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Otto Pfister trainierte in Afrika Ruanda, den Senegal, die Elfenbeinküste, den Kongo, Ghana, Togo und Kamerun © imago

Otto Pfister zeigt sich bei SPORT1 pessimistisch zu Afrikas WM-Chancen und sieht bei Kevin-Prince Boateng keine Leaderqualitäten.

Von Denis de Haas

München - Otto Pfister ist ein echter Weltenbummler.

Der 76-Jährige hat schon Teams in Europa, Asien und der Karibik trainiert. Doch am besten kennt sich Pfister in Afrika aus.

Schon in den 1970er-Jahren trainierte er die Nationalteams von Ruanda und dem Senegal. (SERVICE: Alles zur WM auch bei SPORT1.fm)

2006 coachte Pfister die Togolesen bei der WM in Deutschland, zwischen 2009 und 2011 war er für Kamerun verantwortlich. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Auf den Ruhestand hat Pfister aber noch keine Lust. Zuletzt trainierte er Trinidad und Tobago, scheiterte aber in der Qualifikation zur WM 2014.

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Im SPORT1-Interview spricht der gebürtige Kölner über die Aussichten der afrikanischen Teams im laufenden Turnier, die Stars Samuel Eto'o und Kevin-Prince Boateng sowie die Probleme für Trainer in Afrika.

SPORT1: Pele und andere Experten haben vor einigen Jahren einen baldigen WM-Titelgewinn eines afrikanischen Teams vorausgesagt. Ist es in Brasilien so weit?(816411DIASHOW: Die WM-Stadien).

Otto Pfister: Ich weiß nicht, wie die Leute auf so was kommen. In diesem Jahr wird das auf keinen Fall passieren. Ich glaube sogar, dass alle fünf Mannschaften in Brasilien in der Vorrunde scheitern werden.

SPORT1: Warum sind Sie so pessimistisch?

Pfister: Die Teams haben alle ein Generationenproblem. Alle Schlüsselspieler sind in die Jahre gekommen. Sei es Samuel Eto'o bei Kamerun, Michael Essien bei Ghana oder Yaya Toure und Didier Drogba bei der Elfenbeinküste.

SPORT1: Wer könnte es noch am ehesten schaffen?

Pfister: Da habe ich Algerien auf der Rechnung. Die sind als Mannschaft gefestigt und lassen sich nicht von anderen Dingen ablenken. (Bericht: WM-Favoriten im SPORT1-Check)

SPORT1: Sie haben vorhin Samuel Eto?o angesprochen. Er gilt als großer Exzentriker. Kann Volker Finke ihn in den Griff bekommen?

Pfister: Ich habe Samuel Eto'o zweieinhalb Jahre trainiert und zu keiner Zeit ein Problem mit ihm gehabt. Kein Spieler ist so leicht zu führen wie er. Eto'o hat nie beim Training gefehlt und ist nie eine Minute zu spät zum Essen gekommen. Da wird von außen viel Wind gemacht.

SPORT1: Warum?

Pfister: Weil Eto'o der große Star ist, auf den manche Clans in Kamerun neidisch sind. Ich habe die Erfahrung gemacht: Große Spieler machen keine Probleme - ob es jetzt Emanuel Adebayor bei Togo oder eben Eto'o bei Kamerun war.

SPORT1: Für Deutschland gibt es in der Vorrunde ein Wiedersehen mit Ghana und Kevin-Prince Boateng. Welche Rolle hat er in der Mannschaft?

Pfister: Erst mal finde ich, dass sich Boateng zum Positiven gewandelt hat. Beim AC Mailand musste er noch den großen Star raushängen lassen. Doch auf Schalke hat Jens Keller ihn in den Griff bekommen. Ich weiß jedoch nicht, ob Boateng ein Leader für eine Mannschaft sein kann. Er ist einer der besseren Bundesliga-Spieler, aber keinesfalls überragend. Bei der WM kommt viel darauf an, wie er sich mit Routinier Michael Essien versteht.

SPORT1: Sie haben zahlreichen Nationalteams in Afrika trainiert. Was gibt es für Unterschiede zur alltäglichen Arbeit in Europa?

Pfister: Den afrikanischen Verbänden geht es meistens nur um Resultate. Wenn du als Trainer mehrere Spiele verlierst, musst du nicht weinen, wenn dich die Verantwortlichen zum Flughafen schicken. Das ist schon ein enormer Stress. Wenn ein Trainer in der Bundesliga von Stress redet, dann lache ich mich immer tot. Die haben doch einen Ferienjob.

SPORT1: Sie sind bei der nächsten WM 80 Jahre alt. Planen sie für das Turnier in Russland noch mal einen Anlauf mit einem anderen Nationalteam?

Pfister: Das ist ja immer eine Geschichte von Angebot und Nachfrage. Mich rufen die Leute ja immer an, wenn irgendwo ein Trainer wackelt. Die WM ist immer ein Ziel. Aber die nächste Mannschaft sollte schon Potenzial haben, sich zu qualifizieren. Wenn es nicht mehr mit dem passenden Job klappt, dann fahre ich in die Berge und fahre dort Ski.

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