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Das DFB-Team zittert sich gegen Algerien ins Viertelfinale. Die Bilder des Spieltages ZUM DURCHKLICKEN © getty

Das DFB-Team steht trotz einer teilweise desolaten Vorstellung im Viertelfinale. Joachim Löw wird zu seinem Glück gezwungen.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Porto Alegre - Als es endlich vollbracht war, klatschte ein total abgekämpfter Bastian Schweinsteiger die Trainer und Betreuer vor der deutschen Bank ab.

Schweinsteigers Teamkollegen freuten sich mit den deutschen Fans, doch im Stadion von Porto Alegre riefen Minuten nach dem Spielende plötzlich tausende Zuschauer: "Algerien! Algerien!"

Die deutsche Nationalmannschaft hatte das WM-Achtelfinale gegen die Nordafrikaner nach Verlängerung mit viel Mühe, Glück und dank eines überragenden Manuel Neuer 2:1 gewonnen (Spielbericht).

Doch den Beifall und die Sympathien der neutralen Beobachter erntete der Außenseiter (914211DIASHOW: Die Bilder des WM-Spieltages).

Mertesacker giftet Reporter an

Die deutschen Spieler hatten zwar die nächste Runde erreicht, mussten sich aber anschließend kritische Fragen anhören, die klangen, als wären sie gerade aus dem Turnier geflogen (Stimmen).

"Was wollen Sie von mir? Völlig egal wie, Hauptsache wir sind im Viertelfinale", giftete Per Mertesacker einen "ZDF"-Reporter an.

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"Wollen Sie eine erfolgreiche WM oder dass wir mit schönem Fußball ausscheiden? So kurz nach dem Spiel kann ich die ganze Fragerei nicht verstehen", ergänzte der Abwehrspieler gereizt: "Wir sind weiter, wir sind happy. Die haben uns nichts geschenkt."

Löw: "Ein Sieg des Willens"

Algerien hatte den Deutschen wahrlich nichts geschenkt, sondern beeindruckend stark gespielt und ihnen alles abverlangt. Erst in der Verlängerung setzte sich das DFB-Team gegen die müde werdenden Nordafrikaner durch (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

"Am Ende war es ein Sieg des Willens", fand Bundestrainer Joachim Löw und erklärte: "Solch ein Spiel gibt es im Turnier mal, dass man sich durchkämpfen muss."

Am Ende war es aber vor allem ein glücklicher Sieg. Die erste Hälfte der regulären Spielzeit war die schlechteste einer deutschen Mannschaft bei einem großen Turnier seit mindestens zehn Jahren.

Hummels schmerzlich vermisst

Das Fehlen des an einem grippalen Infekt erkrankten Mats Hummels machte sich in der Abwehr deutlich bemerkbar. Jerome Boateng ersetzte den Dortmunder zwar im Zentrum einigermaßen ordentlich, aber Shkodran Mustafi war als Rechtsverteidiger eine komplette Fehlbesetzung.

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Warum der Bundestrainer Mustafi nach dessen schwacher Vorstellung beim 2:2 gegen Ghana in der Vorrunde wieder brachte, ist nur eine der Fragen, die Löws Handeln aufwirft.

Neuer rettet Deutschland

"Alles ist zu erklären, wenn man es vernünftig analysiert", sagte Neuer, der mit mehreren Rettungsaktionen und Ausflügen aus dem Strafraum das drohende Aus verhindert hatte und auch Löw rettete.

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"In der ersten Halbzeit waren wir schlecht", gab Löw zu.

"Wir waren in den entscheidenden Zonen zu unkonzentriert und hatten zu viele Ballverluste", erklärte Toni Kroos im Gespräch mit SPORT1.

Viel Ballbesitz, kein Ertrag

Das zentrale Mittelfeld mit Kroos, Schweinsteiger und Philipp Lahm sorgte zwar für knapp 70 Prozent Ballbesitz, aber Mesut Özil und vor allem der völlig enttäuschende Mario Götze leisteten sich viele Fehler.

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Thomas Müller zeigte eine engagierte Leistung, bekam aber fast keine Vorlagen seiner Mitspieler.

Lahm rückt in die Abwehr

Als sich Mitte der zweiten Halbzeit Mustafi verletzte und mit einer das WM-Aus bedeutenden Muskelverletzung (News) vom Platz getragen wurde, brachte Löw Khedira und beorderte ihn an Schweinsteigers Seite. Lahm ging zurück in die Abwehr.

Erst aus der Not heraus versetzte der Bundestrainer seinen Kapitän wieder auf die Position des Rechtsverteidigers. Ohne Mustafis Verletzung hätte er vermutlich weiter an seinem System festgehalten.

So spielten Schweinsteiger und Khedira wie bei der WM 2010 zusammen in der Zentrale, was zuletzt als schwer vorstellbar gegolten hatte.

"Wir hätten das gerne anders geregelt"

In der zweiten Halbzeit und in der Verlängerung steigerte sich das DFB-Team etwas und kam gegen einen müde werdenden Gegner zu Torchancen. Doch das einzig Positive war das Erreichen der nächsten Runde.

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"Wir hätten das gerne ein bisschen anders geregelt. Aber Algerien hat es sehr gut gemacht", sagte Andre Schürrle, der in der zweiten Halbzeit für den extrem schwachen Götze ins Spiel gekommen war und in der 92. Minute den Führungstreffer erzielte.

Mesut Özil legte in der 120. Minute das 2:0 nach, doch in der Nachspielzeit verkürzten die Algerier und der Sieg war noch einmal kurz in Gefahr.

Schweinsteiger mit den Kräften am Ende

"Alle Spieler waren in der Verlängerung am Limit", sagte Neuer und blickte schon voraus auf das Viertelfinale in Rio de Janeiro: "Wir sind jetzt über 120 Minuten gegangen, da wird es schwer genug gegen Frankreich."

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Ob Schweinsteiger, der in der 107. Minute völlig ausgepumpt und von Muskelkrämpfen geplagt vom Platz ging, bis zum Freitag wieder fit werden wird, bleibt abzuwarten.

Eines ist klar: Mit einer Leistung wie gegen Algerien wird es gegen die Franzosen nicht reichen.

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