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Bastian Schweinsteiger (m.) und Co. kämpfen für den vierten WM-Titel für Deutschland © getty

Nach dem denkwürdigen Halbfinale geht das DFB-Team als klarer Favorit ins Finale. Aber auch Argentinien hat einiges zu bieten.

Von Carsten Arndt und Florian Bogner

München - Es ist die Neuauflage des Endspiels von 1990, ein Klassiker der WM-Geschichte.

Zum dritten Mal nach 1986 und 1990 stehen sich Deutschland und Argentinien im Endspiel einer Fußball-Weltmeisterschaft gegenüber.

Bislang durften beide Teams am Ende je einmal jubeln.

Nach dem denkwürdigen Halbfinale gegen Brasilien (Bericht) und dem doch eher uninspirierten Auftritt der Argentinier gegen die Niederlande geht das DFB-Team dieses Mal als Favorit ins Spiel.

Doch Argentinien hat neben Superstar Lionel Messi auch noch andere Argumente für eine vermeintliche Überraschung zu bieten. Insbesondere die Defensive ragt heraus.

SPORT1 erklärt, was für und was gegen den vierten Titel für Deutschland spricht.

Das spricht für Deutschland:

Die individuelle Klasse:

Das DFB-Team ist auf nahezu jeder Position weltklasse besetzt. Mit Manuel Neuer steht der beste Torhüter des Turniers zwischen den Pfosten, Dortmunds Mats Hummels spielt ein überragendes Turnier.

Im Mittelfeld zieht Toni Kroos die Fäden und schlägt brandgefährliche Standards. Ganz vorne läuft neben WM-Rekordtorjäger Miroslav Klose auch noch Thomas Müller auf, der zum zweiten Mal in Folge Torschützenkönig werden kann.

Dazu Spieler wie Mario Götze oder Super-Joker Andre Schürrle (schon drei Tore nach Einwechslung) - da können auch die Argentinier nicht mithalten.

[kaltura id="0_7p5idsgy" class="full_size" title="M ller und Klose schaufeln Brasilien ein"]

Letzte Chance für die "goldene Generation":

Für Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder Lukas Podolski wird das Turnier in Rio wohl die letzte Chance sein, den WM-Titel zu gewinnen. Miroslav Klose wird 2018 in Russland definitiv nicht mehr dabei sein.

Seit dem Endrunde 2006 im eigenen Land spielt das DFB-Team kontinuierlich in der Weltspitze, der große Wurf blieb bisher aber aus.

Doch der Champions-League-Sieg des FC Bayern 2013 war ein wichtiges Signal. Schweinsteiger und Co. haben das Zeug auch in wichtigen Spielen zu bestehen. Am Sonntag ist es hoffentlich auch im Nationaltrikot soweit.

Die Offensive:

Die Argentinier haben mit Lionel Messi, Gonzalo Higuain, Kun Aguero und Ezequiel Lavezzi auf dem Papier eine überragende Offensive. Zusammen kommen sie allerdings nur auf fünf Tore, vier gehen auf das Konto von Messi.

Die deutsche Offensive ist dagegen die variabelste des Turniers, am schwersten auszurechnen und am erfolgreichsten: 17 Tore in sechs Spielen belegen das. Nur einmal in den letzten 30 Jahren traf ein Team bei einer Endrunde häufiger. Brasilien erzielte 2002 18 Treffer - und wurde am Ende Weltmeister.

Die Unterstützung der Brasilianer:

Trotz der historischen Klatsche gegen das DFB-Team wird am Sonntag ganz Brasilien hinter der Löw-Truppe stehen. Und das hat zwei Gründe.

Zum einen die langjährige Rivalität mit den Gauchos, die teilweise schon in Hass übergeht.

Die argentinischen Fans lassen daher keine Gelegenheit aus, die Gastgeber zu provozieren. Auch im Halbfinale gegen die Niederlande gab es Schmähgesänge gegen die Brasilianer. Lieblings-Textzeile der Fans: "Maradona ist viel größer als Pele!".

