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Nicola Rizzoli (r., mit Lionel Messi) pfeift das WM-Finale zwischen Deutschland und Argentinien © getty

Der Italiener Nicola Rizzoli pfeift das WM-Endspiel. Bei Bayerns Champions-League-Triumph fällte er umstrittene Entscheidungen.

Rio de Janeiro/München - Einmal mehr liegt ein großes Fußbalfinale in den Händen von Nicola Rizzoli.

Diesmal allerdings steht nicht schon vorher fest, dass die Deutschen am Ende jubeln werden.

Am 25. Mai 2013 pfiff der italienische Schiedsrichter das "German Endspiel" in Wembley zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund (2:1). Am Sonntag wird alles noch eine Nummer größer: Dann pfeift Rizzoli das WM-Finale zwischen Deutschland und Argentinien (ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER).

"Das Finale im Maracana ist das Maximum, was man erträumen kann, wahnsinnig, wundervoll", sagte Rizzoli am Freitag in einer Videobotschaft. Er werde "alles investieren, es ist ein unglaubliches Erlebnis".

Umstrittene Entscheidungen in Wembley

Der Italiener wird am Sonntag noch mehr unter Beobachtung stehen als 2013 in London. Damals hatte er nicht unbedingt alle Beobachter überzeugt.

Recht nachsichtig sprang er damals mit den Akteuren um, ließ Milde walten in drei Situationen, in denen Platzverweise möglich bis nötig gewesen wären.

Bei einem Ellenbogenschlag von Bayerns Franck Ribery gegen Robert Lewandowski zu einem kritischen Zeitpunkt der Partie sah er von einer möglichen Roten Karte ab, ebenso bei einem Tritt Lewandowskis gegen Jerome Boateng.

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Auch seine Entscheidung, Bayern-Verteidiger Dante nach seinem Elfmeter-Foul gegen Marco Reus nicht mit Gelb-Rot vom Platz zu schicken, war umstritten.

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Nachsicht im Trend

Rizzolis Hang zur Nachsicht passt aber in den allgemeinen Trend.

Eine Reihe rustikal geführter Begegnungen war die Folge einer oftmals zurückhaltenden Spielleitung, als Höhepunkt auch das WM-Aus für Brasiliens Superstar Neymar, nachdem ihm ein heftiges Einsteigen von Kolumbiens Juan Zuniga im Viertelfinale einen Wirbel brach.

Angeblich hat die FIFA die WM-Unparteiischen angewiesen, von Karten eher abzusehen. Schiedsrichterchef Massimo Busacca will davon allerdings nicht wissen.

"Es gab keine Anweisung", sagte der Schweizer am Samstag bei einer Pressekonferenz - und interpretierte das WM-Geschehen auf eher eigenwillige Weise: "Dass weniger Gelbe Karten gezeigt wurden, lag an den Spielern, dem entgegengebrachten gegenseitigen Respekt. Der Fußball hat gewonnen."

Zwei Patzer bei Spaniens Blamage

Auch gegen die Kritik, einen europäischen Schiedsrichter für das europäisch-südamerikanische Finale zu nominieren, verwahrte sich Busacca.

"Die Qualität war entscheidend", hielt er fest: "Du kannst einem Spieler nicht sagen, du darfst das Finale nicht spielen, weil im anderen Team ein Freund steht. Wir können nicht auf diese Details schauen. Er hat so viele Opfer gebracht, da darf man ihm eine verdiente Chance auf das Finale nicht nehmen."

Rizzolis Qualität war aber auch bei der WM nicht über alle Zweifel erhaben.

Er leitete das denkwürdige 5:1 der Niederländer gegen Spanien in der Vorrunde, dabei gab er dem Titelverteidiger einen unberechtigten Elfmeter und übersah vor dem niederländischen 3:1 ein Foul von Robin van Persie an Keeper Iker Casillas.

Argentinien zum Dritten

Kurios: Es ist das dritte Mal bei der WM, dass Rizzoli auf die Argentinier trifft: Er pfiff sie schon in der Vorrunde gegen Nigeria (3:2) und im Viertelfinale gegen Belgien (1:0).

So einen "Dreierpack" hatte es in der WM-Geschichte zuvor nur zweimal gegeben.

Dreimal hat der Architekt bereits ein Spiel einer DFB-Auswahl gepfiffen, dreimal gewann Deutschland: 6:1 in der WM-Qualifikation in Irland 2012, 3:1 gegen Bosnien-Herzegowina 2010 und 3:1 gegen Rumänien 2007 - letztere waren ganz normale Länderspiele.

FIFA-Schiedsrichter seit 2007

Für Rizzoli ist es der dritte Einsatz bei einem großen Finale: Vor dem deutschen Champions-League-Endspiel 2013 hatte er schon jenes in der Europa League zwischen Atletico Madrid und dem FC Fulham in Hamburg geleitet.

Rizzoli pfeift bereits seit elf Jahren in der italienischen Serie A, seit 2007 steht er auf der Liste des Weltverbandes FIFA.

Zuletzt war er zweimal Italiens Schiedsrichter des Jahres.

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