorm an, erklärte Fachmann Beavon, und verblüffte dann Publikum und Fachwelt, da er sein vermeintlich geheimes Hintergrundwissen der Öffentlichkeit präsentierte.

"Wenn es 32 Grad oder mehr sind, werden sie drei Drittel mit jeweils 30 Minuten spielen, anstelle von zwei Halbzeiten", sagte Beavon, sich offenbar nicht bewusst, dass eine solche Reform die Fußballwelt in den Grundfesten erschüttern würde.

Klimaanlagen sollen normalen Ablauf garantieren

Denn trotz der umstrittenen Vergabe nach Katar garantierte die FIFA bislang eine WM, die sich nicht von Turnieren in anderen Ländern unterscheiden sollte.

Der eigentliche Plan hatte vorgesehen, die Temperaturen in den Stadien mit aufwendiger Solartechnik auf deutlich unter 30 Grad herunter zu drücken.

Doch von der Durchführbarkeit dieses ehrgeizigen Plans scheint Beavon noch nicht voll und ganz überzeugt.

Zwar demonstrierte der Ingenieur grundsätzlich Vertrauen in die Kühltechnik, dass es aber immer gelingen werde, die Außentemperaturen von 40 Grad und mehr auf unter 30 Grad abzukühlen, wollte er aber offenbar nicht garantieren.

Die FIFA dementiert

Daher habe die FIFA vorausschauend erwogen, die Spielzeit in drei Drittel aufzuteilen, um die Spieler zu schützen, erklärte er. Die FIFA dementierte die Gerüchte um die spektakuläre Spielzeitreform allerdings umgehend.

"Alle 64 Spiele werden in Co2-neutral gekühlten Stadien mit zwei Halbzeiten zu 45 Minuten ausgetragen, wie es die Regeln vorsehen", teilte der Weltverband mit.

Allerdings sehen die Regeln keineswegs zwingend vor, dass die 90 Minuten in zwei Hälften ausgetragen werden.

Zwei Halbzeiten als Interpretationssache?

Punkt Sieben des Fußball-Regelwerks lässt nämlich jede Menge Platz für Interpretationsspielraum.

Nur solange der Schiedsrichter und die beiden Teams sich nicht anderweitig verständigt hätten, werde ein Spiel in zwei 45-Minuten-Abschnitten ausgetragen, heißt es dort.

Eine Änderung dieser Zeit-Intervalle angesichts besonderer äußerer Umstände ginge also durchaus mit dem Regelwerk konform.

Mehr Platz für TV-Werbung

Und neben der löblichen Absicht, Spieler vor hitzebedingten Verletzungen zu schützen, würde ein noch weitaus profanerer Grund für die Aufteilung in drei Drittel sprechen:

Eine weitere Pause würde mehr Platz für Fernseh-Werbung schaffen und somit das Turnier für die FIFA noch profitabler machen.

Angesichts der Tatsache, dass die WM in erster Linie aus finanziellen Gründen in den Wüstenstaat vergeben wurde, scheint es also noch ein weiteres starkes Argument für eine mögliche 3x30-Minuten-Lösung zu geben.

Es wird sich zeigen, ob Ingenieur Beavon mit seinen Äußerungen falsch lag, oder ob bei dem Turnier in Katar die eine oder andere Weisheit umgeschrieben werden muss.

Denn im dritten Drittel wurde ein Fußball-Spiel noch nie entschieden.

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