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Verstimmt: Ottmar Hitzfeld (2.v.l.) ist seit 2008 Nationaltrainer der Schweiz © getty

Nach dem unnötigen Remis gegen Island wird es für die Schweiz auf dem Weg nach Brasilien nochmal eng.

Bern - Um 21.40 Uhr war die Welt der Schweizer Nationalmannschaft noch in Ordnung.

Die von Ottmar Hitzfeld trainierte "Nati" führte in Bern überlegen 4:1 gegen Island (Bericht), hatte als Spitzenreiter der WM-Qualifikationsgruppe E virtuell sechs Punkte Vorsprung auf Verfolger Norwegen und sogar die sonst eher zurückhaltenden Fans der Eidgenossen übten auf den Rängen schon La Ola.

Nur 35 Minuten später war die Feier wieder beendet.

Ein Isländer namens Johann Gudmundsson hatte die spektakuläre Aufholjagd seines Teams in der Nachspielzeit mit seinem dritten Tor des Spiels zum 4:4 beendet und die Schweiz in ein Tal der Tränen gestürzt.

Ein Auftritt, der in Deutschland Erinnerungen an das ergebnisgleiche Remis der DFB-Auswahl gegen Schweden im Oktober 2012 erinnerte - das Team von Bundestrainer Joachim Löw hatte damals sogar eine 4:0-Führung verspielt.

Früher Rückstand

In Bern hatten die Schweizer Verteidiger Stephan Lichtsteiner von Juventus Turin (15. und 30.) und Fabian Schär (27.) vom FC Basel nach dem überraschenden frühen Rückstand durch Gudmundsson (3. ) noch vor der Pause für eine vermeintliche sichere Führung gesorgt.

Nach dem 4:1 durch einen von Blemir Dzemaili verwandelten Foulelfmeter (54.) schien das Spiel entschieden, Kolbeinn Sigthorsson (56.) und der überragende Gudmundsson mit zwei weiteren Treffern (68. und 90.+1) kosteten die Schweiz allerdings noch zwei möglicherweise wichtige Zähler.

Echo auf das Fiasko

Das Echo auf das Fiasko der vor dem Spiel besten Abwehr Europas war laut:

"Dümmer gehts nimmer!", urteilte der "Blick", die "Neue Zürcher Zeitung" schrieb von einem "Tolggen im Reinheft", also einem ordentlichen Makel im Schweizer Zeugnis: "Sie stolpern über den Hang zur Selbstüberschätzung."

Hitzfeld selbst kündigte mit zerknirschtem Gesicht bereits Redebedarf für die kommenden Tage an.

"Wir werden uns über sehr viele Dinge unterhalten müssen. Wir müssen besprechen, was wir falsch gemacht haben", sagte der 64-Jährige, der sich sein 50. Spiel als Schweizer Trainer sicher anders vorgestellt hatte.

Vorentscheidung gegen Norwegen?

Viel Zeit hat er nicht, bereits am Dienstag wartet das vorentscheidende Spiel beim Tabellenzweiten Norwegen auf die Schweiz.

"Wir können die nächsten Tage ja nicht mehr intensiv trainieren. Wir müssen mehr im zwischenmenschlichen Bereich arbeiten", kündigte Hitzfeld an.

Immerhin: Die Ausgangslage ist weiterhin gut. Drei Spieltage vor Schluss hat die Schweiz vier Punkte Vorsprung auf die Norweger.

Ein Hoffenheimer und ein Ex-Gladbacher jubeln

Die Skandinavier bezwangen Zypern durch Treffer des Hoffenheimers Tarik Elyounoussi und des Ex-Gladbachers Joshua King 2:0.

Albanien fiel dagegen durch eine 0:1-Niederlage in Slowenien auf Rang drei zurück.

Gewinnen die Eidgenossen am Dienstag und trennen sich Island und Albanien zwei Stunden später mit einem Unentschieden, sind Hitzfeld und sein Team sicher für die WM qualifiziert.

Gleichzeitig kann es bei einer Niederlage in Norwegen vor den beiden abschließenden Spielen aber auch wieder richtig eng werden.

Spätestens dann wäre die Welt in der Schweiz nicht mehr in Ordnung.

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