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Bundestrainer Löw und Brasiliens Star Neymar könnten im Finale aufeinandertreffen © getty

Protest oder Party, Tordifferenz oder direkter Vergleich: Vorm WM-Beginn beantwortet SPORT1 die wichtigsten Fragen zum Turnier.

München - Das monatelange Warten hat heute Abend endlich ein Ende.

Wenn um 22 Uhr (MESZ) das Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Brasilien und Kroatien (ab 21.30 Uhr im LIVE-TICKER) angepfiffen wird, beginnt die WM am Zuckerhut.

Aber werden es auch tatsächlich Fußball-Festspiele? Oder wird das Sport-Spektakel von Protesten und Demonstrationen überschattet?

Und wie läuft die WM genau ab? Wann wird es ernst für Deutschland und Co., und welche technischen Neuerungen gibt es neben der Einführung der Torlinien-Technik?

SPORT1 beantwortet diese und weitere Fragen und gibt einen Überblick über den Ablauf der WM (SERVICE: Alles zur WM auch bei SPORT1.fm).

Die Eröffnungsfeier

Bevor der endlich Ball rollt, steht zunächst die Eröffnungsfeier auf dem Programm.

Die Zeremonie in Sao Paulo findet - nach einigem Hin und Her - mit US-Pop-Ikone Jennifer Lopez (44) statt. Zusammen mit Rapper Pitbull und der brasilianischen Sängerin Claudia Leitte wird "J.Lo" nun doch im Corinthians-Stadion den offiziellen WM-Song "We Are One" singen.

Rund 25 Minuten wird die Feier, an der insgesamt 600 Künstler teilnehmen, dauern.

Die FIFA erwartet 62.600 Fans im Stadion und weltweit eine Milliarde Zuschauer an den Fernsehschirmen.

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Der Modus der WM

Qualifiziert für die Endrunde in Brasilien sind 32 Teams, die insgesamt 64 Spiele austragen (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Gastgeber Brasilien war gesetzt, die weiteren Teilnehmer mussten den Weg über die Qualifikation gehen.

Aus Europa kommen 13 Teams, Afrika stellt fünf, Südamerika sechs (inklusive Brasilien), Asien und Nord- und Mittelamerika jeweils vier Mannschaften.

Aufgeteilt sind diese 32 Teilnehmer in acht Vierergruppen. Die jeweils ersten beiden Mannschaften qualifizieren sich für das Achtelfinale. Ab dort wird im K.o.-Modus gespielt.

Für die Ermittlung der Tabellen-Platzierung in der Vorrunde geht es zunächst nach der Punktzahl, dann nach der Tordifferenz und dann nach der Anzahl der erzielten Tore.

Sollte auch dann immer noch Gleichstand zwischen zwei oder mehreren Teams herrschen, entscheidet der direkte Vergleich und schließlich das Los.

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Wann wird es ernst für Deutschland und Co.?

In der Vorrunde stehen bis zu vier Spiele täglich auf dem Programm.

Die Anstoßzeiten in den zwölf WM-Städten (816411DIASHOW: Die WM-Stadien) variieren aufgrund der verschiedenen Zeitzonen in Brasilien. Frühester Spielbeginn ist 18 Uhr, spätester 3 Uhr (je MESZ).

SPORT1 begleitet alle Partien im LIVE-TICKER.

Nach dem Eröffnungsspiel steigen nach und nach die weiteren Titel-Anwärter ins Turnier ein (Bericht: WM-Favoriten im SPORT1-Check). Und der Spielplan hat es gut gemeint mit den Fans. Gleich in den ersten Tagen stehen reihenweise Kracher auf dem Programm.

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Schon am Freitag kommt es in Salvador da Bahia an der Atlantikküste zur mit Spannung erwarteten Neuauflage des WM-Finales von 2010, wenn sich Titelverteidiger Spanien und die Niederlande gegenüberstehen.

Am Samstag duellieren sich England und Italien in Manaus. Am Sonntag greifen Argentinien (gegen WM-Debütant Bosnien) und Frankreich (gegen Honduras) ins Geschehen ein.

Deutschland bestreitet sein erstes Gruppenspiel (gegen Portugal) am kommenden Montag ebenfalls in Salvador da Bahia.

Gelbe und Rote Karten

Nach der zweiten Gelben Karte wird ein Spieler für das nächste Spiel gesperrt. Nach dem Viertelfinale werden alle Karten gestrichen. Eine Gelbe Karte im Halbfinale bleibt damit im Hinblick auf das Endspiel oder das Spiel um Platz drei ohne Folgen.

Eine Final-Sperre, wie sie Michael Ballack bei der WM 2002 wegen seiner Gelben Karte im Halbfinale hinnehmen musste, kann es also nicht mehr geben.

Ein Platzverweis (Rote oder Gelb-Rote Karte) zieht automatisch eine Sperre von einem Spiel nach sich. Die Disziplinarkommission des Weltverbandes kann im Nachhinein auch höhere Strafen verhängen.

