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Rund 200.000 argentinische Fans reisen zum WM-Finale gegen Deutschland nach Rio de Janeiro, hier an der Copacabana © getty

Rio ist fest in argentinischer Hand. Die Fans verhöhnen die Brasilianer in einem Lied. Die Gastgeber feuern daher Deutschland an.

Von Thorsten Mesch

Rio de Janeiro - Rio de Janeiro ist vor dem WM-Finale Argentinien gegen Deutschland (ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) fest in blau-weißer Hand.

Im Partyviertel Lapa ziehen die Fans in Argentinien-Trikots, der Boca Juniors oder von River Plate durch die Straßen und singen.

Sie singen über ein Spiel, das vor 24 Jahren ausgetragen wurde und ein Symbol für die fußballerische Rivalität zwischen Argentinien und Brasilien geworden ist.

"Bad Moon Rising" mit neuem Text

"Ich schwöre, dass selbst nach all den Jahren wir niemals vergessen, wie Diego dich umdribbelte und Caniggia es euch besorgte. Ihr weint seit Italien bis heute", gröhlen die Argentinier zur Melodie des Klassikers "Bad Moon Rising" von Creedence Clearwater Revival aus dem Jahr 1969.

Das Fußballspiel, um das es in dem Lied geht, fand 1990 bei der WM in Italien statt. Im Achtelfinale trafen Argentinier und Brasilianer aufeinander.

Der amtierende Weltmeister spielte gegen die Selecao, die seit dem dritten Titelgewinn im Jahr 1970 immer frühzeitig gescheitert war. So sollte es auch dieses Mal sein.

Erinnerungen an Maradona

Argentinien gewann 1:0 dank eines überragenden Diego Maradona und eines Treffers von Claudio Caniggia. Brasilien flog wieder einmal frühzeitig heim.

Argentinien verlor zwar später das Finale gegen Deutschland, aber vom Sieg gegen Brasilien zehren die Fans der Albiceleste bis heute.

Und so singen die Argentinier und verhöhnen die Selecao, obwohl sie doch Gäste sind.

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Die Nachbarn aus dem Süden sind ohnehin in Brasilien nicht besonders beliebt.

Das liegt zum einen an der fußballerischen Rivalität, zum anderen rührt es aus einer Phase, als die Beziehung zwischen den beiden Nachbarländern etwas angespannt war.

"Wer ist der Größte in Südamerika?"

"Es gab eine Zeit, in der es Argentinien wirtschaftlich sehr gut ging und Brasilien nicht. Heute hat sich das Blatt ein bisschen gewendet", sagt Mariana Rosetto zu SPORT1:

"Es geht ein bisschen um die Frage: Wer ist der Größte in Südamerika?"

Mariana ist Geschäftsführerin im Toko Village in Coroa Vermelho, der Ferienanlage unweit des DFB-Quartiers Campo Bahia, in der die meisten deutschen Journalisten vom 8. Juni bis zum Abflug nach Rio während der WM wohnten.

Nie politische Probleme mit Brasilien

Politische Probleme habe Argentinien mit Brasilien eigentlich nie gehabt, "sondern eher mit Chile", erzählt Mariana, "aber fußballerisch ist die Rivalität zwischen Argentinien und Brasilien unvermeidbar".

Mariana kommt aus Rosario, dem Ort, in dem auch Lionel Messi aufwuchs (920234DIASHOW: Das sind die Argentinier).

Und sie fiebert leidenschaftlich mit ihrer Albiceleste. Probleme hatte sie deshalb aber noch nie.

"Ich wohne seit sechs Jahren in Brasilien, und ich hatte noch nie ein negatives Erlebnis. Ich musste auch noch nie verbergen, dass ich Argentinierin bin", sagt sie.

Zum Finale fliegt sie von Porto Seguro nach Rio. Dort trifft sie sich mit Freunden aus der Heimat.

Die sind wie zehntausender Landsleute die 2000 Kilometer bis Rio mit dem Auto gefahren, obwohl sie nicht einmal Karten haben. Geschaut wird auf dem Fanfest an der Copacabana.

"Messi bringt uns den Pokal zurück"

In Lapa singen die Fans weiter ihr Schmäh-Lied über die Brasilianer. "Ihr werdet Messi sehen, wie er uns den Pokal zurückbringt. Maradona ist größer als Pele!"

Rio ist voll mit Argentiniern. Am Sonntag sollen es bis zu 200.000 sein. Im Maracana werden mehr als 20.000 von ihnen erwartet.

Doch die etwa 13.000 Deutschen können auf die Unterstützung der Brasilianer hoffen.

Trotz der bitteren 1:7-Niederlage im Halbfinale gegen Deutschland werden die Gastgeber sich auf die Seite der DFB-Elf schlagen.

Argentinien als Weltmeister in Rio, das wäre für die Brasilianer wohl noch schlimmer als der "Maracanazo" von 1950, als die Selecao den WM-Titel in Rio gegen Uruguay verspielte.

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