Das DFB-Team hat Thomas Strunz bei der WM noch nicht überzeugt. Für das Duell mit Brasilien schlägt er weitere Veränderungen vor.

Hallo Fußball-Freunde,

zunächst mal Glückwunsch an alle Halbfinalisten, die es allesamt verdient haben, in der Vorschlussrunde zu stehen.

Der große Aufreger am Samstagabend war das Verhalten des niederländischen Torwarts Tim Krul beim Elfmeterschieden. Ich sage: Ja, das ist unsportlich. Aber wir sind hier bei einer WM, es geht darum weiterzukommen.

Was mich daran am meisten geärgert hat, war, dass der Schiedsrichter nicht durchgegriffen hat. Das zieht sich leider wie ein roter Faden durch die WM.

Zur deutschen Mannschaft: Dass wir im Halbfinale stehen, ist schön, aber nichts Außergewöhnliches. Spielerisch hat die Mannschaft noch gar nicht überzeugt ? das ist ein Rückschritt im Vergleich zu den letzten Turnieren.

Was stimmt, ist die Effektivität. Letztlich hat man das Spiel gegen Frankreich aber nach der Führung nur verwaltet.

Gut fand ich, dass Joachim Löw Philipp Lahm auf die rechte Seite gezogen hat. Endlich gab es einen nachrückenden Außenverteidiger, den man aus dem Mittelfeld heraus anspielen konnte, so dass das Spiel viel flüssiger wirkte. Das war eine deutliche Verbesserung.

Ab und zu fehlt im deutschen Spiel aber immer noch die Bindung nach vorne. Ich finde, dass Löw gegen Brasilien mit Miroslav Klose und zwei schnellen Außen, vielleicht Andre Schürrle und Thomas Müller, spielen lassen sollte. Dazu würde ich Mesut Özil als Spielmacher aufbieten.

Klose macht alleine mit seinen 15 WM-Tore Eindruck auf Brasilien. Das wäre eine zusätzliche psychologische Komponente.

Apropos Psychologie: Der Schlüssel wird sein, bei aller Emotionalität im Stadion von Belo Horizonte kühlen Kopf zu bewahren und so die Spielkontrolle zu erlangen.

Ich würde auch nicht abwartend spielen, damit die Brasilianer nicht ins Rollen kommen. Ich würde sofort aufs Tempo drücken.

Mit Neymar hat Brasilien seinen einen außergewöhnlichen Spieler verloren. Argentinien hat Lionel Messi, die Niederlande hat Arjen Robben und Robin van Persie.

Bei Deutschland sehe ich den einen Spieler, der den Unterschied ausmacht, noch nicht. Das könnte für uns noch zum Problem werden. Denn bei dieser WM können kleine Momente entscheidenden sein. Und Spieler wie Messi können diese immer haben.

Bis demnächst,

Euer Thomas Strunz

Ex-Nationalspieler Thomas Strunz wechselt sich als Experte im Volkswagen Doppelpass und bei der sonntäglichen SPORT1-Kolumne mit Thomas Helmer und Mario Basler ab.

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