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Michel Platini (l.) wird nicht gegen FIFA-Boss Joseph Blatter antreten
Die Stimmung zwischen Platini (l.) und Blatter (r.) ist vergiftet © getty

Joseph Blatter will den FIFA-Kongress zur Krönungsmesse für seine fünfte Amtszeit machen. Michel Platini hat etwas dagegen.

Sao Paulo/Frankfurt - Am Wochenende saßen Joseph S. Blatter und Michel Platini in Sao Paulo an einem Tisch. Sie mussten.

Während der Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees ging es um die Korruptionsvorwürfe gegen Katar, um die Demonstrationen gegen die am Donnerstag beginnende WM in Brasilien.

Die Atmosphäre in der "Regierung des Weltfußballs" war im edlen Grand Hyatt Hotel durch den schwelenden Machtkampf zwischen dem FIFA-Präsidenten und dem UEFA-Boss aber längst vergiftet.

Blatter sieht "seine Mission" noch nicht beendet

Blatter (78) wird sich im Rahmen des großen FIFA-Kongresses am Dienstag und Mittwoch um eine fünfte Amtszeit an der Spitze des Weltfußballs bitten lassen, er sieht "seine Mission" noch nicht beendet.

Platini (58), früher mal Ziehsohn des Schweizers, sieht das dem Vernehmen nach ganz anders und würde auch als ernsthafter Herausforderer gelten - der Franzose will aber abwarten und sich erst im August erklären. Bis dahin fliegen Giftpfeile.

Im Verlauf der Enthüllungen zu dem vermeintlichen Bestechungsskandal bei der Vergabe der WM 2022 an Katar, in denen erstmals der Name Franz Beckenbauer auftauchte, ließ Platini nach den Vorwürfen gegen ihn über die französische Zeitung "L'Equipe" ausrichten, es gebe da "jemanden, etwas, Personen, die das steuern".

Blatter: WM-Vergabe nach Katar ein "Fehler"

Blatter hatte schon vor den Berichten der "Sunday Times", laut denen der katarische Unternehmer Mohamed Bin Hammam während seiner Zeit im FIFA-Exko mit Geld und Geschäftsabschlüssen geschmiert hat, die Wahl des Wüstenstaats als "Fehler" bezeichnet. Platini ist bekennender Katar-Wähler.

Am Sonntag berichtete die britische Zeitung, Bin Hammam habe neben den millionenschweren Überweisungen auch seine wirtschaftlichen und politischen Kontakte missbraucht, um die WM in sein Heimatland zu holen.

So sei es Ende Oktober 2010, kurz vor der Wahl Katars, zu einem Treffen mit Wladimir Putin, damals Premierminister Russlands, gekommen, um "bilaterale Beziehungen im Sport" zu diskutieren.

Die Sache mit den "politischen Einflüssen"

Die "BBC" berichtet zudem von Treffen der katarischen Königsfamilie mit neun Mitgliedern des damaligen FIFA-Exkos, darunter auch Blatter.

Der Schweizer hatte in der Vergangenheit immer wieder von "politischen Einflüssen" bei der Vergabe gesprochen.

Unter anderem habe es kurz vor der Wahl ein auch verbrieftes Treffen Platinis mit Frankreichs damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy und Vertretern Katars gegeben. Platini hatte jegliche Beeinflussung seiner Stimmabgabe immer vehement bestritten.

Blatter wehrt sich gegen Platinis Altersgrenze

Der Einfluss des UEFA-Chefs wird sich bei der Zusammenkunft der 209 FIFA-Mitgliedsverbände im Transamerica Expo Center zeigen.

Auf der Tagesordnung steht der Abschluss des Reformprozesses, abgestimmt werden soll mit einem Jahr Verspätung über eine Altersgrenze und die Anzahl möglicher Mandate. Blatter ist - logisch - gegen den Ausschluss von zu alten Funktionären, am Ende seiner womöglich fünften Amtszeit wäre er Mitte 80.

Platini und seine 54 Verbände der Europäischen Fußball-Union haben sich die Beschränkung hingegen auf die Fahne geschrieben. Ebenso wie die Neuregelung zur Dritteigentümerschaft von Spielern, die DFB-Präsident und UEFA-Exko-Mitglied Wolfgang Niersbach als "nach wie vor größte Schwäche des ganzes Systems" bezeichnete.

Die Abstimmung am Mittwochabend könnte deshalb ein Stimmungsbild für die große Präsidentenwahl am 29. Mai 2015 abgeben - und für Platinis Entscheidung für oder gegen eine Kandidatur entscheidend sein.

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