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Torlinientechnik und Spray: Technikrevolution bei der WM

"Nie wieder Wembley, nie wieder Bloemfontein!", so könnte man das Ziel der FIFA für die WM in Brasilien zusammenfassen.

Legendäre Fehlentscheidungen wie im WM-Finale 1966 oder vor vier Jahren im Achtelfinale (beide Male in Partien zwischen Deutschland und England) sollen Geschichte sein.

Für FIFA-Präsident Joseph S. Blatter war der Vorfall im südafrikanischen Bloemfontein, als ein klares Tor von Frank Lampard nicht gegeben wurde, nach langem Zögern der Beweis: "Torlinientechnik ist eine Notwendigkeit."

Bei dieser WM kommt daher das System "GoalControl" der gleichnamigen Firma aus Würselen bei Aachen zum Einsatz. Es wurde bereits beim Confed Cup und der Klub-WM 2013 erfolgreich getestet wurde.

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Das System setzt auf 14 Hochgeschwindigkeitskameras, die die Position des Balles mit über 500 Bildern/Sekunde erfassen - das menschliche Auge schafft nur 60.

Die Messgenauigkeit liegt zwischen fünf und zehn Millimetern. Überquert der Ball die Torlinie komplett, empfängt die Uhr des Schiedsrichters in unter einer Sekunde das Signal "Goal".

Die FIFA betont, die Idee hinter der Innovation sei auch, die Schiedsrichter zu schützen. Das gilt wohl auch für das Abstands-Spray, das den Referees bei Freistößen nervige Diskussionen mit den Spielern ersparen soll.

Ulkig sieht es aus, wenn sie zur Dose greifen. Der deutsche WM-Schiedsrichter Felix Brych, der im Bundesliga-Spiel zwischen Hoffenheim und Leverkusen das "Phantomtor von Sinsheim" gab, ist sich deshalb nicht sicher, ob auch diese Neuerung die Unparteiischen weiterbringt. "Ob es gut ist, werden wir im Spiel sehen", sagt er.

Der versprühte Schaum verschwindet nach einigen Minuten. Und auch die Torlinientechnik werde "zu 100 Prozent" funktionieren, verspricht Johannes Holzmüller, Chef des Qualitätsprogramms der FIFA: "Wir können dem System vertrauen."

Ganz auszuschließen ist ein neues "Wembley" dennoch nicht. Das letzte Wort bei allen Entscheidungen, betont die FIFA, habe weiter der Schiedsrichter.

Protest oder Party?

Vor der WM ist die brasilianische Seele gespalten. Die Liebe für den Fußball ist groß, doch die sozialen Probleme sind es auch. Gerade die ärmeren Menschen in all den Millionenstädten sind hin- und hergerissen.

Man darf davon ausgehen, dass die WM-Euphorie steigen wird, wenn das Turnier einmal begonnen hat. So, wie es in Deutschland vor acht Jahren auch der Fall war. Eine klare Antwort auf die Frage "Protest oder Party?" gibt es allerdings trotzdem nicht.

90 Prozent der Cariocas, der Einwohner Rio de Janeiros, wollen sich laut einer Umfrage der Tageszeitung "O Globo" nicht an den Demonstrationen während der WM beteiligen.

Auf der anderen Seite ist die Begeisterung der Brasilianer, die bei der Vergabe 2007 grenzenlos war, deutlich erkaltet. Die Zahl der Befürworter ist von fast 80 Prozent im Jahr 2008 auf zuletzt nur 48 Prozent geschrumpft.

Es sind die Gegensätze, die Brasiliens Fußball-Seele in Wallung bringen. Auf der einen Seite tropft in Krankenhäusern der Regen durch die Decke, die Armut bleibt trotz des Wirtschaftsboom ein großes Problem. Und dann werden geschätzte 2,7 Milliarden Euro für die Stadien ausgegeben, mehr als in Deutschland und Südafrika zusammen.

"Die WM für wen?" ("Copa pra quem"?) lautet daher einer der bekanntesten Schlachtrufe der Demonstranten, der erstmals beim Confed Cup 2013 zu hören war.

Wie also werden sich die Brasilianer während der WM verhalten? Erst kurz vor Turnierbeginn wurden Streiks (etwa in Sao Paulo) beendet. Während des Turniers ist wohl mit Massenprotesten zu rechnen.

"Diese WM wird entweder die tollste aller Zeiten, oder der größte Albtraum", glaubt Lutz Pfannenstiel.

Er ist der einzige Deutsche, der je in der ersten brasilianischen Liga gespielt hat. Zudem verbrachte er sechs der letzten zwölf Monate für TV-Dokumentationen im WM-Land. Und er warnt: "Wenn die Behörden gravierende Fehler machen sollten, hat diese WM Abbruchpotenzial."

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