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Arjen Robben absolvierte bisher 76 Länderspiele für die Niederlande © getty

Arjen Robben begegnet beim WM-Auftakt 2014 dem WM-Trauma 2010. Seitdem hat sich für den Flügelflitzer viel verändert.

Aus Salvador berichtet Frank Hellmann

Salvador da Bahia - Das kommt auch nicht oft vor.

Da sitzt ein Nationaltrainer entspannt auf der Pressekonferenz und plaudert alle elf Namen aus, die den Auftakt einer Fußball-Weltmeisterschaft bestreiten.

Und dann lässt er auch noch die Medienvertreter das gesamte Abschlusstraining verfolgen.

"Ich vertraue allen meinen Spielern", sagte der niederländische Bondscoach Louis Van Gaal vor der Neuauflage des WM-Endspiels von 2010 gegen Spanien (ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER): "Warum soll ich dann ein Geheimnis daraus machen?" (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Robben als zweite Spitze

Also ist nun ganz offiziell raus, dass beispielsweise Jonathan de Guzman im Mittelfeld neben Nigel de Jong spielt. Davor Wesley Sneijder. Und ganz vorne eben Robin van Persie und Arjen Robben. (Alle WM Kader im Überblick)

Seit der ehemalige Bayern-Trainer auf ein neues 5-3-2-System umgestellt hat, ist die Statik bei den Oranjes eine vollkommen andere als im alten 4-3-3. Ohne zwei echte Außenspieler.

Robben besetzt nun mit van Persie die Spitze, stürmt vorwiegend weiter über die rechte Seite, klebt aber nicht mehr an der Linie. Der Trainer habe ihn bei diesem taktischen Planungen einbezogen. (816411DIASHOW: Die WM-Stadien)

"Wir haben jetzt drei Spiele in der neuen Formation gemacht. Ich bin überzeugt, dass diese Spielweise für uns im Augenblick die beste ist", so Robben artig.

Hauptfigur im Drama

Auch die Nummer elf der "Elftal" war am Donnerstag zu dem Pflichttermin vor der Presse erschienen. Aus gutem Grund.

War er doch eine Hauptfigur bei dem Drama, das sich am 11. Juli 2010 im Soccer Stadium von Johannesburg abspielte. Unvergessen, wie er in der 62. Minute die größte Chance des Spiels vergab. (WM-Tippspiel: Mitmachen und 100.000 Euro gewinnen!)

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Rückblende: Nach Traumpass von Sneijder hatte er damals freie Bahn, er holte mit links aus und zielte auch dorthin, was eigentlich eine gute Idee war, weil der spanische Torwart Iker Casillas bereits in die rechte Ecke unterwegs war.

Doch der Keeper fuhr seine rechte Fußspitze aus und lenkte die Kugel entscheidend ab.

"Film in meinem Kopf"

"Ich habe später mit ihm über die Szene gesprochen. Er hat gesagt, dass er selbst nicht weiß, wie er den Ball gehalten hat", sagte der Bayern-Star. (SHOP: Jetzt WM-Fanartikel kaufen)

Die Szene bleibt wohl für ewig bei ihm haften. "Es ist ein Film in meinen Kopf geworden. Einer, der sich immer und immer wieder abspielt", gibt der 30-Jährige zu: "Die Szene sucht mich immer noch heim."

Aber ganz gleich was heute passiert, die Wiedergutmachung kann nicht gelingen.

Robben zeigt sich tatendurstig

"Das ist erst möglich, wenn wir uns am Ende im Finale wieder gegenüberstehen", beteuert Robben: "Nur dann können wir uns revanchieren ? sonst nicht."

Und doch erweckt er nicht den Eindruck, als erdrücke ihn die Vergangenheit. Im Gegenteil: Er wirkt tatendurstiger denn je.

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Aufstieg zum Führungsspieler

Dem Dribbler hat geholfen, dass er eine Schmach ohne Umwege tilgen konnte: Den verschossenen Elfmeter im Champions-League-Finale 2012 bügelte er im Jahr darauf auf derselben Bühne mit seinem Siegtor aus.

Und wer den aufgewühlten Matchwinner damals im Londoner Wembleystadion erlebte, sah ihn einen imaginären Rucksack abschnallen.

Wie im Verein ist der Flügelspieler im Nationalteam längst in die Kategorie der Führungsspieler aufgestiegen, der als einer der wichtigsten Verbündeten von van Gaal.

Zusammen mit van Persie und Sneijder, den Haudegen der vergangenen Turniere, soll es der 76-fache Nationalspieler vorne fast im Alleingang richten, weil dem Nationaltrainer sonst die Defensive zu wacklig wirkt.

Teamhotel mit Störfaktor

Dieser Part macht ihm nichts aus. Im Gegenteil: "Ich fühle mich im Augenblick einfach sehr gut, sowohl physisch als auch mental. Und eine Weltmeisterschaft ist wieder etwas ganz Besonderes. Natürlich war es eine Enttäuschung damals, aber wir können auch stolz sein, was wir damals geschafft haben."

Nur eines gefällt ihm nicht so gut: das Teamhotel am Ipanema-Strand, einen lauten Treff der Touristenströme und Schickeria mitten in Rio de Janeiro.

Für den bodenständigen Robben, seit sieben Jahren verheiratet mit Bernadien, der am liebsten mit seinen Kindern Luka, Lynn und Kai zusammen ist ("Meine drei Kinder sind meine größten Fans"), ist das nicht der richtige Ort. Der macht nämlich einen Besuch der Familie unmöglich.

"Es ist in Brasilien leider nicht so entspannt, dass du sagen kannst: Kommen wir fliegen da mal alle zusammen für zehn Tage hin", verriet er jüngst der Münchner "tz".

Er habe sich darauf eingerichtet, viel Zeit im Hotelzimmer zu verbringen: "Ein bisschen raus und ganz locker im orangenen Poloshirt spazieren gehen, das können wir vergessen."

Und das scheint aktuell mindestens so schwer zu ertragen wie die ewige Erinnerung an 2010.

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