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DEFENSIVES MITTELFELD: Toni Kroos (Bild) hat seine WM-Form konserviert. Bei Real Madrid zieht er schon die Fäden im Mittelfeld und stellt 80-Millionen-Euro-Mann James in den Schatten. Christoph Kramer hat sich mit einem Jokertor nach der Sommerpause zurückgemeldet, nach zuletzt drei Spielen in acht Tagen wirkt er aber ausgepumpt
Toni Kroos bestritt gegen Algerien sein 48. Länderspiel. Die Bilder des Spiels ZUM DURCHKLICKEN © getty

Toni Kroos spricht bei SPORT1 über den Zittersieg gegen Algerien, den misslungenen Freistoßtrick und das Interesse von Real Madrid.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Porto Alegre - Toni Kroos war aller Kritik zum Trotz auch gegen Algerien einmal mehr Dreh- und Angelpunkt des deutschen Spiels.

135 Ballkontakte sammelte der Mittelfeldspieler des FC Bayern beim knappen 2:1-Sieg im WM-Achtelfinale (Spielbericht), so viele wie kein anderer Spieler.

Selbst bei der kuriosesten Szene des Abends, als Thomas Müller vor einem Freistoß auf die Knie ging, war Kroos mittendrin (914211DIASHOW: Die Bilder des WM-Spieltages).

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In jeder WM-Minute auf dem Platz

Der 24-Jährige ist bei Bundestrainer Joachim Löw gesetzt:

Als einer von nur vier deutschen Feldspielern stand Kroos bei der WM bisher in jeder Turnierminute auf dem Platz (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Kein Wunder, dass zahlreiche internationale Topklubs an Kroos interessiert sind, dessen Vertrag bei Bayern im Sommer 2015 ausläuft.

Einigung mit Real Madrid über Wechsel

Nach SPORT1-Informationen ist sich der 48-malige Nationalspieler selber bereits mit Champions-League-Sieger Real Madrid über eine Wechsel einig, noch fehlt allerdings die Zustimmung des FCB. (BERICHT: Kroos mit Real einig)

Im SPORT1-Interview nach dem Sieg gegen Algerien spricht Kroos über die Schwächen im deutschen Spiel, die Wechselgerüchte und das anstehende Viertelfinale gegen Frankreich.

SPORT1: Herr Kroos, wo lagen die Gründe für die Probleme gegen Algerien?

Toni Kroos: Wir haben in der ersten Halbzeit nicht gut gespielt. Algerien stand so wie erwartet sehr tief, war aggressiv und hat versucht, unsere Passwege zuzustellen. Wir waren in den entscheidenden Zonen, wo wir hätten gefährlich werden können, zu unkonzentriert und haben zu viele Ballverluste gehabt. Wir waren eigentlich nur durch Distanzschüsse gefährlich. In der zweiten Halbzeit war es dann deutlich besser. Wir haben zielgerichteter gespielt und hatten Chancen, auch in 90 Minuten zu gewinnen. Gerade hinten raus.

SPORT1: Was wurde nach der ersten Halbzeit aus Ihrer Sicht besser?

Kroos: Man hat gemerkt, dass das Passspiel, von dem man in der ersten Halbzeit gedacht hat, es bringt nichts, doch etwas gebracht hat. Wir haben den Gegner laufen lassen und müde gespielt. Natürlich hätten wir uns gewünscht, etwas zielgerichteter zu sein, aber wichtig ist trotzdem diese Dominanz. Der Gegner musste laufen und laufen.

SPORT1: War das letztlich der entscheidende Faktor?

Kroos: In der Verlängerung hat man es gesehen: Algerien war müde, alle zwei Minuten ist jemand mit einem Krampf liegengeblieben. Und das konnten wir am Ende auch ausnutzen. Wir sind ruhig geblieben, wir wussten, dass wir mehr Kraft haben.

SPORT1: Aber auch müde Algerier hatten noch Chancen. Manuel Neuer hat die Mannschaft im Spiel gehalten.

Kroos: Ich habe keine hundertprozentige Chance für Algerien mehr gesehen. Aber wir wissen, dass wir zur Not noch Manu haben.

SPORT1: Dass Manuel Neuer als Torwart gut mitspielt, ist bekannt, aber wussten Sie, dass er so schnell ist?

Kroos: Doch, doch, das wissen wir. Er ist ein kompletter Torhüter, der alles kann. Er weiß auch, dass es eine seiner Aufgaben ist, wenn wir hoch stehen, Bälle, die hinter die Abwehr kommen, zu erlaufen. Wir wissen, dass er zur Not noch da ist.

SPORT1: Es gab viele Diskussionen, ob im Mittelfeld Bastian Schweinsteiger oder Sami Khedira auflaufen soll, auch das Thema falsche Neun kam immer mal wieder auf. Bekommen die Kritiker jetzt neue Nahrung?

Kroos: In welcher Formation auch immer, wir können das alle spielen. Wir hatten in der Phase Ende der zweiten Halbzeit die meisten Chancen, waren sehr präsent im Strafraum. Auch ohne richtige Neun hat man gesehen, dass wir gefährlich sein können. Im Großen und Ganzen haben wir verdient gewonnen.

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SPORT1: Schweinsteiger musste mit Muskelkrämpfen ausgewechselt werden. Wie sieht es bei ihm mit Blick aufs Viertelfinale aus?

Kroos: Natürlich ist die Zeit zur Regeneration nicht sehr lang. Er hat sich so lange es ging durchgebissen und voll reingehauen.

SPORT1: Kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit gab es einen ziemlich kuriosen Freistoß. Das sah nicht sehr ausgefeilt aus...

Kroos: Wir machen uns schon unsere Gedanken, aber es ist halt nicht ganz aufgegangen. Das war einstudiert, im Training hat es auch immer geklappt. Wenn es aber nicht funktioniert, sieht das scheiße aus.

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SPORT1: Was nehmen Sie aus dem Spiel mit, das Ihnen Hoffnung macht für die weiteren Aufgaben?

Kroos: Wir hatten eine Fülle von Chancen und sind immer besser ins Spiel gekommen. Das Aufbauspiel war dann deutlich besser.

SPORT1: Im Viertelfinale wartet mit Frankreich jetzt ein Team, das bisher bei dieser WM stark aufgetrumpft hat. Wie schätzen Sie die Ausgangslage ein?

Kroos: Soweit ich es gesehen habe, hat sich Frankreich gegen Nigeria auch schwer getan. Aber egal, wie wir oder Frankreich im Achtelfinale gespielt haben, das hat mit dem Spiel am Freitag relativ wenig zu tun. Es treffen zwei Topmannschaften aufeinander. Wenn wir gewinnen wollen, müssen wir uns natürlich steigern, das ist keine Frage.

SPORT1: Zu Ihrer persönlichen Situation: Sie sollen sich bereits mit Real Madrid über einen Wechsel einig sein. Wie gehen Sie mit diesen Meldungen bei der WM um?

Kroos: Ich konnte ja schon ein halbes Jahr lang üben, damit umzugehen. Von daher: alles gut. Ich habe es schon gesagt: Ich spiele hier eine WM und das ist das Wichtigste. Ich kann ja nicht zu allem etwas sagen, was irgendwo steht. Es wurden ja schon alle Vereine durchgezählt: von Manchester über Chelsea bis hin zu Barcelona und Real Madrid. Es wird nach der WM eine Entscheidung geben, die wird dann auch mitgeteilt.

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