vergrößernverkleinern
Ein ganz Großer verlässt die Fußball-Bühne: Die Niederlage seiner Schweizer im WM-Achtelfinale gegen Argentinien bedeutet zugleich das Karriereende von Ottmar Hitzfeld. Nach über 40 Jahren als Spieler und Trainer macht der 65-Jährige Schluss
Ottmar Hitzfeld (r.) beendet nach dem Aus der Schweiz seine Trainerkarriere. DIE BILDER ZUM DURCHKLICKEN © getty

Lange hält die Schweiz Argentinien stand, dann setzt Messi Mitspieler Di Maria in Szene - und der schickt Hitzfeld in Rente.

Sao Paolo - Zwei Minuten fehlten, dann hätte Ottmar Hitzfelds Karriere womöglich noch ein paar Tage länger angedauert.

So aber bewahrte Ottmar Hitzfeld auch im Augenblick des Abschieds Haltung wie der Gentleman. Nach dem unglücklichen Ausscheiden richtete er den Hosenbund, zupfte an der Krawatte und ging aufs Spielfeld.

Der 65-Jährige gratulierte zunächst den Argentiniern um Lionel Messi, die nach dem 1:0 nach Verlängerung durch den Treffer von Angel Di Maria (118.) beinahe peinlich berührt schienen.

Dann tröstete er seine Spieler. (915134DIASHOW: Die Bilder des WM-Spieltages)

HItzfeld kämpft mit Tränen

Erst danach übermannten Hitzfeld die Gefühle an einem Tag, der für ihn mit der traurigen Nachricht vom Tod seines Bruders Winfried begonnen hatte:

Seine Augen wurden feucht, zum ersten Interview schickte er seinen Co-Trainer. (SHOP: Jetzt WM-Fanartikel kaufen)

Dzemaili an den Pfosten

"Solche Emotionen erlebt man nur im Fußball", sagte Hitzfeld, 1997 mit Borussia Dortmund und 2001 mit dem FC Bayern jeweils Gewinner der Champions League, als er sich wieder im Griff hatte. "Es überwiegt der Stolz. Die Mannschaft hat eine großartige Leistung gebracht."

Zu den emotionalen Momenten eines Spiels, in dem die Schweiz dicht vor einer Sensation stand, gehörte auch, dass Blerim Dzemaili kurz vor dem Abpfiff nur an den Pfosten des argentinischen Tores köpfte (120.+1).

[tweet url="//t.co/DHAgEmrSOU"]

"Mein Beruf ist beendet"

"In diesen letzten drei Minuten haben wir noch mal erlebt, was in einem Trainerleben alles möglich ist", sagte Hitzfeld. In diesen drei Minuten hatte sogar Torhüter Benaglio die Chance zum Ausgleich - mit einem Fallrückzieher.

Eine "unglaubliche Reaktion" habe seine Mannschaft gezeigt, sagte der 65 Jahre alte Meistertrainer, dann ergänzte er: "Mein Beruf ist beendet, ich bin stolz auf meine Laufbahn."

Und, es sei ihm "eine Ehre gewesen, für dieses Land", für die Schweiz, "tätig zu sein".

[tweet url="//twitter.com/hashtag/legend?src=hash"]

[tweet url="//twitter.com/hashtag/bvb?src=hash"]

Tränen bei Shaqiri und Benaglio

Hitzfeld Spieler saßen zunächst wie betäubt auf dem Rasen, einige wie Xherdan Shaqiri oder der vorzügliche Diego Benaglio weinten auch:

Bis zum Gegentreffer hatten sie alles gemacht, was eine vermeintlich unterlegene Mannschaft machen kann, um Lionel Messi zu einem Fußball-Zwerg zu degradieren und die Argentinier erneut erschreckend bieder aussehen zu lassen.

Dann hatte Messi einen seiner wenigen Geistesblitze, entdeckte Di Maria im Strafraum - und der mit dem linken Fuß von halbrechts eiskalt ins linke Eck traf.

[tweet url="//twitter.com/Argentina/statuses/484042474068123648"]

Argentinien gegen Belgien oder USA

Die Argentinier stehen damit zum dritten Mal nacheinander im Viertelfinale, weiter gekommen sind sie allerings nicht mehr, seit sie 1990 im Endspiel in Rom Deutschland unterlagen.

Und auch vor vier Jahren scheiterten sie an der DFB-Auswahl - mit 0:4. Trainer war damals noch Diego Maradona.

Nächster Versuch am Samstag in Brasilia, warten mussten die Argentinier zunächst noch, ob der Gegner Belgien oder USA heißt. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

(WM-Tippspiel: Mitmachen und 100.000 Euro gewinnen!)

[tweet url="//twitter.com/PochoLavezzi"]

Messi lange wirkungslos

Messi spielte wie in den drei Vorrundenspielen: Ohne großen läuferischen Einsatz, ab und an mit kurzen Antritten, ab und an mit guten Pässen - aber heraus sprang lange Zeit gar nichts.

Bis einem Kopfball von Gonzalo Higuain, den Torhüter Diego Benaglio vom VfL Wolfsburg mit einer sehenswerten Parade abwehrte (62.), hatten die Schweizer die besseren Chancen.

Messi schoss erstmals fünf Minuten danach aufs Tor, allerdings auch knapp drüber (67.), kurz darauf wurde er vom starken Benaglio gestoppt (78.).

Mega-Chancen durch Xhaka und Drmic

Stattdessen wäre fast die Nadelstich-Taktik von Hitzfeld aufgegangen. In der ersten Halbzeit besaßen die Schweizer zwei großartige Möglichkeiten.

Doch zunächst schoss der Gladbacher Granit Xhaka nach einer großartiger Einzelleistung von Xherdan Shaqiri so schwach, dass Argentiniens Torhüter Sergio Romero mit dem Fuß abwehren konnte (28.).

Noch schlechter war danach der Versuch von Josip Drmic von Bayer Leverkusen, der es frei vor Romero mit einem unangebrachten Lupfer versuchte (39.).

Schweiz nah an Sensation

Hitzfeld verfolgte auch diese beiden Szenen ohne große Gefühlsausbrüche. Beinahe die ganze Zeit stand er in seiner Coaching-Zone, die Arme verschränkt.

Angesichts der Chancen von Xhaka und Drmic schien er das Gefühl zu haben: Wir sind nahe dran an der Sensation.

Und sie wäre es in der Tat gewesen: Ihre letzten Sieg in einem K.o.-Spiel bei einer WM hatte die Schweiz 1938 gefeiert (4:2 gegen Deutschland), und 1954 bei der WM im eigenen Land zuletzt im Viertelfinale gestanden.

Shaqiri scheitert mit Schlusspfiff

Im Duell der beiden Spielmacher musste sich Shaqiri nicht vor Messi verstecken.

Shaqiri legte sich richtig ins Zeug, sprühte vor Energie und hätte bei einem raffinierten Freistoß in der 49. Minute beinahe Romero überlistet.

Auch die allerletzte Aktion des Spiels war Shaqiri überlassen: In der Nachspielzeit der Verlängerung traf der Bayern-Spieler mit seinem Freistoß aber nur in die Mauer (120.+4).

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel