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Brasiliens Keeper ist mit zwei gehaltenen Elfmetern der Held. Die Bilder des Spiels ZUM DURCHKLICKEN © getty

Brasilien nimmt mit Glück die hohe Hürde und verschlimmert Chiles WM-Trauma. Neymar versenkt den Strafstoß ins Viertelfinale.

Belo Horizonte - Als der Elfmeter des Chilenen Gonzalo Jara halbhoch an den rechten Pfosten klatschte, atmete ganz Brasilien auf.

Neymar und Daviz Luiz knieten gemeinsam auf dem Rasen und beteten - Torhüter Julio Cesar, dem Helden des Nachmittags, flossen die Tränen der Rührung über die Wangen. (913666DIASHOW: Die Bilder des WM-Spieltages)

Die Selecao hatte in einem faszinierenden und mitreißenden Achtelfinale am Abgrund gestanden. Der WM-Gastgeber wankte und fand einen unerwarteten Retter.

1:1 (1:1, 1:1) hatte es nach 120 Minuten gestanden, 3:2 endete das Elfmeterschießen, in dem Julio Cesar zweimal hielt, Neymar den entscheidenden Treffer erzielte.

"Für uns ein ganzes Land zu vertreten, ist ein unheimlicher Druck. Heute ist am Ende alles gut gegangen. Nur Gott und meine Familie weiß, was ich die letzten vier Jahre durchgemacht habe. Jetzt fehlen noch drei Stufen. Mein großer Traum ist es, Brasilien in einem großen Fest zu sehen", sagte der Torhüter unter Tränen.

Chilene Jara tragische Figur

Unterdessen war Gonzalo Jara untröstlich. Der Verteidiger hatte bereits den Führungstreffer für Brasilien verursacht, als er einen Freistoß von Neymar, den Thiago Silva verlängerte, ins eigene Tor lenkte (18.). Allerdings erkannte die FIFA mit einiger Verspätung dem Brasilianer David Luiz den Treffer zu.

Alexis Sanchez (32.) erzielte danach den Ausgleich für Chile.

Pech hatten die Chilenen schon vor dem Elfmeterschießen: Der eingewechselte Mauricio Pinilla traf nach exakt 119 Minuten und 42 Sekunden die Latte.

Danach scheiterten er und Sanchez im Elfmeterschießen an Julio Cesar, der die zwei Fehlschüsse von Willian und Hulk ausbügelte.

"Es war das erwartet schwere Spiel. Chile ist sehr gut organisiert, sie haben einen guten Plan. Wir haben ein sehr ausgeglichenes Spiel gesehen. Morgen haben die Spieler frei, sie sollen nach Hause gehen und sich erholen. Dann müssen wir uns weiter verbessern, um im Viertelfinale bestehen zu können", sagte Brasiliens Cheftrainer Felipe Scolari.

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Luiz Gustavo im Viertelfinale gesperrt

Umjubelt wurde zudem in einer allerdings über weite Strecken nicht überzeugenden Selecao erneut der überragende Neymar, der seinen Elfmeter zum 3:2 eiskalt verwandelte. (SHOP: Jetzt WM-Fanartikel kaufen)

Mit dem Zittersieg haben die Gastgeber die erste ganz hohe Hürde auf dem Weg zur ersehnten "Hexa" genommen, dem vom ganzen Land so sehnlich erwarteten sechsten WM-Titel des Rekordweltmeisters.

Das Viertelfinale bestreiten die Brasilianer am Freitag in Fortaleza. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Brasilien fehlen wird dann der Wolfsburger Luiz Gustavo, der die zweite Gelbe Karte sah. (WM-Tippspiel: Mitmachen und 100.000 Euro gewinnen!)

"Das ist ein Traum. Jetzt können wir ein bisschen durchatmen, dann konzentrieren wir uns auf das nächste Spiel. Ich bin zwar im Viertelfinale gesperrt, aber ich habe volles Vertrauen in die Mannschaft", erklärte Gustavo bei der "ARD".

Staatspräsidentin Dilma Rousseff twitterte nach dem Elfmeterkrimi: "Danke, Selecao. Brasilien glaubt an euch."

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Duell mit Wucht und Intensität

Die Chilenen scheiterten noch nach ihrem vierten K.o-Runden-Einzug nach 1962, 1998 und 2010 zum vierten Mal an den Brasilianern.

Diesmal in einem Spiel, dass vor 57.714 Zuschauern in Belo Horizonte von Beginn an eine enorme Intensität hatte und das Publikum im Estadio Mineirao elektrisierte.

Die Chilenen legten die gewohnte Wucht in jeden einzelnen Zweikampf, doch die Gastgeber hielten mit aller Macht dagegen.

Neymar war an fast jeder gelungenen Offensivaktion seines Teams beteiligt.

Nach der Führung kontrollierten die Gastgeber das Spiel, angefeuert von 50.000 ethusiastischen Selecao-Fans, die eine riesige gelbe Wand bildeten.

Blankes Entsetzen machte sich nach dem Ausgleich breit: Einen Einwurf von David Luiz spielte Hulk Eduardo Vargas in die Füße, der passte auf Sanchez, und der Star vom FC Barcelona schob den Ball ins linke Eck.

Gelb statt Tor für Hulk

Brasilien ließ sich nicht beirren und drückte auf den erneuten Führungstreffer.

Die größte Chance vergab Neymar (36.), dessen abgefälschter Kopfball um Zentimeter am Tor vorbeiflog. Dani Alves prüfte danach Chiles Torwart Claudio Bravo, seinen künftigen Klubkollegen beim FC Barcelona, mit einem Schuss aus 25 Metern.

Auch Chile hatte vor der Pause durch Charles Aranguiz noch eine große Chance.

Nach der Pause gab es in der 55. Minute den ersten Aufreger. Hulk erzielte das 2:1, doch der souveräne Schiedsrichter Howard Webb (England) zeigte ihm Gelb, statt Tor zu geben. Der bullige Angreifer hatte bei der Ballannahme die Hand zur Hilfe genommen.

Lattenknaller kurz vor dem Elfer-Drama

Chile blieb bissig, unnachgiebig und diszipliniert. Das beeindruckte auch die Brasilianer, bei denen immer weniger zusammenlief.

"Wir können nicht zufrieden sein, wir sind sehr traurig. 120 Minuten haben wir alles gegeben - auch wenn alle im Stadion gegen uns waren. Wir sind sehr traurig und enttäuscht", sagte Chiles Coach Jorge Sampaoli.

In der 64. Minute bewahrte Julio Cesar seine Elf mit einer Klasseparade bei einem Schuss von Aranguiz vor dem Rückstand.

Danach setzten die Brasilianer zum Schlussspurt an, doch Jo (74.), Neymar (81.) und Hulk (83.) verpassten das 2:1. In der Verlängerung machte sich auf beiden Seiten Erschöpfung breit. Es gab kaum noch Torchancen, doch die knisternde Spannung hielt an.

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