Die WM in Brasilien geht aus Sicht der Gastgeber als sportliches Debakel in die so ruhmreiche Fußball-Geschichte des Landes ein.

Was für ein Trauerspiel. Die Weltmeisterschaft in Brasilien geht aus Sicht der Gastgeber als Debakel in die sonst so ruhmreiche Fußball-Geschichte des Landes ein.

Statt des erhofften und von den meisten Einheimischen auch erwarteten sechsten WM-Triumphs muss die Selecao nach 1:10 Toren in den letzten beiden Spielen mit dem undankbaren vierten Platz vorlieb nehmen.

Und das völlig zu Recht, denn Brasilien stellte ausgerechnet beim Heim-Turnier eine der schlechtesten Nationalteams seiner Geschichte.

Die Abwehr mit den insgesamt fast 100 Millionen teuren Innenverteidigern Thiago Silva und David Luiz sowie den beiden Champions-League-Siegern Marcelo und Dani Alves ein Hühnerhaufen, das Mittelfeld ohne einen Hauch von brasilianischer Fußballkunst, der Sturm harmlos bis dorthinaus.

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Die Elf des im Gegensatz zum WM-Triumph von 2002 offensichtlich überforderten Nationaltrainers Felipe Scolari lebte nur von der Euphorie und bis zu seinem bitteren Verletzungs-Aus von Neymar.

Der einzig verbliebene Topstar führte den Rekord-Weltmeister zu den Erfolgen über die starken Rivalen aus Chile und Kolumbien, doch ohne ihn agierte die Mannschaft dann im Halbfinale gegen Deutschland und im Spiel um Platz drei gegen die Niederlande zwei Klassen schlechter.

Ein kompletter Neuanfang ist unumgänglich und dabei sollten auch die tieferen Gründe der Krise angegangen werden. Die Korruption ist im Land allgegenwärtig und an der Spitze des Verbandes besonders ausgeprägt.

Statt weiter in die eigene Tasche zu wirtschaften müssen die Einnahmen durch die WM zwingend an die Vereine und in die völlig brach liegende Jugendarbeit umgeleitet werden, damit die nach wie vor extrem vielen Talente im 200-Millionen-Land wieder zum Vorschein kommen.

Auch sonst bleibt eine zwiespältige Bilanz der WM zurück. Das sportliche Niveau war unerwartet hoch, die Stimmung gut, die Sicherheit gewährleistet und die befürchteten Massenproteste blieben aus.

Doch am Ende hinterlässt die abziehende "Besatzungsmacht" FIFA zahlreiche Baustellen wie die überdimensionierten WM-Stadien, während für die Infrastruktur nichts getan wurde. Das zeigten die überfluteten Straßen vor dem deutschen Spiel gegen die USA in Recife exemplarisch.

Für das Volk bleibt von der WM jedenfalls wenig bis nichts übrig ? weder sportlich noch wirtschaftlich. Keine besonders guten Aussichten für Olympia 2016 in Rio.

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