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Sao Paulo ist Schauplatz des Eröffnungsspiels zwischen Brasilien und Kroatien © imago

Ein U-Bahner-Streik in der Stadt des Eröffnungsspiels führt zu einem massiven Polizeieinsatz - ein Verkehrsinfarkt droht.

Sao Paulo/Rio de Janeiro - Blendgranaten flogen in Richtung der Streikenden, Tränengas strömte.

Die 20-Millionen-Metropole Sao Paulo erlebte auch am Pfingstmontag die Fortsetzung der Auseinandersetzung zwischen Polizei und den Streikposten der sich im Ausstand befindenden U-Bahn-Bediensteten (Alles zur WM ab 18.30 Uhr bei WM Aktuell im TV auf SPORT1).

Eine Hundertschaft der Polizei war gegen rund 150 Protestler massiv vorgegangen. 13 Personen wurden von der Polizei vorübergehend in Gewahrsam genommen; ihnen wird vorgeworfen, eine Tür beschädigt und die Arbeit am U-Bahnhof behindert zu haben (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Vor Eröffnungsspiel droht Verkehrs-Infarkt

Inzwischen wurden 60 Streikende rechtsgültig entlassen. Als Gründe wurden Vandalismus und Behinderung des Personennahverkehrs angegeben.

Gewerkschaftsfüher Altino Melo sagte der Nachrichtenagentur "AFP": "Das ist inakzeptabel. Das wird das Problem nur noch verschärfen."

Durch die Fortsetzung des Streiks droht Sao Paulo drei Tage vor dem WM-Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Brasilien und Kroatien (12. Juni) im Corinthians-Stadion der Verkehrs-Infarkt.

Gericht verbietet weitere Streiks

Staatspräsidentin Dilma Rousseff bezeichnete den Streik als eine "systematische Kampagne" gegen das WM-Turnier.

Und sie bekam von der Justiz Unterstützung. Ein Arbeitsgericht stufte am Sonntag den Streik der U-Bahn-Beschäftigten als illegal ein. Es wurde angeordnet, dass jeder weitere Streiktag eine Geldbuße von umgerechnet 160.000 Euro (500.000 Real) für die Gewerkschaft nach sich ziehe.

Für die ersten vier Streiktage wurde eine Strafe von umgerechnet 32.000 Euro (100.000 Real) verhängt.

Gewerkschaft unbeeindruckt

Das schüchterte die Gewerkschaft aber keineswegs ein, sie kündigte am Sonntag eine Fortsetzung ihres Ausstandes an.

Die Demonstranten skandierten am Montagmorgen lautstark "Nein zu Repressalien", bevor die Ordnungskräfte gegen sie vorgingen.

Aufgrund des unbefristeten Streiks droht Sao Paulo auch in den kommenden Tagen ein Verkehrschaos, normalerweise nutzen 4,5 Millionen Menschen täglich die Untergrundbahn.

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Bereits am vergangenen Freitag hatte es einen Polizeieinsatz gegen Streikposten an der U-Bahn-Station Ana Rosa gegeben, dabei waren Schlagstöcke und Tränengas eingesetzt worden.

Ausnahmezustand als Normalfall

Seit fünf Tagen wird in Sao Paulo nun gestreikt. Ein Ende ist nicht abzusehen. Nur drei der fünf U-Bahn-Linien konnten ihren Betrieb am Pfingstmontag aufrechterhalten.

Schon zu normalen Zeiten kollabiert fast täglich der Verkehr in Sao Paulo, herrscht zu jeder Tages- und Nachtzeit auf den Straßen der Ausnahmezustand. Auf mehr als 200 Kilometern stauten sich die Fahrzeuge beispielsweise am Donnerstag, und das ist nicht einmal Rekord. Der steht seit Ende Mai bei 344 (!) Kilometern.

Streikposten hatten am Montag den Verkehr auf einer Hauptstraße von Sao Paulo mit brennenden Mülltonnen blockiert.

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Kampf um höhere Löhne

Die U-Bahn-Beschäftigten wollen mit ihrer seit Donnerstag andauernden Streikaktion höhere Löhne durchsetzen.

Die Gewerkschaften haben ihre Forderungen auf eine Lohnerhöhung von 16,5 auf 12,2 Prozent reduziert.

Das Angebot der lokalen Regierung beläuft sich lediglich auf 8,7 Prozent.

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