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Jürgen Klinsmann (r.) war in der Saison 2008/2009 Trainer des FC Bayern München © getty

Jürgen Klinsmann sichert sich mit der US-Nationalelf das Ticket für die WM-Endrunde. Doch Anlass zur Euphorie gibt es nicht.

Columbus/München - Als die WM-Teilnahme perfekt war, streifte sich Jürgen Klinsmann ein T-Shirt mit dem Aufdruck "qualifiziert" über und sprach von einem "großen, großen Abend".

Der Freudenrausch hielt aber nicht lange an. Für den ehemaligen Bundestrainer ist das Lösen des Tickets zur WM-Endrunde in Brasilien offenbar nicht mehr als ein Etappenerfolg - der große Coup soll noch folgen.

"Der amerikanische Fußball", sagte Klinsmann, "ist weiter im Kommen". Klar, er freue sich über die WM-Teilnahme, aber vor allem könne man sich sich jetzt "akribisch auf die Weltmeisterschaft vorbereiten".

Der Gold-Cup-Sieg im Juli, nun die vorzeitige und souveräne Qualifikation - Klinsmann hätte gute Argumente, um sich feiern zu lassen und ambitionierte Ziele für das Turnier in Brasilien in neun Monaten zu stecken. (DATENCENTER: WM-Qualifikation)

Doch der 49-Jährige sprach nur von einem "wichtigen Schritt" - wohl aus gutem Grund.

US-Fußball salonfähig machen

Sein Ziel, den US-Fußball international salonfähig zu machen, ist er ein ganzes Stück nähergekommen. Das weiß der frühere Stürmer.

Jetzt, so scheint es zumindest, will Klinsmann heimlich, still und leise zum großen Schlag ausholen.

Und so hob er zunächst einmal hervor, dass die Qualifikation "ein langer, schwieriger Weg" gewesen sei.

An dessen Ende stand ausgerechnet ein 2:0-Prestigeerfolg gegen den Erzrivalen Mexiko, mit dem sein Team in der Nacht zum Mittwoch die siebte Teilnahme der USA in Folge an einer WM-Endrunde klarmachte.

Mit 16 Punkten schoben sich die US-Boys wieder auf den ersten Tabellenplatz der CONCACAF-Qualifikationsgruppe vor das ebenfalls qualifizierte Costa Rica (15).

Ex-Bayer Donovan trifft

In Columbus/Ohio trafen Eddie Johnson (49.) und Landon Donovan (78.) vor 24.584 Zuschauern im Crew Stadium, ein Bundesliga-Duo aus Jermaine Jones (Schalke 04) und Fabian Johnson (1899 Hoffenheim) stand in der Startelf.

"Ich bin so stolz auf dieses Team, das so hart gearbeitet hat. Jeder hat sich die WM-Teilnahme wirklich verdient", sagte der ehemalige Bundesliga-Profi Donovan.

Dagegen ist der WM-Zug für einen anderen deutschen Trainer so gut wie abgefahren.

Winfried Schäfer kam mit Jamaika in Kingston gegen Costa Rica zwar immerhin zu einem 1:1, doch bei einem Rückstand von vier Punkten auf Play-off-Platz vier bei zwei ausstehenden Spielen dürfte der eine Zähler zu wenig gewesen sein.

In der vorletzten Begegnung am 11. Oktober reist Schäfer mit seinen Reggae Boyz ausgerechnet zu Klinsmanns US-Boys.

Honduras mit guten Chancen

Hinter den USA und Costa Rica hat Honduras nach dem 2:2 in Panama als Dritter mit elf Punkten gute Chancen, sich das dritte Direkt-Ticket für die WM in Brasilien zu sichern.

Dahinter folgen Panama und Mexiko gleichauf (8 Punkte) auf den Plätzen vier und fünf vor Schlusslicht Jamaika (4). Der Viertplatzierte muss in die Relegation gegen Ozeanien-Vertreter Neuseeland.

Das bleibt Klinsmanns Team erspart. Die "anstrengenden Auslandsreisen", so Klinsmann, haben die Qualifikation ohnehin besonders "schwierig" gemacht.

Der Trip vor wenigen Tagen nach Costa Rica (1:3) stand sinnbildlich dafür: Der Mannschaftsbus war bei der Ankunft mit Eiern beworfen worden.

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