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Christoph Kramer absolvierte bisher fünf Länderspiele für Deutschland
Christoph Kramer absolvierte bisher fünf Länderspiele für Deutschland © getty

Ein Abend wie auf der Achterbahn. Für Christoph Kramer geht mit dem WM-Titel ein Traum in Erfüllung. Doch der Weg dahin ist hart.

Von Reinhard Franke und Thorsten Mesch

Rio de Janeiro/München - Als Christoph Kramer nach dem 1:0-Finalsieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Argentinien (Bericht) mit den Kollegen bei der Ankunft im Hotel lautstark "Die Nummer eins der Welt sind wir" sang, konnte er sich schon wieder an alles erinnern. (921551DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Hinter ihm lagen die wohl ereignisreichsten Stunden seiner noch jungen Karriere.

Der gebürtige Solinger absolvierte gegen die Albiceleste sein erstes Länderspiel von Beginn an und gewann mit Deutschland die Weltmeisterschaft. (921552DIASHOW: Fans und Abschlussfeier)

Zudem traf er nach dem Sieg gegen die Gauchos auch noch Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Plausch.

"Mitgetrunken und mitgesungen"

"Die Kanzlerin hat natürlich mitgetrunken und mitgesungen", sagte Kramer zu SPORT1.

"Es war eine Stimmung in der Kabine, wie ich es noch nie erlebt habe. Ich kann es kaum in Worte fassen."

Es sei "Erleichterung, eine Riesenstimmung und Begeisterung, einfach Freude pur".

Eigentlich hatte sich der Mittelfeldspieler darauf eingestellt, dass er im Finale wie in den anderen Spiele zuvor wieder auf der Bank Platz nehmen würde, doch es kam ganz anders.

Khedira muss passen

Weil Sami Khedira kurz vor dem Spiel wegen Wadenproblemen passen musste, stand der Gladbacher kurzfristig in der Anfangsformation.

"Bevor ich einen Schritt gelaufen bin, hatte ich einen Puls von 210", erklärte Kramer breit grinsend.

Doch nach engagiertem Beginn kam es in der 18. Minute zum ersten K.o., nachdem er mit hohem Tempo mit dem Kopf gegen die Schulter von Ezequiel Garay geprallt war.

Kramer wirkte benommen und wurde zunächst draußen behandelt.

Nach einem weiteren Zusammenprall musste er nach nur 32 Minuten mt Verdacht auf Gehirnerschütterung ausgewechselt werden.

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"Weiß nicht mehr, wie ich gespielt habe"

"Ich weiß nicht mehr, wie ich gespielt habe, weil ich mal kurz neben mir stand", erzählte der 23-Jährige hinterher.

"Ich war weggetreten, es hatte keinen Sinn mehr, weiterzumachen. An viel kann ich mich nicht erinnern, aber das ist auch egal jetzt."

Das späte Tor von Mario Götze habe er aber wieder "voll konzentriert erlebt".

Und weiter: "Ich saß auf der Bank und habe einen 80-Meter-Sprint hingelegt."

[kaltura id="0_0z5agm4m" class="full_size" title="Das Goldstück für die "Goldene Generation""]

Gruß an die Oma

Nach dem Schlusspfiff dachte Kramer im TV gleich an seine Großmutter, die am Finaltag Geburtstag hatte. "Ich musste einen Gruß an meine Oma senden, ich hatte sie vorher nicht erreicht."

Dass er statt auf der Geburtstagsfeier in Rio beim WM-Finale weilen würde, damit hatte vor wenigen Monaten noch keiner gerechnet.

Seine ersten Gehversuche als Fußballer machte Kramer in der Jugend vom BV Gräfrath, später bei Bayer Leverkusen. Bei den Rheinländern unterschrieb er dann auch seinen ersten Profivertrag.

Doch so recht zünden wollte er in der Werkself nicht. Schließlich wurde Kramer 2011 an den VfL Bochum verliehen und 2013 an Borussia Mönchengladbach.

Für die "Fohlen" überzeugte er im letzten Jahr in 33 Spielen, so dass Löw auf ihn aufmerksam wurde.

Krönung der letzten Monate

Der WM-Titel nun krönt die erfolgreichen letzten Monate. "Ich bin mit meinen Gefühlen noch nicht so weit, dass ich das verarbeitet habe", sagte Kramer, "es wird in den nächsten Tagen kommen." (SHOP: Jetzt WM-Fanartikel kaufen)

Und da freut sich Kramer jetzt vor allem auf die Mega-Party mit den Fans bei der Ankunft am Brandenburger Tor in Berlin.

"Ich freue mich darauf. 2006 habe ich das im Fernsehen erlebt", sagt er mit leuchtenden Augen und schwärmte vom WM-Pokal:

"Wenn du den in den Händen hältst, kannst du es gar nicht fassen. Der ist echt schwer. Die Medaille auch. Die wiegt bestimmt 200 Gramm."

Eins weiß Kramer ganz sicher: "Ich werde feiern, bis ich am 5. August wieder zum Training muss. Ihr findet mich überall."

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