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Lionel Messi (r.) bestreitet in Brasilien seine dritte Weltmeisterschaft © getty

Die Beziehung zwischen Messi und den Argentiniern ist schwierig. Im Finale dürfte sie auf eine letzte Probe gestellt werden.

Von Christoph Lother und Reinhard Franke

München - Lionel Messi lebt einen Traum.

Seinen eigenen und den eines jeden kleinen fußballbegeisterten Jungen.

Seit seinem 13. Lebensjahr spielt er für den ruhmreichen FC Barcelona, in den vergangenen neun Jahren holte er mit den Katalanen 20 Titel - darunter sechs spanische Meisterschaften, drei Triumphe in der Champions League und zwei bei der Klub-WM.

Viermal wurde er in dieser Zeit zum Weltfußballer des Jahres gewählt, häufiger als jeder andere.

Und doch ist er nicht glücklich.

Messi: WM-Titel steht über allem

"Es gibt nichts Besseres für einen Fußballer, als Weltmeister zu werden", sagt Messi und fügt hinzu: "Es ist etwas, wovon du schon als Kind träumst - und es hört nie auf."

Mit wenigen Worten bringt der Offensivstar das auf den Punkt, was ihn seit Jahren quält - und vom endgültigen Aufstieg in den Fußball-Olymp noch trennt.

Seit 28 Jahren warten die Argentinier auf den Gewinn ihres dritten WM-Titels. Von Messi erwarten sie nichts anderes, als dass er sie im Finale gegen Deutschland am Sonntag (ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) endlich wieder ans Ziel bringt (920234DIASHOW: Das sind die Argentinier).

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Maradona in der Heimat ein Heiliger

Diego Maradona, der die Albiceleste 1986 in Mexiko letztmals zum heiligen Gral geführt hatte, genießt in der Heimat noch heute einen Gottstatus.

Er war es, der die Südamerikaner zum bis dato letzten Mal so richtig berauscht und in Ekstase versetzt hat.

Messi hingegen wird in Europa und großen Teilen der restlichen Fußball-Welt zwar gerne auch als "Messias" bezeichnet, in Argentinien aber nicht.

2006 in Deutschland meist Reservist

Zu unglücklich war die bisherige Beziehung des 1,69 Meter kleinen Dribbelkünstlers zur Nationalmannschaft.

Für die erzielte er in 92 Spielen zwar schon 42 Tore, auf der ganz großen Bühne - sprich einer WM - blieb er aber zumeist blass.

2006 in Deutschland war der damals 18-Jährige noch nicht so weit, absolvierte unter Trainer Jose Pekerman nur drei Einsätze über insgesamt 123 Minuten und erlebte das Viertelfinal-Aus gegen den Gastgeber von der Bank aus.

Während das Volk zu Hause tobte, blieb der schüchterne Wunderknabe ruhig. Für den Geschmack vieler zu ruhig.

Historische Klatsche im Viertelfinale 2010

Vier Jahre später in Südafrika - inmitten seiner bislang glorreichsten Zeit bei Barcelona - konnte Messi die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen, blieb im gesamten Turnierverlauf ohne einen einzigen Treffer und wurde in der Runde der letzten Acht mitsamt seinen Kollegen vom DFB-Team mit 0:4 gedemütigt.

Trainer damals war Maradona.

Doch obwohl der mittlerweile 53-Jährige für die höchste Niederlage der argentinischen WM-Geschichte mitverantwortlich war, wird er in der Heimat immer noch mehr verehrt als Messi.

Allen Skandalen und Peinlichkeiten, die er sich in den vergangenen Jahren leistete und als Experte im argentinischen Fernsehen auch heute noch leistet, zum Trotz.

Maradona: "Messi der Beste der Welt"

Nicht etwa er, sondern Messi sei "der beste Fußballer der Welt", sagt Maradona, einst selbst in Barcelona aktiv, mittlerweile zwar.

Doch aus seinem Schatten heraus schafft es der zurückhaltende und stille junge Mann aus Rosario, der selbst nicht ganz frei von Negativschlagzeilen ist und im vergangenen Jahr wegen angeblicher Steuerhinterziehung vor Gericht stand, auch bei der WM in Brasilien bislang noch nicht.

Vier Tore hat er dort bereits erzielt, Taktik und Aufstellung der argentinischen Mannschaft bestimmt er angeblich selbst, nicht etwa Trainer Alejandro Sabella.

Und doch sind die Fans in der Heimat noch nicht zufrieden.

Letzte Chance gegen Deutschland?

"Messi hat uns alleine durch die Gruppenphase geführt, war mit seinen Aktionen der entscheidende Mann und hat uns ins Achtelfinale geschossen", nimmt ihn zumindest der achtmalige argentinische Nationalspieler und ehemalige Bundesliga-Profi Rodolfo Cardoso im Gespräch mit SPORT1 in Schutz.

"Zuletzt war er etwas schwächer, aber ihm werden auch immer drei Gegenspieler auf die Füße gestellt. Das ist nicht so einfach", erklärt Cardoso weiter.

Dennoch wisse "die ganze Welt", dass Messi "in der Lage ist, mit nur einer Aktion ein Spiel zu entscheiden", sagt Cardoso (EXKLUSIV: Cardoso im SPORT1-Interview).

Man kann es als Drohung an die DFB-Elf oder als Auftrag an Messi selbst interpretieren. Für den ändert sich dadurch nichts.

Geht es am Sonntag schief, wird der 27-Jährige seinen Ruf als Unvollendeter womöglich nie mehr los.

Und seinen immer wiederkehrenden Kindheits(alb)traum auch nicht.

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