Klaas-Jan Huntelaar beendet gegen Mexiko seinen WM-Frust. Arjen Robben outet sich als Schummler, Mexiko ist sauer auf den Schiri.

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Fortaleza - Dieses Grinsen bekam Klaas-Jan Huntelaar auch lange nach dem Abpfiff nicht aus dem Gesicht.

"Das ist der pure Adrenalinkick", sagte der niederländische Stürmer vollkommen euphorisiert über die dramatische Schlussphase beim 2:1 (0:0) im WM-Achtelfinale gegen Mexiko (Bericht).

"Das ist das, wovon man als kleiner Junge träumt: Reinzukommen und das entscheidende Tor machen. Das ist einfach fantastisch."

Binnen weniger Minuten wurde der Schalker vom Bankdrücker zum Matchwinner (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Erst nach 76 Minuten für den in der Gluthitze von Fortaleza erschöpften Dauerrivalen Robin van Persie eingewechselt, legte Huntelaar zunächst per Kopf zum 1:1 (88.) durch Wesley Sneijder vor.

Robben verteilt die Aufgaben

Und dann kam die vierte Minute der Nachspielzeit, als Bayern-Star Arjen Robben zum zweiten Mal im Strafraum gefoult wurde.

Doch im Gegensatz zur ersten Halbzeit entschied Schiedsrichter Pedro Proenca diesmal auf Elfmeter.

"Normalerweise will ich so einen Ball schießen", sagte Robben, "aber als Kapitän muss man die Aufgaben auch verteilen."

"Ich war überhaupt nicht nervös"

"Arjen ist zu mir gekommen und hat mich gefragt, ob ich schießen will", berichtete Huntelaar.

"Ich war überhaupt nicht nervös. Natürlich wusste ich, dass es ein wichtiger Moment war. Aber ich spürte auch, dass ich jetzt schießen muss."

Also nahm sich der "Hunter" den Ball und versenkte ihn eiskalt - was umso überraschender war vor dem Hintergrund, dass er bei Schalke vier der letzten sechs Strafstöße verschossen hatte.

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Schnell noch auf die Toilette

Doch seine Erklärung war einfach: Weil er vorher auf der Bank so viel getrunken habe "musste ich noch schnell pinkelen", berichtete er in schönem deutsch-holländisch.

Zwar wurde ihm signalisiert, dass das so kurz vor seiner Einwechslung nicht mehr möglich sei, doch Huntelaar entkam den FIFA-Wächtern und war danach umso befreiter für seinen großen Auftritt.

"Dann war der Druck weg", sagte er in der "ARD".

Zuvor 354 Minuten Bankdrücker

Eine spektakuläre Wende, nachdem Huntelaar vor der WM-Nominierung sogar als Streichkandidat galt und in Brasilien bis dahin 354 Minuten auf der Bank geschmort hatte.

"Ich bin sehr stolz auf mich. Es war nicht leicht, immer positiv zu bleiben", sagte der 30-Jährige (914211DIASHOW: Die Bilder des WM-Spieltags).

Und schon war die Schwermut, die er zuletzt an den Tag gelegt hatte, verschwunden.

Mit großer Vorfreude blickte Huntelaar auf das vermeintlich leichte Viertelfinale am kommenden Sonntag gegen Costa Rica, auch wenn er dann höchstwahrscheinlich anfangs erneut nur auf der Bank sitzen wird: "Wir wollen weiterkommen."

Und Dirk Kuyt meinte: "Es geht wieder um Tod oder Gladiolen. Noch drei Spiele - und dann ist da wieder eine Grachtenrundfahrt."

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Goldene Entwicklung mit van Gaals Plan B

Doch auch Bondscoach Louis van Gaal forderte vehement seine Aktien ein am mehr als hart erkämpften Achtelfinalsieg gegen widerspenstige Mexikaner.

Er sprach von einer "goldenen Einwechslung", und in der zweiten Trinkpause "habe ich Plan B ausführen lassen. Er hat funktioniert", sagte der künftige Teammanager von Manchester United gewohnt selbstbewusst.

Van Gaals taktischer Schachzug war in der Tat meisterlich. Er beorderte Huntelaar und Kuyt, der auf der linken Mittelfeldseite begonnen hatte, in die Spitze nahe ans Tor.

Orangene Löwen drehen besonderes Spiel

"Van Gaal hat uns auf alle Situationen vorbereitet, auch auf dieses Szenario", sagte Kuyt und schwärmte: "Wir haben gekämpft wie orangene Löwen."

Für den Profi von Fenerbahce Istanbul war die Partie nicht nur wegen seines 100. Länderspiels (als siebter Oranje-Spieler) emotional: "Heute vor sieben Jahren ist mein Vater gestorben. Es war ein besonderer Tag."

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Robben entschuldigt sich für Schwalbe

Die unglücklichen Mexikaner errregten sich vor allem über den Elfmeter zum 1:2, obwohl Rafael Marquez Robben trotz dessen folgenden theatralischen Sprungs tatsächlich am Fuß getroffen hatte.

Robben hingegen gab zwar zu, bei einer weiteren Elfmeterszene in Halbzeit eins geschummelt zu haben.

"Ich möchte mich entschuldigen. Ich habe eine Schwalbe gemacht. Das war dumm von mir", sagte der 30-Jährige dem Fernsehsender "NOS".

Der Strafstoß zum 2:1 sei hingegen berechtigt gewesen, so Robben weiter: "Das war ein Elfmeter, ich wurde getroffen."

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Herrera wettert gegen die FIFA

Dennoch wetterte Mexikos Trainer Miguel Herrera über Schiedsrichter Proenca und kritisierte die Ansetzung durch die FIFA: "Er hat uns aus der WM geworfen. Wenn ein Schiedsrichter vom Kontinentalverband des Gegners aufläuft, dann muss man das hinterfragen."

Die wackeren Mexikaner ereilte am Ende wieder der Achtelfinal-Fluch. Zum sechsten Mal in Folge war für "El Tri" in der ersten K.o.-Runde Endstation.

Für Hector Moreno war das Aus doppelt schmerzvoll. Beim Verteidiger, der sich bei einem Zweikampf mit Robben verletzt hatte, wurde im Krankenhaus ein Bruch des linken Schienbeins festgestellt.

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