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Rafinha begleitet die WM in seiner Heimat als Kolumnist von SPORT1 © getty

Rafinha traut Deutschland bei der WM noch Großes zu - dank seiner Münchner Klubkollegen. Die Stimmung vor Ort begeistert ihn.

Hallo Fußball-Freunde,

ich bin nach der WM-Vorrunde wirklich begeistert.

Die Mannschaften spielen offensiven Fußball und zeigen dabei echten Torhunger. Aus meiner Sicht ist das auch der Grund, warum die WM bisher die Menschen so fasziniert.

Jeder in Brasilien sagt übrigens, das ist die beste WM, die es je gab!

Auch die Atmosphäre im Land ist viel besser, als man vorher erwarten konnte. Jeder genießt die Partien und das nicht nur in den Spielorten oder bei den Fan-Festen, sondern auch zu Hause, auf der Straße oder bei Freunden.

Bei uns in Brasilien gibt es ja fast überall einen Fernseher, selbst in einem kleinen Kiosk auf der Straße.

Was mir besonders gefällt: Es sind sehr viele Fans aus der ganzen Welt zu Gast, besonders die Fans aus den anderen südamerikanischen Ländern sind in Massen angereist und machen Stimmung.

Brasilien hatte bei der WM keinen leichten Start gegen Kroatien, aber das erste Spiel eines Turniers ist immer hart, vor allem wenn die ganze Welt dir auf die Füße schaut.

Die Mexikaner haben dann gegen Brasilien ein klasse Spiel abgeliefert und sich das 0:0 verdient. Mexikos Keeper Guillermo Ochoa war einfach der Wahnsinn!

Mir macht jetzt aber Mut, dass Brasilien gegen Kamerun eine sehr gute zweite Hälfte zeigte, viele Chancen hatte und mit 4:1 deutlich siegte.

Neymar hat schon vier Tore in dem Turnier erzielt, er war überragend bisher. Ich finde, er profitiert davon, dass er in der Selecao mehr Freiheiten als beim FC Barcelona genießt.

Er beginnt jetzt richtig zu strahlen und ich hoffe, er steigert sich weiter und hilft unserem Team, die großen Ziele zu erreichen.

Natürlich habe ich auch die Klagen mitbekommen, dass Brasilien heute weniger kreative Freigeister hätte, wie es früher etwa Ronaldinho, Kaka oder Zico waren.

Meiner Meinung nach hat sich aber auf der ganzen Welt die Art und Weise geändert, Fußball zu spielen. Spieler dieser Qualität gibt es nunmal auf dem ganzen Globus weniger als früher.

Wir haben heute athletisch stärkere Spieler. Spieler, die taktisch besser ausgebildet sind, was den Fußball verändert. Brasilien folgt diesem Trend.

Im Achtelfinale geht es für unser Team jetzt gegen Chile. Ich bin schon während des ganzen Turniers in Kontakt mit meinen Freunden - wie meinem Teamkollegen vom FC Bayern Dante oder auch Fernandinho, Maicon, Dani Alves und anderen Spielern.

Sie alle sind sehr zuversichtlich vor dem ersten K.o.-Spiel, ich bin es auch und glaube, dass Brasilien weiterkommt.

Allerdings ist Chile ein sehr starkes Team und hat Spanien geschlagen. Die Chilenen haben wirklich gute Spiele gemacht, es wird also hart. Zudem ist die fußballerische Rivalität zwischen beiden Ländern schon immer groß gewesen.

Im Achtelfinale wird sich jetzt auch insgesamt zeigen, was die Leistungen der Stars wirklich wert sind.

In der Vorrunde ist mir neben Neymar besonders mein Mannschaftskollege vom FC Bayern Arjen Robben aufgefallen, der gegen Spanien beeindruckend war.

Lionel Messi war natürlich für Argentinien sehr wichtig, auch wenn sein Team für meinen Geschmack noch keine großen Spiele gezeigt haben.

Bei Deutschland scheint sich meine Vorhersage vor der WM zu bewahrheiten: Das Team von Joachim Löw zählt für mich weiter zu den Favoriten auf den Titel, auch weil Löw auf viele Spieler vom FC Bayern setzt. Sie machen das DFB-Team stark.

Wer schon einmal die Champions League gewonnen hat wie wir im vergangenen Jahr, weiß, dass er den Druck in großen Spielen standhalten kann. Das ist jetzt ungemein wichtig.

Bis zum nächsten Mal,Euer Rafinha

Marcio Rafael Ferreira de Souza, kurz Rafinha, gewann im Jahr 2013 mit dem FC Bayern die Champions League, gemeinsam mit der Klub-Weltmeisterschaft ist das die bisher größte Trophäe seiner Laufbahn. Der Abwehrspieler stand in diesem Jahr im erweiterten Kreis des brasilianischen Nationalteams, wurde aber letztlich von Trainer Felipe Scolari nicht für die Endrunde nominiert. Dennoch verfolgt der 28-Jährige nun mit Herzblut die WM-Spiele der Selecao und begleitet für SPORT1 das Turnier als Kolumnist.

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