Der Deutsch-Algerier und Ex-Zweitliga-Stürmer Karim Benyamina spricht bei SPORT1 über die Stärken des DFB-Rivalen im Achtelfinale.

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Von Reinhard Franke

München - Wenn sich Deutschland und Algerien (ab 21.30 Uhr im LIVE-TICKER) im WM-Achtelfinale gegenüberstehen, dann sind die Vorzeichen relativ klar:

Die Nordafrikaner sind gegen die DFB-Elf in der klaren Außenseiterrolle.

Das sieht auch Karim Benyamina so. Der gebürtige Dresdner mit algerischen Wurzeln spielte in Deutschland unter anderem für Union Berlin, den FSV Frankfurt und den Karlsruher SC.

Seit Januar 2014 stürmt der 32-Jährige in der ersten algerischen Liga für MC El Eulma.

Vor dem Duell gegen die Deutschen spricht Benyamina im SPORT1-Interview über Algeriens Chancen und schwärmt von Thomas Müller (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

SPORT1: Herr Benyamina, Algerien ist gegen Deutschland der krasse Außenseiter, oder?

Karim Benyamina: Das sehe ich genauso. Deutschland ist haushoher Favorit. Algerien hat zwar keine schlechte Mannschaft, aber es wird verdammt schwer, gegen dieses deutsche Team zu bestehen. Eigentlich müssten die Deutschen ganz klar gewinnen, aber als Außenseiter wird man oft unterschätzt. Ich hoffe einfach, dass Algerien mit etwas Glück und ein wenig Selbstvertrauen eine Chance hat. Ich glaube insgeheim an die Sensation.

SPORT1: Worauf muss Algerien achten?

Benyamina: Wenn die Deutschen über die Außenpositionen kommen, ist es immer brandgefährlich, da ist Vorsicht geboten. Die DFB-Elf ist gut drauf und hat technisch starke Jungs in der Truppe. Algerien muss kompakt stehen und darf den Deutschen nicht viel Raum lassen.

SPORT1: Welche Spieler stechen bei Algerien besonders hervor?

Benyamina: Da sind auf jeden Fall drei Jungs zu nennen, die in ihren Klubs Stammspieler sind: Sofiane Feghouli vom FC Valencia, Yacine Brahimi vom FC Granada und Islam Slimani von Sporting Lissabon. Das sind alles gute Spieler, aber es sind keine Weltstars, deshalb muss Algerien über das Kollektiv kommen. Man wird gegen Deutschland sehr geordnet spielen, da wird keiner ausbrechen. Der Trainer wird seine taktische Marschrichtung vorgeben und daran muss sich jeder halten.

SPORT1: Welchen Stellenwert hat die Nationalmannschaft für die Menschen in Algerien?

Benyamina: Einen unglaublich hohen. Wenn man nur bei Youtube reinklickt und sieht, was in Algerien nach den Gruppenspielen los war, dann kann man sich schon denken, dass das ganze Land nur für den Fußball lebt. Wenn Algerien gegen Deutschland weiterkommen sollte, dann will ich gar nicht wissen, was alles passiert.

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SPORT1: Es ist eine WM, bei der viele große Mannschaften schon in der Vorrunde ausgeschieden sind. Ist Deutschland für Sie nun der alleinige Favorit auf den Titel?

Benyamina: Die Niederlande und Deutschland sind meine Kandidaten. Klar, die Holländer hatten jetzt gegen Mexiko etwas Glück, aber wer solche Spiele gewinnt, ist reif für den Titel.

SPORT1: Wie sehen Sie generell die Entwicklung bei der deutschen Nationalmannschaft?

Benyamina: Deutschland hat eine sehr starke Nationalmannschaft. Gegen Ghana war es nicht so gut und man hat gesehen, dass man auch anfällig ist, aber generell spielt Deutschland einen guten Fußball. Sie sind zu Recht der große Titelfavorit.

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SPORT1: Erstmals seit 28 Jahren fällt der Ramadan wieder in die Zeit einer WM. Spielt das der deutschen Elf in die Karten?

Benyamina: Bei dem Klima in Brasilien nimmt man viel Flüssigkeit zu sich und man achtet genau darauf, was man isst, um top eingestellt zu sein für das Spiel. Wenn aber alle fasten, wird natürlich etwas Kraft fehlen und das hat sicher einen Leistungsverlust zur Folge. Das mit dem Fasten muss am Ende jeder selbst entscheiden. Ich denke aber, dass die Spieler durch ihre starke Verbundenheit mit dem Glauben das versuchen auszugleichen.

SPORT1: Ihr Tipp für das Spiel?

Benyamina: Ich wünsche mir nach 90 Minuten ein Remis, nach 120 Minuten soll jeder ein Tor mehr geschossen haben und dann soll im Elfmeterschießen Algerien gewinnen. Unsere Nationalmannschaft steht nie so sehr im Fokus und von daher würde ich es mir für mein Land wünschen.

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