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Karim Benzema erzielte bisher drei WM-Tore für Frankreich © getty

Der stille Spätzünder Karim Benzema ist bei seiner ersten WM endlich in Frankreichs Nationalelf angekommen. Nun will er den Titel.

Aus Brasilien berichtet Maik Rosner

Rio des Janeiro - Die alten Geschichten verfolgen Karim Benzema noch immer. Aber er ist gerade dabei, sie ein bisschen umzuschreiben.

Jene aus seiner Kindheit zum Beispiel, von der WM 1998 in Frankreich, als er als Zehnjähriger im Trikot von Brasiliens Ronaldo vor dem Fernseher saß und dem Stürmer und dessen Mannschaft die Daumen drückte.

"Ich habe auch Zizou zugeschaut, aber es war Ronaldo, der mich zum Träumen gebracht hat", hat Benzema erzählt.

Er muss ziemlich enttäuscht gewesen sein, dass Zinedine Zidane Frankreich damals im Finale gegen die Selecao zum Titel schoss.

Benzema hat den Titel im Kopf

Nun schickt sich Benzema selbst an, Geschichte zu schreiben. Mit Frankreich, in Brasilien ? und wie Zidane als Sohn algerischer Einwanderer.

Der 26-Jährige bringt die Fans zum Schwärmen, und er hat sich noch einiges vorgenommen bei dieser WM. Mit den Worten "ich träume von Beginn an, ich habe das Ziel im Kopf", ist er in sein einstiges Lieblings-Fußballland gereist.

Das bedeutete nichts anderes, als dass er dem Champions-League-Gewinn mit Real Madrid nun den WM-Triumph folgen lassen will (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

"L'Equipe" gerät ins Schwärmen

Bis zum Achtelfinale heute Abend (ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER) in Brasilia gegen Nigeria ist es ziemlich vielversprechend gelaufen für ihn und seine Kollegen.

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Die Mannschaft von Trainer Didier Deschamps gewann das erste Spiel 3:0 gegen Honduras.

Benzema erzielte dabei zwei Tore, als erster Franzose in einer WM-Partie seit 1998. Die Sportzeitung "L'Equipe" urteilte, der Angreifer habe gespielt "wie ein Großer".

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Nigeria wird nicht unterschätzt

Es war auch der höchste Auftakterfolg einer Equipe Tricolore seit 1998, als Frankreich ebenfalls mit einem 3:0 startete.

In Brasilien folgte das 5:2 gegen die Schweiz mit Benzemas drittem WM-Treffer. Damit war schon das Achtelfinale erreicht.

Das 0:0 mit einer französischen B-Elf gegen Ecuador soll nur eine schöpferische Pause gewesen sein. Vor allem für Benzema. "Wir werden weiter zulegen und Nigeria auf keinen Fall unterschätzen", hat er versprochen.

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2010 noch aussortiert

Er scheint in der Nationalmannschaft endlich angekommen zu sein bei seiner ersten WM.

2010 war er wegen mangelnder Form und seiner Schwäche fürs Nachtleben gar nicht mit nach Südafrika geflogen. Stattdessen fand er sich mit außersportlichen Themen in den Schlagzeilen wieder. Zusammen mit Franck Ribery wegen der Affäre um eine minderjährige Prostituierte.

Oder auch, weil ihn die Polizei stoppte, da er mit seinem Sportwagen mit mehr als 100 Km/h zu schnell unterwegs war. Bei den Europameisterschaften 2008 und 2012 erwarb sich Benzema zudem den Beinamen "Chancentod".

Zidane als Förderer

Im Auftrag der Grande Nation lief es ähnlich schleppend an wie bei Real Madrid.

Erst in der vergangenen Saison hat er dort den Ruf als unerfülltes Versprechen wirklich abgestreift, ganz ähnlich wie nun in der Nationalelf. Und beides hat wohl viel mit Zidane zu tun.

Der Co-Trainer von Carlo Ancelotti bei Real nahm sich Benzemas an und entwickelte eine Vertrauensbasis, die vorher unter Trainer Jose Mourinho offenbar fehlte. Vielleicht hat das auch mit den ähnlichen Charakterzügen von Zidane und Benzema zu tun.

Beide gelten als Schweiger.

Viele Worte verliert Benzema auch jetzt nicht, aber in Bezug auf Zidane wurde er für seine Verhältnisse richtig ausführlich. "Ich schätze die Zusammenarbeit mit ihm sehr. Er ist wie ein großer Bruder, er beschützt mich. Unsere Beziehung ist fast schon familiär", sagte Benzema.

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Heimlicher WM-Torschützenkönig

Das scheint ihm nun auch bei der Equipe in seiner neuen Rolle als großer Hoffnungsträger zu helfen, nachdem Ribery wegen Rückenbeschwerden nicht mit nach Brasilien flog.

Laut einer Umfrage meinen 76 Prozent der Fans in Frankreich sogar, dass Benzema aufblühe, weil der Profi des FC Bayern nicht mit dabei ist.

"Durch den Ausfall von Franck hat er noch mehr Verantwortung. Aber das liegt ihm", befand Torwart und Kapitän Hugo Lloris.

Fest steht jedenfalls: Benzema hat bisher überzeugt. Und der heimliche Torschützenkönig ist er bisher auch.

Deutschland steht im Weg

Gegen die Schweiz erzielte er ja noch das 6:2, doch Schiedsrichter Björn Kuipers pfiff beim Torschuss ab. Zudem vergab Benzema in diesem Spiel einen Elfmeter.

Und gegen Honduras durfte ihm das Eigentor von Torwart Noel Valladares zum 2:0 mindestens zur Hälfte zugerechnet werden.

Doch auch so rangiert Benzema mit je drei Toren und Vorlagen hinter Kolumbiens James Rodríguez (5/2) auf Platz zwei der Scorerliste.

Der Rest kann mit Les Bleus ja noch kommen. Ein Finale gegen Brasilien, wie bei Zidane, ist jedoch nicht möglich, nur ein Halbfinale. Im Weg stünden neben Nigeria vorher aber noch Deutschland ? oder Algerien.

Das wäre dann Benzemas ganz eigene Geschichte.

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