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Favoriten auf den WM-Titel: Brasilien mit Neymar (l.) und Spanien mit Diego Costa © getty

Neymar selbstbewusst, Costa fit, Messi geläutert, Italien in der Ergebniskrise: Wer ist bereit für den WM-Titel? Der Favoritencheck.

Von Florian Bogner

München - Joachim Löw hat es schon vor ein paar Tagen gesagt. "Wir sind Mitfavorit - aber es gibt einen Topfavoriten für mich, das ist Brasilien."

Der Gastgeber um Superstar Neymar ist das Team, das es auf dem Weg zum WM-Pokal zu schlagen gilt. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Hinter Brasilien lauert vor allem ein Quartett auf seine Chance: Spanien, Deutschland, Argentinien und Italien.

SPORT1 zeigt, was bei den WM-Titelaspiranten schlecht läuft, und was Hoffnung macht - der Favoritencheck vor dem Turnierstart.

BRASILIEN (1. Gegner: Kroatien, Do., 22 Uhr)

Letzte Tests: 1:0 Serbien, 4:0 Panama, 5:0 Südafrika (im März)

Das läuft gut: Trainer Luiz Felipe Scolari legte sich als erster auf seine 23 WM-Spieler fest. Im Prinzip ist ohnehin das Team zusammengeblieben, das 2013 den Confed Cup gewann - man kennt sich.

Gut in Form ist die Defensive um das neue PSG-Bollwerk Thiago Silva (Kapitän) und David Luiz, davor räumt Wolfsburgs Luiz Gustavo ab - nur sechs Gegentore in den letzten 16 Spielen.

Hier gibt's Probleme: Ausgerechnet offensiv. Superstar Neymar ist trotz vollmundiger Ankündigung ("Ich bin darauf vorbereitet, bei dem Turnier der Star zu sein") nicht in Topform, Sturmspitze Fred international nur Mittelklasse, Hulk und Oscar unbeständig.

Dazu kommt der immense Druck, Weltmeister werden zu müssen. "Wir müssen diesen sechsten Stern holen", sagt Scolari. "Und sie müssen außerdem noch schön spielen", sagt TV-Experte Giovane Elber.

SPORT1-Prognose: Die Gruppe A mit Kroatien, Mexiko und Kamerun ist gut, um sanft ins Turnier zu starten. Im Achtelfinale droht allerdings bereits Spanien, das auf Revanche fürs Confed-Cup-Finale (0:3) brennt. Geht Brasilien diesem Brocken aus dem Weg, ist das Finale planbar.

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SPANIEN (1. Gegner: Niederlande, Fr., 21 Uhr)

Letzte Tests: 2:0 El Salvador, 2:0 Bolivien, 1:0 Italien (im März)

Das läuft gut: Diego Costa, der Unglückrabe vom Champions-League-Finale, ist voll einsatzfähig. "Ich bin in Topform, ohne Problem für das erste Match", sagt der 25-Jährige von Atlético Madrid, der in Brasilien geboren wurde. Mit seiner Einbürgerung 2013 ist der Titelverteidiger nochmal um eine Waffe reicher.

Tiki-Taka plus Wucht, das ist das neue Spanien. Auch wenn der große Umbruch im Kader erst nach der WM ansteht, sagt Trainer Vicente Del Bosque: "Wir sind keine Taliban, die dogmatisch an einem Stil hängen." Spaniens Abwehr um Sergio Ramos ist zudem das Beste, was die Champions League zu bieten hat, und 2014 noch ohne Gegentor.

Hier gibt's Probleme: Bei der Motivation. Das Gros des Teams besteht noch immer aus den Welt- und Europameistern der letzten Jahre, hat schon alles gewonnen. Dazu ist das Mittelfeld (Busquets, Xavi, Iniesta) nicht mehr allesüberragend, die Stars über ihrem Zenit.

"Es ist normal, dass man irgendwann nachlässt, so ist das Leben", sagt del Bosque: "Es wäre normal, wenn wir die WM nicht wieder gewinnen würden." Dazu geht's gleich in die Vollen, gegen die Niederlande, Neuauflage des WM-Finals von 2010. Und Chile ist auch nicht zu unterschätzen.

SPORT1-Prognose: Oliver Kahn sprach neulich aus, was alle denken: "Eigentlich wäre es Wahnsinn, wenn Spanien wieder den Titel holt." Doch der Europa-Welt-Europameister hat wieder den besten Kader aller Teams beisammen (630 Millionen Euro Marktwert). Alles andere als der Halbfinaleinzug plus X wäre enttäuschend.

