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Louis van Gaal (l.) feiert seine Torschützen Robin van Persie (2.v.r.) und Daley Blind. Die Bilder des Spiels ZUM DURCHKLICKEN © getty

Auch gegen die Niederlande bleibt Brasilien fast alles schuldig. Oranje profitiert dabei jedoch mehrfach von Fehlentscheidungen.

Brasilia - Die Wiedergutmachung misslang gründlich, für Brasilien endet die WM im eigenen Land nach dem Desaster gegen Deutschland mit einer weiteren Pleite.

Im ungeliebten Spiel um Platz 3 unterlag die Selecao gegen muntere und engagierte Niederländer mit 0:3 (0:2) und konnte von Glück sagen, dass die Niederlage nicht noch höher ausfiel.

Oranje fährt nach seinem 50. WM-Spiel und dem vorerst letzten von Bondscoach Louis van Gaal ohne eine Niederlage nach regulärer Spielzeit oder Verlängerung nach Hause.

Ein Umstand, der Arjen Robben beinahe die Tränen in die Augen trieb. "Diese Mannschaft hat einfach mehr verdient. Ich wollte hier ins Finale", sagte er mit bebender Stimme.

Brasilien verschläft den Start

Vor 68.034 Zuschauern in Brasilia drohte die auf sechs Positionen umbesetzte Selecao ähnlich unter die Räder zu kommen wie vier Tage zuvor beim desaströsen 1:7 gegen Deutschland. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Nach nicht einmal 20 Minuten stand es bereits 2:0 für Oranje durch einen von Robin von Persie verwandelten unberechtigten Foulelfmeter (3.) und Daryl Blind (17.).

Danach fing sich Brasilien ein wenig, wirkten aber dennoch unsortiert, ideenlos und verkrampft.

Oranje erhöhte in der Nachspielzeit (90.+1) durch Georginio Wijnaldum noch auf 3:0.

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Scolari lässt Zukunft offen

Trotz der zweiten Pleite in Folge ließ Brasiliens Trainer Luiz Felipe Scolari seine Zukunft nach dem Spiel offen.

"Der Präsident muss die Entscheidung treffen", sagte der 65-Jährige und ließ die Journalisten wissen: "Mit Ihnen werde ich nicht über meine Zukunft diskutieren."

La Ola trotz Rückstands

Das brasilianische Publikum, allem Anschein nach bereit, sich mit seiner Selecao zu versöhnen, verfolgte den erneut reichlich konfusen Auftritt in ständig wechselnder Stimmung.

Nach einer halben Stunde rollte "La Ola" über die Tribüne, nach der ersten Halbzeit pfiffen sie.

Hinterher verfolgten sie mit gebremster Leidenschaft eine Mannschaft, die bemüht, in ihren Mitteln aber erschreckend beschränkt war.

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Thiago Silva entschuldigt sich

"Das ist Frust pur. Wir hatten einen Traum, den wir uns nicht erfüllt haben. Wir entschuldigen uns beim brasilianischen Volk. Es ist hart, jetzt nach Hause zu gehen und den Familien zu sagen, dass es nicht geklappt hat", sagte der zurückgekehrte Kapitän Thiago Silva.

Der wenigstens noch bemühte Oscar fügte an: "Wir haben alles versucht, gut und konstant zu spielen. Wir sind alle traurig, und alle Brasilaner mit uns."

Van Gaal bringt Topelf

Bondscoach van Gaal hatte vor dem Spiel noch unverblümt für dessen Abschaffung plädiert, dennoch nahmen er und seine Spieler die ganze Sache dann doch ziemlich ernst.

Van Gaal bot seine bestmögliche Elf auf - und die schien große Lust zu haben, die Brasilianer noch einmal richtig an die Wand zu spielen.

Auch van Gaal benahm sich an der Seitenlinie, als ginge es um mehr als ein Spiel, das angeblich niemand braucht.

Niederlande erstmals Dritter

Die Niederlande gewannen nach drei Finalniederlagen (1974, 1978 und 2010) zum ersten Mal ihr letztes Spiel bei einer WM - und belegten damit zum ersten Mal Rang drei.

Neben Mexikos El Tri ist die Elftal aber die einzige Mannschaft, die 50 WM-Spiele oder mehr absolviert hat und noch immer ohne WM-Titel ist.

Schiedsrichter mit schwacher Leistung

Schwächster Mann auf dem Feld war im Spiel um Platz drei war der Schiedsrichter.

Beim ersten Angriff der Niederländer wurde Arjen Robben vor dem Strafraum von Thiago Silva umgerissen - Djuamel Haimoudi aus Algerien aber lag bei seiner Entscheidung dann gleich doppelt falsch: Er gab Foulelfmeter und Gelb für Thiago Silva statt Freistoß und Rot.

Später zeigte Haimoudi dem Brasilianer Oscar Gelb für eine Schwalbe, dabei war dieser von Blind im Strafraum klar gefoult worden (69.).

Neymar auf der Bank

Kapitän van Persie verwandelte den unberechtigten Elfmeter für Oranje sicher zu seinem vierten Turniertreffer.

Vor den Augen des im Viertelfinale gegen Kolumbien (2:1) verletzten Neymar, der immerhin im Trikot auf der Bank saß, zeigte die Selecao beim vermutlich letzten Spiel unter Trainer Luiz Felipe Scolari danach vorübergehend ähnliche Ausfallerscheinungen wie in der ersten Halbzeit des Halbfinals.

Brasilien ideenlos

Nach einer völlig verunglückten Rettungstat von David Luiz konnte sich Blind beim 2:0 in aller Ruhe völlig freistehend im Strafraum die Ecke aussuchen.

Danach aber fing sich die Selecao im Gegensatz zum Spiel gegen die deutsche Elf, in dem sie vier Tore innerhalb von sieben Minuten kassiert hatte, und mühte sich redlich.

Die Versuche endeten aber zumeist am Strafraum der gut organisierten Holländer.

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