Offene Kabel, unfertige Tribünen, Sicherheitsmängel: SPORT1 zeigt im WM-Stadion von Sao Paulo Missstände auf, die Sorgen machen.

Aus Brasilien berichtet Monty Jeziorski

Sao Paulo - Noch kein Ticket für die WM? Kein Problem!

Am Sonntag fand beim Ligaspiel zwischen Corinthians und Botafogo in Sao Paulo die Generalprobe für das WM-Eröffnungsspiel am 12. Juni zwischen Gastgeber Brasilien und Kroatien statt. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

SPORT1 war dabei, um vor Ort Eindrücke vom letzten Stand der Vorbereitungen zu sammeln.

Das, was wir vor Ort erlebten, macht Sorgen:

Auch ohne Eintrittskarte kommen die Fans beispielsweise durch alle Sicherheitskontrollen bis direkt vor die Arena. Bei weitem nicht die einzige Panne, denn die WM-Tauglichkeit steht längst noch nicht fest.

Ohne Ticket bis direkt ans Stadion

Erst direkt am Eingang wundern sich FIFA-Offizielle, wie wir so weit kommen konnten. Ein Unding - passiert das in zehn Tagen beim WM-Eröffnungsspiel an gleicher Stelle, müssten tausende Fans ohne Karten wieder durch die Schleusen zurückgeschickt werden.

Die Folge wäre im besten Fall ein massiver Stau. Im schlimmsten Fall würde eine Panik ausbrechen. (816411DIASHOW: Die WM-Stadien)

Allerdings sind die Vorkehrungen bei WM-Spielen andere als bei einer Partie der brasilianischen Liga. Normalerweise gibt es rund um die von der FIFA für die Turnierdauer übernommenen Stadien eine sogenannten Bannmeile, die niemand ohne Eintrittskarte oder Akrreditierung betreten darf.

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Offene Kabel, herumstehende Gasflaschen

Doch selbst wenn diese Sicherheitslücke geschlossen wird, gibt es weitere besorgniserregende Details in Sao Paulo.

Der rund 325 Millionen Euro teuren Arena ist die Hektik beim Bau-Endspurt auch ohne allzu kritisches Auge anzusehen. Nur mit ganz viel Wohlwollen lässt sich sagen, dass alles auf den letzten Drücker fertig geworden ist. Dass Tribünendächer fehlen, steht schon seit Wochen fest.

Tatsächlich, das Stadion steht. Offene Kabel und herumstehende Gasflaschen lassen außerhalb der Ränge weder auf Sorgfalt noch Fertigstellung schließen.

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Tribüne mit Stoff verhüllt

Hinzu kommt: Um auf die erforderliche Kapazität von 65.000 Plätzen zu kommen, wurden temporäre Tribünen auf die Betonränge gebaut, die nur aus Gerüsten bestehen.

Die Fassade scheint fertig, besteht aber nur aus einer riesigen Stoff-Verkleidung. Die Organisatoren haben ihr Provisorium schlicht eingewickelt und hoffen offenbar, dass es niemandem auffällt.

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Trotzdem bewertete das lokale Organisationskomitee (LOC) die Probe als "extrem positiv". Die langen Wartezeiten für die Fans schob der LOC-Verantwortliche Tiago Paes kurzerhand auf den Gastgeber Corinthians und versprach: "Wir gehen davon aus, dass am 12. Juni aber alles funktionieren wird."

Arena noch nie ausverkauft

Was am meisten Sorge bereitet: Einen echten Eröffnungsfeier-Test hat es für die Arena außerdem noch gar nicht gegeben, denn auch diesmal blieben viele Plätze unbesetzt, der Oberrang einer Hintertortribüne komplett leer. Offiziell kamen 50.000 Zuschauer zum 1:1 zwischen Corinthians und Botafogo, doch bei genauem Hinsehen sind es einige tausend Menschen weniger.

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Sprich: Ausverkauft war es hier noch nie.

Entsprechend weiß niemand, was passiert, wenn zum WM-Eröffnungsspiel 65.000 hauptsächlich brasilianische Fans zum Spiel des Gastgebers gegen Kroatien kommen.

Anders als bei den meisten anderen WM-Spielorten gab es in Sao Paulo im neuen Stadion noch kein Länderspiel, nur Ligaspiele, bei denen der Heimatverein Corinthians als Veranstalter fungierte. Die FIFA war zwar schon vor Ort, konnte deshalb aber in Form seiner freiwilligen Helfer noch längst nicht alle Fragen beantworten.

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In den verbleibenden Tagen kann der Weltverband also nur noch die offensichtlichsten Baustellen aufräumen und auf das Beste hoffen.

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