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James Rodriguez traf gegen Kolumbien doppelt. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder des Spieltages © getty

Der Kolumbianer hat sich zum WM-Star und begehrten Transferobjekt aufgeschwungen. Jetzt will er Brasilien gefährlich werden.

Aus Rio de Janeiro berichtet Maik Rosner

Rio de Janeiro - Für die spannenden Geschichten aus seiner Vita war jetzt erstmal keine Zeit.

Von James David Rodriguez Rubio wollten die Medien aus aller Welt nach dem 2:0 (1:0) im WM-Achtelfinale gegen Uruguay (BERICHT: James schießt Kolumbien weiter) lieber rasch die Ankündigung der nächsten Großtaten hören.

Für das Viertelfinale gegen WM-Gastgeber Brasilien am Freitag in Fortaleza (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Der 22-Jährige hat ihnen durchaus den Gefallen getan, aber auf seine Weise.

"Sie haben sehr gute Spieler, darauf müssen wir achten", sagte Rodriguez über die Selecao: "Aber sie müssen auch auf uns achten. Wir haben auch sehr gute Spieler und können für sie gefährlich sein."

Turniertreffer vier und fünf

Er trug das ähnlich selbstbewusst und gelassen vor, wie er zuvor auch gespielt hatte.

Herausgekommen waren dabei seine Turniertore vier und fünf. Und vor allem sein erster Treffer war ein Beleg seiner besonderen Qualitäten.

Seiner Brustannahme, Drehung und dem fulminanten Linksschuss in einer flüssigen Bewegung folgten sogar von Uruguays Trainer Oscar Tabarez Hymnen auf den Traumtortänzer vom Maracana.

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Der 67-Jährige sagte: "Er ist der beste Spieler der WM. Maradona, Messi, Luis Suarez, James Rodriguez ? das sind die Spieler, die die Gabe haben, besondere Dinge tun zu können. Er hat Fähigkeiten, die andere nicht haben."

Uruguays gesperrter Beißer Suarez durfte in dieser Galerie der Großen wohl nicht fehlen. Zumindist aus Sicht seines Nationalcoaches.

Kein Hang zum Übermut

Abgehobenheit oder gar Übermut ließ sich später bei Rodríguez nicht erkennen. Der Mittelfeldspieler des AS Monaco versuchte nur seine Sicht der Dinge so realitätsnah wie möglich zu schildern.

Das galt auch für seine Anmerkung, jeder einzelne und alle zusammen müssten einen Plan haben, "und wir haben unseren Plan immer umgesetzt. Gegen Brasilien wird sich das nicht ändern."

Aus dem bislang besten Turniertorschützen und Überraschungsstar sprach ein Überzeugungstäter.

In jedem der vier Turnierspiele Kolumbiens hat er getroffen, am Samstagabend in Rio de Janeiro sogar gleich zwei Mal.

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Vorbei an Valderrama

Mit fünf Toren und zwei Vorlagen ist er nicht nur der erfolgreichste WM-Spieler in der Geschichte seines Landes, vor Carlos Valderrama, dem bisher größten Kicker Kolumbiens mit der Trikotnummer zehn. Rodriguez bringt auch eine Reife mit, die ihn abhebt von vielen Jungstars der Branche.

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Vielleicht liegt das auch an seiner spannenden Vita.

Er hat bereits viel erlebt, auch vor dieser WM. Allein die Anfänge seiner Karriere genügen schon für große Legenden.

Rodriguez wurde vom zwielichtigen Geschäftsmann Gustavo Adolfo Upegui Lopez entdeckt, der mit Kolumbiens Drogenbaron Pablo Escobar Verbindungen unterhalten haben soll.

2004 war das, mit zwölf Jahren, bei einem wichtigen Jugendturnier in der Heimat. Bei Lopez' Klub Envigado FC debütierte Rodriguez bereits mit 15 Jahren als Profi. Mit 17 wurde er jüngster ausländischer Profi in Argentiniens Geschichte bei CA Banfield. Zwei Jahre später zog er weiter zum FC Porto.

2013 wechselte er für damals überzogen wirkende 45 Millionen Euro zum AS Monaco. Vernünftig sind solche Summen nie, aber mittlerweile etwas nachvollziehbarer.

Womöglich wird für James bald ein noch höherer Preis fällig sein. Die Branchenführer haben anscheinend schon auf dem Zettel. "Ich bevorzuge Real Madrid vor Barcelona", wird der Kolumbianer in der spanischen "Marca" zitiert.

"Ich bin ganz gut in Form"

Zu seiner bisher herausragenden WM gibt sich der technisch versierte Linksfuß aber zurückhaltend: "Ich bin ganz gut in Form." Er wirkte dabei, als könne er seine Branche mit dem Hang zur Übertreibung vernünftig einschätzen.

Wohl auch deshalb nennt ihn Kolumbiens Nationaltrainer Jose Pekerman trotz seines jungen Alters einen "Führungsspieler. Ich hatte nie Zweifel, dass dies seine WM werden würde."

Gegen Brasilien könnte sie dennoch enden. Oder eine echte Überraschung folgen. James ist bereit. SHOP: Jetzt Uruguay-Fanartikel kaufen

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