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Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger stehen vor ihrem größten Triumph als Nationalspieler
Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger stehen vor ihrem größten Triumph als Nationalspieler © SPORT1

Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger haben fast alles gewonnen. Nun soll der WM-Titel her. SPORT1 beleuchtet ihre Karrieren.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Santo Andre - Der 28. Juni 2012 war ein schwarzer Tag für Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger.

Während Mario Balotelli sich in seine mittlerweile legendäre Jubelpose stellte, stand Lahm wie ein begossener Pudel neben dem Italiener.

Die deutsche Mannschaft verlor das EM-Halbfinale 1:2, Lahm und Schweinsteiger standen mit leeren Händen da. Wieder einmal hatten die beiden die Chance auf einen großen internationalen Titel vertan.

Doppelte Enttäuschung

Für die beiden Münchner war es innerhalb weniger Wochen die zweite große Enttäuschung nach dem verlorenen "Finale dahoam" in der Champions League gegen den FC Chelsea.

Die bittere Niederlage war der Auslöser für eine Trotzreaktion und den Siegeszug des FC Bayern. Ein Jahr später triumphierten Lahm, Schweinsteiger und Co. im Königsklassen-Endspiel in London gegen Borussia Dortmund und gewannen mit den Bayern das Triple.

Im WM-Finale am Sonntag in Rio de Janeiro wollen beide den jeweiligen Höhepunkt ihrer Karrieren folgen lassen. Das Spiel ist für beide die vielleicht letzte Chance, mit der Nationalmannschaft endlich einen Titel zu gewinnen (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014).

Die letzte Chance?

"Ich bin mir bewusst, dass es sein kann, dass dies meine letzte WM ist. Deshalb will ich alles, was ich habe, in die Waagschale werfen und noch fokussierter sein", sagt Lahm, der im November 31 Jahre alt wird.

Schweinsteiger ist noch keine 30 und denkt noch lange nicht ans Aufhören. "Ich bin 29, das ist ein gutes Alter. Ich kann sicher noch eine WM spielen", sagt er.

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Doch jetzt geht es erst einmal darum, diese WM im Endspiel gegen Argentinien zu beenden.

Goldene, aber titellose Generation

Der Titel wäre die Krönung zweier Symbole einer goldenen, aber mit der DFB-Auswahl bisher titellosen Generation.

Lahms und Schweinsteigers Weg in der Nationalmannschaft begann vor zehn Jahren. Der damalige Bundestrainer Rudi Völler nominierte die beiden Youngster für die EM 2004. Deutschland schied nach der Vorrunde aus - und Völler übergab an Jürgen Klinsmann.

Mit dem begann im deutschen Fußball eine neue Ära, zu der neben Lahm und Schweinsteiger auch Lukas Podolski und Per Mertesacker gehörten. Nur Miroslav Klose ist noch länger dabei.

Helden beim Sommermärchen 2006

Bei der Heim-WM 2006 wurden aus jungen, hoffnungsvollen Kickern echte Leistungsträger und Publikumslieblinge.

An Lahms Tor zum 1:0 beim 4:2 im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica erinnert sich auch heute noch jeder deutsche Fan, genau wie an die beiden Podolski-Tore im Achtelfinale gegen Schweden.

Im Halbfinale scheiterte die unerfahrene deutsche Mannschaft dann aber an den abgezockten Italienern.

Torres zerstört Titeltraum

Im Spiel um Platz drei tröstete Schweinsteiger die deutschen Fans mit zwei Toren. Der Blick ging schnell nach vorn - zur EM in Österreich und der Schweiz.

Wieder stand die Generation Sommermärchen im Mittelpunkt: Podolski traf zweimal gegen Polen, im Viertelfinale wurde Schweinsteiger endgültig zum Portugal-Schreck. Er und Lahm entschieden anschließend auch das Halbfinale gegen die Türkei.

Doch im Endspiel ließ Lahm den Spanier Fernando Torres einen Moment aus den Augen. Die Iberer jubelten, Deutschland musste zuschauen.

Lahm beerbt den "Capitano"

Im Sommer 2010 nahm Lahm den nächsten Schritt auf der Karriereleiter.

Bei der WM in Südafrika wurde er nach Michael Ballacks verletzungsbedingtem Ausfall Kapitän, Schweinsteiger sein Stellvertreter.

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Die deutsche Mannschaft wurde mit erfrischendem Offensivfußball die große Attraktion des Turniers. Doch im Halbfinale gegen Spanien konnte sie nicht ihre beste Leistung abrufen und verlor 0:1. Es war für die Bayern-Spieler bereits die zweite große Enttäuschung des Jahres.

Tragische Figuren bei der EM 2012

Zuvor hatten Lahm und Schweinsteiger mit den Münchnern das Champions-League-Finale gegen Inter Mailand verloren.

Zwei Jahre später sollte alles besser werden. Doch die Bayern erlebten gegen Chelsea ihr Trauma, Schweinsteiger verschoss den entscheidenden Elfmeter.

Geknickt und körperlich angeschlagen reiste er zur EM-Vorbereitung nach Südfrankreich.

Bei der Endrunde in der Ukraine und Polen musste Schweinsteiger durchgeschleppt werden, im Halbfinale gegen Italien patzte Lahm.

"Jetzt wollen wir Weltmeister werden"

In Brasilien standen beide in den vergangenen Wochen im Fokus. Lahm wegen der Diskussion, ob er im Mittelfeld oder als Verteidiger wertvoller ist, Schweinsteiger wegen der erneuten Zweifel an seiner Fitness.

Am Sonntag können beide ihre Geschichte um das wichtigste Kapitel ergänzen. Mit einem Sieg im Endspiel.

"Wir waren die letzten beiden Male schon im Halbfinale, jetzt wollten wir das Finale erreichen und wollen Weltmeister werden", sagte Lahm.

Nur noch ein Sieg trennt Lahm, Schweinsteiger, Podolski, Mertesacker und Klose davon, ihre Karrieren auch im DFB-Team zu vergolden.

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