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Andres Iniesta schoss Spanien im Finale gegen die Niederlande zum Sieg © getty

Entgegen vieler Erwartungen richtet Südafrika eine tadellose WM aus. Spaniens Puyol schockt Deutschland, Iniesta die Elftal.

Johannesburg - Als Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela vor dem WM-Endspiel im Soccer City Stadium von Johannesburg auf einem Golfcart sitzend in die Riesenschüssel gefahren wurde, hatte die Weltmeisterschaft 2010 ihren absoluten emotionalen Höhepunkt. Zehntausendfach erschallten die "Madiba, Madiba"-Sprechchöre.

Die rund 84.000 Zuschauern feierten den ersten schwarzen Präsidenten der Regenbogennation, der sich trotz seines angegriffenen Gesundheitszustandes als 91-Jähriger den Zuschauern vor Ort und einem Milliardenpublikum weltweit präsentierte.

Südafrika widerlegt die Kritiker

Die WM 2010 in Südafrika war für das Land, das als erstes afrikanische Nation Gastgeber einer Fußball-Weltmeisterschaft sein durfte, eine Riesenherausforderung.

Viele kritische Stimmen hatte es im Vorfeld gegeben, doch am Ende überwog das Positive.

Südafrika schulterte das Großereignis und überzeugte als Gastgeber, auch wenn "Preisrichter" Joseph S. Blatter dem Land am Ende die Höchstnote verweigerte.

Der Präsident des Weltverbandes FIFA gab der ersten Weltmeisterschaft auf dem Schwarzen Kontinent "neun von zehn Punkte" in seiner persönlichen Bewertung.

Auf die Nachfrage eines südafrikanischen Reporters, warum er der Regenbogennation nicht die "10" zuerkennen wollte, erklärte der Schweizer, der sich schon Südafrika als WM-Gastgeber 2006 gewünscht hatte: "Perfektion existiert nicht. Die 9 ist schon eine außergewöhnliche Bewertung."

Blatter fühlt sich bestätigt

Und Blatter erinnerte an den südafrikanischen Nationalhelden Mandela, dessen Aufwartung vor dem WM-Endspiel den krönenden Abschluss der Veranstaltung darstellte.

Blatter: "Sein großer Traum war es, dass Südafrika einmal WM-Gastgeber sein würde. Er wollte dabei sein, als sein Traum wahr geworden ist."

Der FIFA-Boss sah sich bestätigt, fast schon gebetsmühlenartig für die WM in Südafrika geworben zu haben.

"Das Vertrauen, das wir Afrika entgegengebracht haben, wurde gerechtfertigt. Afrika ist in der Lage, eine Weltmeisterschaft zu organisieren. Südafrika hat über alle Zweifel triumphiert und die Herausforderung angenommen", betonte Blatter.

Iniesta schießt Spanien zum Titel

Den WM-Titel in Johannesburg holte sich Spaniens "Furia Roja".

Im Endspiel setzten sich die Iberer mit 1:0 nach Verlängerung gegen die Niederlande durch. Andres Iniesta (116.) entschied die Begegnung gegen Oranje und machte den EM-Champion auch zum WM-Titelträger.

"Tika-Taka" triumphierte auch am Kap, die Hausse des spanischen Fußballs setzte sich fort.

DFB-Elf scheitert am späteren Sieger

Im Halbfinale hatten die Spanier den Siegeszug der deutschen Mannschaft durch den wuchtigen Kopfstoß von Carles Puyol gestoppt.

Unter dem Strich stand aber eine höchst erfreuliche WM aus Sicht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Das DFB-Team belegte wie schon bei der Heim-WM 2006 wieder Platz drei. Im "kleinen Finale" wurde Uruguay mit 3:2 bezwungen.

Müller bester WM-Torschütze

Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw, die bei der EM 2008 im Endspiel ebenfalls an Spanien gescheitert war, steigerte sich im Turnierverlauf.

Nachdem ein historisches Scheitern in der Gruppenphase verhindert worden war, gelangen in den K.o.-Spielen gegen England (4:1) und Argentinien (4:0) zwei Galaauftritte, die die Fußballwelt verzückt hatten.

Der vierte Stern für den vierten WM-Titel blieb allerdings für Deutschland eine Illusion.

Immerhin stellte das deutsche Team in Thomas Müller (5 Treffer) den WM-Torschützenkönig. Der Münchner war der dritte Deutsche nach Namensvetter Gerd Müller 1970 und Miroslav Klose 2006, der den "Goldenen Schuh" erhielt.

Viertelfinal-Aus für Brasilien

Rekord-Weltmeister Brasilien wurde im Viertelfinale von den Niederländern (1:2) entzaubert und schied vorzeitig aus. Eine Riesenenttäuschung für den WM-Gastgeber 2014.

Als einziges afrikanisches Land erreichte Ghana das Viertelfinale, scheiterte aber im Elfmeterschießen an Uruguay.

Franzosen blamieren sich

Eine einzige Enttäuschung war das Auftreten Frankreichs. Die Equipe Tricolore verabschiedete sich nicht nur ohne Sieg schon nach der Vorrunde von der WM-Bühne, sondern lieferte handfeste Skandale ab.

Es gab eine verbale Auseinandersetzung zwischen Starspieler Nicolas Anelka und Trainer Raymond Domenech. Der Stürmer wurde nach Hause geschickt, vor dem letzten Spiel gegen Südafrika bestreikte die Mannschaft das Training.

Das Auftreten der französischen Auswahl in Südafrika wurde in der Grande Nation zu einem Politikum. Der Verband reagierte und sprach Länderspielsperren gegen Anelka, Patrice Evra, Münchens Franck Ribery und Jeremy Toulalan aus.

Ungeliebter Vuvuzela-Lärm

Froh waren allerdings die Fernsehzuschauer, als die WM vorüber war.

Denn sie litten am meisten unter den Vuvuzelas, den nervtötenden Plastiktröte aus Südafrika, die während der WM-Spiele quasi pausenlos im Stadion Lärm erzeugten und für die TV-Zuseher zum Ärgernis wurden.

Und selbst Blatter gestand ein: "Wir haben alle die Vuvuzelas überlebt!"

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