Spätzünder Giroud bringt Kritiker zum Schweigen
Madrid - Franck Ribery hatte keine Chance.
Nachdem sich Olivier Giroud aus der französischen Jubeltraube befreit hatte, rannte er auf seinen wesentlich kleineren Kumpel zu und bedankte sich per Schwitzkasten und "zärtlichem" Streicheln für die Vorlage zum 1:1.
Der nicht mehr für möglich gehaltene Last-Minute-Treffer ( Bericht) sorgte für einen verdienten Punkt gewinn beim spanischen Welt- und Europameister in der WM-Qualifikation. ( DATENCENTER: WM-Qualifikation).
Ausgerechnet Giroud. Der so schwach in die Saison gestartete Arsenal-Teamkollege der deutschen Nationalspieler Per Mertesacker und Lukas Podolski hätte gar nicht spielen sollen.
Doch er profitierte nach 88 Minuten von der Blessur des Stürmerstars Karim Benzema - und machte in der dritten Minute der Nachspielzeit das Unentschieden mit dem "Geschmack eines Sieges" perfekt, wie die Tageszeitung "Le Parisien" befand.
Kopf-an-Kopf-Rennen
Nach drei Spielen liefern sich beide Nationen mit sieben Punkten ein Kopf-an-Kopf-Rennen im Kampf um das direkte Ticket zur WM 2014 in Brasilien.
"Ich weiß nicht, ob dies das wichtigste Tor meiner Karriere war, aber es ist eins, das zählt", sagte Giroud nach der unterhaltsamen Partie im Madrider Vicente-Calderon-Stadion:
"Wir haben die Kritiker zum Schweigen gebracht."
In der Tat hatte in der "Grande Nation" kaum jemand mit etwas Zählbarem aus dem Spiel bei der seit Jahren dominierenden "Roten Furie" gerechnet.
Sergio Ramos von Meister Real Madrid hatte die Gastgeber zwar erwartungsgemäß in der 25. Minute in Führung gebracht.
In der zweiten Halbzeit kaufte die "Equipe Tricolore" dem Favoriten aber den Schneid ab.
Lloris wird zum Helden
Zudem machte sich Torwart Hugo Lloris mit einem gehalten Elfmeter gegen Cesc Fabregas (42.) zum zweiten französischen Helden.
"Es ist großartig, aus einem Spiel wie diesem einen Punkt mitzunehmen", sagte Trainer Didier Deschamps.
Für seine Einwechselungen lobte er sich selbst:
"Die, die in der Startelf standen, haben die Arbeit gemacht und die die reinkamen, haben viel für das Spiel getan."
"Le Monde" erhob den ehemaligen Nationalspieler daraufhin zum "taktischen Meister".
Ribery versetzt Kommentatoren in Ekstase
Einer, der wohl für beides verantwortlich zeichnete, war der erneut starke Ribery.
Als der Dribbelkünstler von Bayern München zu seiner entscheidenden Flanke ansetzte, versetzte er die französischen Kommentatoren reihenweise in Ekstase.
"Wir sind sehr zufrieden", sagte er: "Das Ergebnis ist absolut gerecht."
Spaniens Serie endet
Für Spanien endete am Dienstag die unglaubliche Serie von 24 Siegen in Folge in Qualifikationsspielen, das "Trostpflaster" von nun 23 Pflichtspielen ohne Niederlage dürfte die 93. Minute aber schnell vergessen machen.
"Wir haben das Spiel in der ersten Hälfte kontrolliert", sagte Trainer Vicente del Bosque:
"In den letzten 30 Minuten haben wir aber nachgelassen. Das Rückspiel in Frankreich wird wichtig."
Favoriten geben sich keine Blöße
Derweil gaben sich die Favoriten in den anderen Gruppen keine Böße.
Die Niederlande, 2002 noch in der Quali gescheitert, spazierten in Rumänien dank eines überragenden Hamburgers Rafael van der Vaart zu einem 4:1 (3:1) und thronen mit zwölf Punkten aus vier Spielen an der Spitze der Gruppe D.
Bondscoach und Ex-Bayern-Trainer Louis van Gaal.warnte trotz des souveränen Erfolgs in Bukarest, dass selbst Fußballzwerg Andorra noch zwölf Punkte erreichen könne.
Jeremain Lens (9.), Bruno Martins (29.), van der Vaart (45., Elfmeter) und Robin van Persie (86.) hatten die Oranje-Treffer erzielt, der Schalker Ciprian Marica (40.) zum zwischenzeitlichen 1:2 getroffen.
Huntelaar 90 Minuten auf der Bank
Schalkes Torjäger Klaas-Jan Huntelaar saß 90 Minuten auf der Bank.
Ebenso behauptete Vize-Europameister Italien mit einem 3:1 (2:1) gegen Dänemark die Tabellenführung in der Gruppe B
In Gruppe F scheint Russland unter seinem neuen Trainer Fabio Capello nach dem 1:0 gegen das von Berti Vogts trainierte Aserbaidschan zu alter Stärke zurückzukehren.
Mit zwölf Punkten liegen die Russen fünf Zähler vor Portugal, das im 100. Länderspiel von Topstar Cristiano Ronaldo nur zu einem 1:1 gegen Nordirland kam.

