vergrößernverkleinern
Klaas-Jan Huntelaar feiert seinen Siegtreffer gegen Mexiko. Die Bilder des Spieltages ZUM DURCHKLICKEN © getty

Mit der späten Einwechslung des Schalkers Klaas-Jan Huntelaar wenden die Niederlande doch noch das Blatt gegen tapfere Mexikaner.

Fortaleza - Eine atemberaubende Last-Minute-Aufholjagd und Joker Klaas-Jan Huntelaar haben den Niederlanden den Einzug ins WM-Viertelfinale beschert.

Mit dem Mute der Verzweiflung verwandelte die Oranje-Elf im Glutofen von Fortaleza gegen Mexiko einen 0:1-Rückstand noch in einen 2:1 (1:0)-Sieg.

Wesley Sneijder (88.) und der eingewechselte Schalker Huntelaar per Foulelfmeter (90.+4.) erlösten nicht nur die Holland-Fans, sondern auch Louis van Gaal auf der Trainerbank. "Für Holland ein so wichtiges Tor zu schießen, ist überragend", sagte Huntelaar bei der "ARD".

Huntelaar bereitete per Kopfball-Ablage auch das 1:1 vor. Während die Niederlande nun dem vermeintlich einfachen Viertelfinale am kommenden Samstag in Salvador gegen Costa Rica entgegenblicken, verzweifelt El Tri am Achtelfinal-Fluch:

Zum sechsten Mal in Folge war für die Mexikaner in der ersten K.o.-Runde Endstation (914211DIASHOW: Die Bilder des WM-Spieltages).

[tweet url="//twitter.com/KJ_Huntelaar"]

Huntelaar bringt die Wende

Giovani dos Santos brachte sie in der 48. Minute in Führung, bevor Oranje mit einem beeindruckenden Kraftakt den K.o.-Schlag noch abwendete. Zunächst glich Wesley Sneijder mit einem wuchtigen Schuss von der Strafraumgrenze aus, dann gelang dem "Hunter" der Siegtreffer (SHOP: Jetzt WM-Fanartikel kaufen).

"Robben hat Klaas-Jan gesagt, dass er ihn schießen soll. Und das ist sehr cool", sagte van Gaal. Kapitän Rafael Marquez hatte zuvor Robben im Strafraum gefoult.

[tweet url="//twitter.com/OnsOranje/statuses/483315361534967808"]

Beide Teams hatten von Beginn an mit unbarmherzigen, feucht-heißen 30 Grad zu kämpfen. Auch die ersten offiziellen Trinkpausen während der Endrunde (32. und 76.) verschafften den Spielern nur kurz Linderung.

Hitze lähmt Holländer lange

Vor allem die Van-Gaal-Elf, für die das offenkundig noch weitaus problematischer war als für die hitzeerprobten Mexikaner, musste an ihre physischen Grenzen gehen.

Auch wegen der Hitze gab van Gaal die Devise "saftey first" aus. Seine Elf stand extrem tief, überließ den Mexikanern viele Spielanteile und lauerte auf Konter.

Da aber auch die Mannschaft von Coach Miguel Herrera extrem diszipliniert zu Werke ging, entwickelte sich ein zähes Ringen, das zahlreiche Zuschauer stehend im Schatten verfolgten. Auf ihren Sitzplätzen in der prallen Sonnen hatten sie es nicht ausgehalten (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Zunächst Pech für Robben

Die Niederlande kam vor der Pause nur ein einziges Mal gefährlich vor das Tor von Guillermo Ochoa - und hatten Pech. In der Nachspielzeit brachten Hector Moreno und Rafael Marquez gemeinsam Robben zur Fall, doch Schiedsrichter Pedro Proenca (Portugal) pfiff den fälligen Strafstoß nicht (45.+2).

Moreno brach sich bei der Aktion das linke Schienbein.Hector Herrera (17.), Carlos Salcido (24.) und dos Santos (42.) hatten zuvor auf der Gegenseite gute Möglichkeiten vergeben (WM-Tippspiel: Mitmachen und 100.000 Euro gewinnen!).

"Unglaublich. Mexiko hat eine gute Mannschaft. Wir haben nicht so gut verteidigt. Mit einem 0:1-Rückstand ist es immer schwierig. Am Ende haben wir das Spiel gedreht. Das war Wahnsinn", meinte Robben.

Kuijt: "Gekämpft wie orange Löwen"

Dirk Kuyt kam auf der für ihn ungewohnten Position auf der linken Seite der Viererkette zu seinem 100. Länderspieleinsatz.

"Es war unfassbar. Ich habe noch nie bei solchen Temperaturen gespielt. Wir haben wie orange Löwen gekämpft. Als das 1:1 fiel, war klar, dass wir Raum bekommen würden - speziell mit Arjen Robben. Er braucht nur eine Chance, das war der Elfmeter", sagte Kuijt bei der "ARD".

Auf rechts feierte Paul Verhaeg vom FC Augsburg sein WM-Debüt, er hatte große Probleme mit dem schnellen Miguel Layun, der ihn gleich mehrfach überlief, und wurde in der 56. Minute gegen Memphis Depay ausgewechselt.

Ochoa brilliert

Die Mexikaner mussten auf einen ihrer wichtigsten Spieler verzichten. Für den gelbgesperrten Jose Vasquez, den großen Strategen im defensiven Mittelfeld, spielte Salcido. Die Defensive der Mexikaner bildete auch so ein nahezu undurchdringliches Bollwerk.

Und kurz nach der Pause waren sie auch vorne erfolgreich. Dos Santos zog aus gut 20 Metern ab und traf ins untere rechte Eck. Die Oranje-Stars waren jetzt zum Handeln gezwungen, sie mobilisierten die letzten Reserven, verzweifelten aber zunächst an Ochoa.

In der 57. Minute lenkte der Torwart der Mexikaner zunächst einen Volleyschuss von Stefan de Vrij aus nur vier Metern mit einem unglaublichen Reflex an den Pfosten. In der 74. Minute war er gegen Robben zur Stelle, der aus spitzem Winkel abgezogen hatte.

Mit der Einwechslung des Schalkers Huntelaar für den erschöpften Robin van Persie (76.) leutete van Gaal die Schlussoffensive ein. Kurz vorher hatte Huntelaar noch ein kleines Problem zu lösen: "Ich musste noch schnell pinkeln. Wir haben so viel getrunken. Da war der Druck beim Elfmeter weg. Ich war nicht nervös."

[image id="70c41a50-63a6-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel