Unspektakulär, aber effektiv arbeitet sich Argentinien durch die WM. Auf einen Mann wird es auch im Finale besonders ankommen.

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Von Christoph Lother

München - Argentiniens größter Trumpf bei dieser WM kommt ganz schön schmächtig daher.

Er misst gerade mal 1,74 Meter, wiegt 66 Kilogramm - und heißt nicht Lionel Messi.

Der schoss die Albiceleste mit seinen vier Toren in der Vorrunde zwar zum Gruppensieg, die eigentliche Hauptrolle im Team spielt spätestens seit Beginn der K.o.-Phase aber ein anderer:

Javier Mascherano.

Dreh- und Angelpunkt

Er ist es, der den Rhythmus des argentinischen Spiels bestimmt. Der die Bälle erobert und weiter verteilt. Der sich für keinen Zweikampf zu schade ist, zugleich aber auch den einen, feinen, entscheidenden Pass spielen kann. Der die Defensive dirigiert - und die Aktionen in der Offensive initiiert (920234DIASHOW: Das sind die Argentinier).

Er ist "das Hirn und die Lunge" dieser Mannschaft, wie die "Süddeutsche Zeitung" es zuletzt treffend formulierte.

Und die Zahlen belegen das: Pro Spiel spulte Mascherano im laufenden Turnier durchschnittlich gute elf Kilometer ab und damit fast zwei mehr als die deutschen Sechser Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger. Dazu kommt die überragende Passquote des stolzen Vaters von fast 88 Prozent.

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So emotional sich Mascherano privat gibt, so sehr sind seine Stärken im Finale am Sonntag gegen Deutschland (ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) gefragt.

"Wie eine Bastion für unser Team"

"Mascherano ist wie eine Bastion für unser Team", sagt Trainer Alejandro Sabella über den 30-Jährigen.

Für den Coach ist der zweimalige spanische Meister, Pokalsieger, Champions-League-Sieger und Klub-Weltmeister des FC Barcelona so etwas wie der verlängerte Arm auf dem Platz, bei seinen Mitspielern heißt er "El Jefecito" - das Chefchen.

Dass dieses Chefchen im defensiven Mittelfeld spielt und nicht etwa vorne für Aufsehen und Spektakel sorgt, verdeutlicht die taktische Marschroute der Argentinier.

Eine Marschroute, die sie in ähnlicher Form schon seit Jahren, bei dieser WM nun aber nahe der Perfektion umsetzen.

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Argentinische Defensivkünstler

Sicherheit, Ordnung und Kontrolle stehen im Spiel des zweimaligen Weltmeisters über allem - ob mit oder ohne Ball.

In ihren bisherigen sechs Partien bei diesem Turnier erzielten die Argentinier gerade mal sieben Tore, nicht einmal gewannen sie mit mehr als einem Treffer Vorsprung.

Statt leidenschaftlich drauflos zu stürmen, verwickeln sie den Gegner immer wieder in Zweikämpfe und verschleppen bewusst das Tempo. Auch die Konter werden eher behäbig als blitzartig vorgetragen. Um Tore zu schießen, bedarf es schon einer genialen Einzelaktion der Offensivstars Messi, Angel di Maria oder Gonzalo Higuain.

"Wenn man mit mehr Leuten als nötig angreift, tun sich die Räume auf, in denen man die Fehler machen kann", erklärt Trainer Sabella.

Belgien und die Niederlande ausgebremst

Das mag zwar genauso unschön klingen wie es aussieht. Aber es ist effektiv. Und den Fans in der Heimat im Falle eines Titelgewinns vermutlich genauso recht.

In der K.o.-Runde kassierten die Argentinier bei dieser WM noch keinen einzigen Gegentreffer - vom Elfmeterschießen gegen die Niederlande im Halbfinale abgesehen.

In den 120 Minuten zuvor hatten sie gegen die in der Gruppenphase noch so furios aufspielende und offensivstarke Elftal aber gerade mal eine echte Torchance durch Arjen Robben (90.) zugelassen (919613DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Und auch Geheimfavorit Belgien wurde im vorangegangenen Viertelfinale eiskalt ausgebremst.

Löw lobt argentinische Hintermannschaft

War die Abwehr der Südamerikaner im Vorfeld der WM von vielen Experten noch belächelt und als international nicht erstklassig besetzt erachtet worden, sagt Bundestrainer Joachim Löw heute: "Die Argentinier sind defensiv sehr stark. Sie stehen kompakt und gut organisiert."

Von einem deutschen Schützenfest wie beim 4:0 zum Auftakt gegen Portugal oder gar dem 7:1 im Halbfinale gegen Gastgeber Brasilien ist gegen die Albiceleste also nicht auszugehen.

Stattdessen werde es "verdammt hart", prophezeit Löw.

Schwachstellen auf den Außen

Will sich die DFB-Elf den Traum vom lang ersehnten vierten WM-Titel endlich erfüllen, muss sie dieses Bollwerk irgendwie knacken.

Hohe Flanken dürften gegen die kopfballstarken Innenverteidiger Martin Demichelis und Ezequiel Garay das falsche Rezept sein, dafür aber vielleicht schnelle Vorstöße über die Außen.

Sind Taktgeber Mascherano und sein Nebenmann Lucas Biglia erstmal überspielt, könnten der verhältnismäßig langsame Pablo Zabaleta auf der rechten oder der gelernte Innenverteidiger Marcos Rojo auf der linken Abwehrseite Probleme - und die deutsche Mannschaft die gewünschten Räume - bekommen.

Wie sagte Argentiniens Coach Sabella doch: "Wer die Räume besetzt, gewinnt."

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