Zum anderen der Auftritt der DFB-Kicker im Halbfinale. Die Fans rechnen Lahm und Co. hoch an, dass sie nicht versucht haben, ihren am Boden liegenden Gegner auch noch lächerlich zu machen. (919143DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

[kaltura id="0_5d4ef5oj" class="full_size" title="200 Millionen deutsche Fans in Brasilien"]

Das Spielsystem:

Joachim Löw hält seit Turnierbeginn am 4-3-3 mit einem Sechser fest. Auch eher schwache Auftritte wie im Achtelfinale gegen Algerien haben ihn nicht zum Umdenken bewegt. Das zahlt sich nun aus. Selbst Mesut Özil zeigte zuletzt wieder ansteigende Form.

Argentinien hatte bis zum Halbfinale den meisten Ballbesitz aller Mannschaften im Turnier, das passt gut zum Pressing und -Umschaltspiel der DFB-Elf. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

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Der drohende Ausfall von Angel di Maria:

Angel di Maria hat im Champions-League-Finale gegen Atletico Madrid bewiesen, dass er ein Mann für die entscheidenden Spiele ist.

Auch im Achtelfinale gegen die Schweiz erzielte der Real-Profi kurz vor dem Ende der Verlängerung den entscheidenden Treffer. WM-Tippspiel: Mitmachen und 100.000 Euro gewinnen!

Doch nun droht dem 26-Jährigen die Zuschauerrolle. Di Maria laboriert an einer Oberschenkel-Verletzung, sein Einsatz ist fraglich.

Das spricht für Argentinien:

Die Defensive:

Sergio Romero ist nur Ersatztorwart beim AS Monaco und ist trotz seiner Paraden im Elfmeterschießen gegen Holland sicherlich kein Weltklasse-Keeper. SHOP: Jetzt WM-Fanartikel kaufen

Allerdings wird er bisher aus dem Spiel heraus auch nur wenig geprüft. Lässt man das Nigeria-Spiel (3:2), bei dem Argentinien bereits für das Achtelfinale qualifiziert war, außen vor, hat die "Albiceleste" nur ein Gegentor zugelassen.

Die Viererkette mit Zabaleta, Demichelis, Garay und Rojo steht absolut sicher, davor machen drei defensive Mittelfeldspieler dicht. Auch der bislang überragende Arjen Robben fand im Halbfinale keine Mittel gegen das argentinische Bollwerk.

Lionel Messi:

Der viermalige Weltfußballer ist schon lange der wichtigste Spieler seines Teams, auch wenn er im Nationaltrikot oft nicht dieselben Leistungen zeigen konnte wie beim FC Barcelona.

Seit Trainer Alejandro Sabella ihn zum Kapitän ernannt hat, übernimmt er noch mehr Verantwortung und scheint damit gut zurechtzukommen.

Mit vier Treffern in der Vorrunde schoss er die spielerisch wenig überzeugende "Albiceleste" beinahe im Alleingang ins Achtelfinale.

Messi kann zu jeder Zeit die entscheidende Aktion einleiten oder selbst vollenden und ist an guten Tagen schlicht nicht zu halten. Da kann das deutsche Team wohl nur im Kollektiv dagegen halten.

Robustheit:

Traditionell gelten die Argentinier als sehr physisches Team, vor allem in der Defensive. Ein Spiel gegen die Gauchos kann schon mal richtig weh tun.

Allerdings kann das Team von Alejandro Sabella auch ordentlich einstecken.

Dass Javier Mascherano nach einem Kopfballduell taumelnd zu Boden ging und dort mehrere Minuten liegen blieb, hielt den 30-Jährigen nicht davon ab, über volle 120 Minuten zu spielen.

In der Nachspielzeit schien dann die Partie für Pablo Zabaleta nach einem heftigen Zusammenprall mit Dirk Kuyt beendet, doch da das Auswechselkontingent bereits erschöpft war, biss auch er auf die Zähne.

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Javier Mascherano:

Der Barcelona-Spieler ist der heimliche Star der Mannschaft. Er zieht tief aus der eigenen Hälfte die Fäden und entzieht sich so oft seiner Bewacher.

Seine langen Bälle kommen punktgenau, auch über 50 Meter. Kaum ein Angriff läuft nicht über ihn. Dazu ist er in der Defensive unverzichtbar und überzeugt durch cleveres Stellungspiel und Zweikampfstärke.

Das Gesetz der Serie:

Amerika ist kein gutes Pflaster für die Teams aus Europa. Sieben WM-Endrunden wurden dort bislang ausgetragen.

Noch nie hat ein europäisches Team eine WM in Nord-, Mittel- oder Südamerika gewonnen.

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