DEUTSCHLAND (1. Gegner: Portugal, Mo., 18 Uhr)

Letzte Tests: 6:1 Armenien, 2:2 Kamerun, 0:0 Polen, 1:0 Chile (im März)

Das läuft gut: Die Kapitäne Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger haben ihre Verletzungen auskuriert, auch Manuel Neuer, der am Mittwoch ins Mannschaftstraining einstieg, dürfte pünktlicht zum WM-Start fit werden. "Er ist auf einem richtig guten Weg und ist voll belastbar", sagte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke.

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Bundestrainer Joachim Löw lobte zuletzt die Form der Innenverteidiger Per Mertesacker, Mats Hummels und Jérôme Boateng. Letzterer wird wohl Außenverteidiger spielen. Richtig gut drauf ist auch Lukas Podolski. Die Verletzungsprobleme hatten auch ihr Gutes: Löw plant mit mehreren Varianten, ist so für den Gegner schwer auszurechnen.

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Hier gibt's Probleme: Viele angeschlagene Spieler sind gerade erst wieder dabei, ihre Form aufzubauen, dazu kommt das bittere Aus für Marco Reus und die Debatte um den formschwachen Mesut Özil. Auf mittelprächtigem Formniveau gibt's dafür zahlreiche Härtefälle, angeführt von Bastian Schweinsteiger, der um seinen Stammplatz fürchtet. "Deutschland ist nicht der große Favorit", sagt Schweiz-Trainer Ottmar Hitzfeld.

SPORT1-Prognose: Das Portugal-Spiel zum Auftakt wird zum Alles-oder-nichts-Gradmesser - mit einem Sieg bekäme das DFB-Team den nötigen Rückenwind. Das Tableau der Gruppen E bis H ist jedenfalls günstig und macht das Halbfinale an sich zum Muss.

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ARGENTINIEN (1. Gegner: Bosnien, So./Mo., 0 Uhr)

Letzte Tests: 2:0 Slowenien, 3:0 Trinidad Tobago, 0:0 Rumänien (im März)

Das läuft gut: Lionel Messi ist mit Kapitänsbinde endlich auch für Argentinien der Leader, den er schon seit Jahren für den FC Barcelona darstellt. "Ich habe aus den Fehlern bei den vergangenen Weltmeisterschaften gelernt und werde diese nicht wiederholen", verspricht er. Mit Ángel Di María, Gonzalo Higuaín und Sergio "Kun" Agüero bildet er die wohl beste Offensive des Turniers - da bleibt nicht mal Platz für Ezequiel Lavezzi.(816411DIASHOW: Die WM-Stadien)

Hier gibt's Probleme: Wie 2010 fehlen dem Weltranglisten-Fünften starke Außenverteidiger. Torwart Sergio Romero fehlt zudem als Monaco-Nummer-Zwei Spielpraxis. Und Messi ist nach mehreren Muskelverletzungen nicht in Top-Form. Coach Alejandro Sabella: "Manchmal denken wir Argentinier, dass wir mehr sind, als es wirklich der Fall ist."

SPORT1-Prognose: Mit quasi Heimvorteil - die meisten ausländischen Ticketbestellungen kamen aus Brasiliens Nachbarland - und der wahnsinnig guten Offensive muss Argentinien diesmal das Viertelfinale überstehen. Außer es geht wieder gegen Deutschland...

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ITALIEN (1. Gegner: England, Sa./So., 0 Uhr)

Letztes Tests: 1:1 Luxemburg, 0:0 Irland, 0:1 Spanien (im März)

Das läuft gut: Trainer Cesare Prandelli hat die nötige Autorität (und vor allem Mario Balotelli gut im Griff), um in Ruhe arbeiten zu können. Die Juventus-geprägte Defensive (Buffon, Chiellini, Bonucci) ist gelinde gesagt furchteinflössend, der Teamgeist passt.

"Wir haben eine großartige Gruppe beisammen, das ist ein großer Luxus", sagt Gigi Buffon. "Man kann sich von ihrer Coolness, ihrer Cleverness und gnadenlosen Effizienz was abschauen", sagt selbst Bundestrainer Löw.

Hier gibt's Probleme: In der Offensive stimmt wenig, aufgrund akuter Ideenlosigkeit waren die letzten Tests teilweise grausam anzusehen. Mit zwölf Toren in 30 Länderspielen hat auch Balotelli nicht gerade eine überragende Quote.

Prandelli verspricht für die WM jedoch mehr: "Diese Mannschaft hat genügend Benzin, um bis ins Finale zu kommen. Jetzt werden wir an noch höherem Tempo arbeiten, ihr werdet schon sehen!" Sollten die Azzurri das Achtelfinale erreichen, will der Nationalcoach dem Marienwallfahrtsort Aparecida einen Besuch abstatten

SPORT1-Prognose: Die Wundertüte der WM - vom Vorrunden-Aus bis zum Finaleinzug ist bei diesen Italienern alles möglich.

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