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Chile besiegte in der WM-Vorrunde Australien und Titelverteidiger Spanien © getty

Ausspähversuche und eine schlechte Bilanz gegen Brasilien lassen Chile vor dem Achtelfinale kalt. Das Selbstvetrauen ist riesig.

Aus Brasilien berichtet Martina Farmbauer

Belo Horizonte - Die chilenische Pressekonferenz mit Alexis Sanchez und Mauricio begann 50 Minuten später als angekündigt.

So etwas kann in dieser Region der Welt immer mal wieder vorkommen. In Belo Horizonte hatte es in diesem Fall allerdings nichts mit lateinamerikanischer Lässigkeit zu tun.

Sondern damit, dass der chilenische Trainer Jorge Sampaoli ein Perfektionist ist.

Im Training arbeitet Sampaoli akribisch, er legt die Dauer der Einheiten eher flexibel fest - und wenn ihm etwas nicht gefällt, lässt er es solange wiederholen, bis es klappt (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

"Der Trainer? Sogar im Training will er immer gewinnen", beschreibt Stürmer Alexis Sanchez auf SPORT1-Nachfrage seinen Chef.

Vor dem Achtelfinale gegen Brasilien (ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER) ist Perfektionist Sampaoli in seinem Element.

Helikopter über dem Trainingsplatz

Wenn dann, wie am Donnerstag, der Helikopter eines brasilianischen Fernsehsenders über dem Trainingsgelände der Chilenen zu filmen versucht, unterbricht Sampaoli schon einmal die Übungen.

"Der Trainer war erschrocken", schilderte Defensivspieler Mauricio Isla die Situation: "Er hat Taktik trainiert und wollte nicht, dass das jemand sieht."

Also ließ er pausieren. Als der Helikopter wieder weg war, wurden die Abläufe und Laufwege wiederholt - bis sie klappten.

Die Episode zeigt die Besessenheit Sampaolis, der seine Mannschaft geheim und abgeschirmt auf dem Gelände des EC Cruzeiro außerhalb von Belo Horizonte vorbereitet.

Scolari fürchtet den Rivalen

Chile hat sich bei dieser WM eine Menge Respekt erspielt und erkämpft.

Brasiliens Trainer Luiz Felipe Scolari fürchtete bereits im vergangenen Jahr, ein Zusammentreffen mit der chilenischen Mannschaft bei der WM. Sie sei diejenige, gegen die er am wenigsten gern spielen würde.

Der Sieg Chiles gegen Weltmeister Spanien hat daran wohl nicht unbedingt etwas geändert.

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"Wie ein Hund, der sein Herz lässt"

Spielweise und Einstellung der Chilenen haben beeindruckt.

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Das permanente Pressing, die mannschaftliche Geschlossenheit und der Kampfeswille.

Alexis Sanchez beschreibt das so: "Wir rennen jeder für jeden, ich für Mauricio Isla, Mauricio Isla für Jorge Valdivia, und so weiter. Wie ein Hund, der auf den Platz geht und sein Herz lässt. Am Samstag gewinnt der, der mehr Herz lässt - und ich möchte ins Finale kommen."

Nur zehn Siege in 86 Spielen

Im Achtelfinale, das stellte der Flügelstürmer des FC Barcelona ebenfalls klar, werde Chile auch gegen Brasilien so offensiv und aggressiv spielen, wie es die Mannschaft bisher im Turnier gemacht hat.

Auch wenn Chile in 86 Spielen gegen die brasilianische Nationalmannschaft seit dem Jahr 1916 nur zehnmal gewonnen hat, ist das Selbstbewusstsein groß.

Der Argentinier Sampaoli hat den Chilenen dabei anscheinend das Siegergen eingeimpft. Taktisch hält er größtenteils am System seines Vorgängers Marcelo Bielsa fest.

Dieser hatte "La Roja" von 2007 bis 2011 trainiert, führte ein 3-3-1-3 mit starkem Pressing ein.

Von ihm hat Sampaoli zwar die Spielweise übernommen, aber nicht die mürrische Art. War Bielsas Markenzeichen die Brille, so ist es beim aktuellen Coach die Baseballkappe.

Vidal mit Schlüsselrolle

Die Spieler haben zuletzt immer wieder den guten Teamgeist herausgestellt. Der Einzelne sei in dieser Mannschaft nicht so wichtig, heißt es.

Auch die Superstars wie wie der Ex-Leverkusener Vidal oder Sanchez fügen sich ein und geben positive Impulse.

Zu SPORT1 sagt Sanchez: "Arturo steckt die Mannschaft mit seiner Siegermentalität an."

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Ein Wort ist tabu

Diese Mentalität hat Chile früher ein ums andere Mal gefehlt. In den entscheidenden Momenten hat sich die Mannschaft häufig mit der Niederlage abgefunden, regelrecht ergeben.

Dafür steht das Wort "derrotismo". Eine Steigerung des Wortes "derrota", die Niederlage.

Dieses Wort wollen die Chilenen so schnell nicht mehr hören. Und im Wortschatz des Perfektionisten Sampaoli hat es ohnehin keinen Platz.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

BRASILIEN: 12 Cesar/Toronto FC (34 Jahre/83 Länderspiele/0 Tore) - 2 Alves/FC Barcelona (31/78/6), 3 Thiago Silva/Paris St. Germain (29/49/2), 4 David Luiz/FC Chelsea (27/39/0) oder Dante/FC Bayern (30 Jahre/12/2), 6 Marcelo/Real Madrid (26/34/4) - 5 Fernandinho/Manchester City (29/8/2), 17 Luiz Gustavo/VfL Wolfsburg (26/22/1) - 7 Hulk/Zenit St. Petersburg (27/37/9), 11 Oscar/FC Chelsea (22/34/10), 10 Neymar/FC Barcelona (22/52/35) - 9 Fred/Fluminense (30/36/18)

CHILE: 1 Bravo/Real Sociedad San Sebastian (31/82/0) - 4 Isla/Juventus Turin (26/50/2), 17 Medel/Cardiff City (26/64/5), 18 Jara/Nottingham Forest (28/68/3), 2 Mena/FC Santos (25/28/3) - 20 Aranguiz/SC Internacional (25/24/3), 8 Vidal/Juventus Turin (27/56/8), 21 Diaz/FC Basel (27/24/1) - 10 Valdivia/Palmeiras (30/60/5) - 7 Sanchez/FC Barcelona (25/70/23), 11 Vargas/FC Valencia (24/33/15)

SCHIEDSRICHTER: Howard Webb (England)

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