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ZUM DURCHKLICKEN: Die WM-Bilder vom Freitag © getty

Arjen Robben und die Niederlande führen Titelverteidiger Spanien beim WM-Auftakt vor. Das ganze Land versinkt im Freudentaumel.

Aus den Niederlanden berichtet Andreas Reiners

Venlo/Salvador - Manchmal explodieren Emotionen innerhalb von nur wenigen Sekunden.

Erleichterung. Freude. Überraschung. Und auch Genugtuung. So war es auf dem Rasen in Salvador, so war es in den gesamten Niederlanden. 5:1 (1:1) gegen Spanien (Bericht). Gegen den Europameister. Den Weltmeister. Den großen Favoriten. (DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014)

Als Arjen Robben nach dem Abpfiff grinsend über seine persönliche Gefühlswelt sprach, lagen sich die Menschen auf den zahlreichen Fan-Festen von Amsterdam bis Venlo dicht gedrängt in den Armen.

Sie sangen, sie tanzten. Und sie konnten es immer noch nicht fassen. Ein Land wird zum Feierbiest.

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Robben: "Dafür lebt man"

"Die beiden Treffer erzielt zu haben, ist ein super Gefühl. Das war schon ein gutes Spiel. Dafür lebt man, dafür spielt man Fußball", sagte der Star des FC Bayern, nachdem er die Defensive der Spanier gemeinsam mit Robin van Persie immer wieder der Lächerlichkeit preis gegeben hatte.

Im Vorfeld war oft über Robbens persönliches Trauma gesprochen worden. Darüber.wie er im WM-Finale 2010 gegen eben jene Spanier alleine auf Torhüter Iker Casillas zulief und scheiterte. Die Niederlande verloren das Endspiel.

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Und jetzt? Ein super Gefühl oder doch mehr? Eine gelungene Revanche?

Weder noch. "Dieses Spiel ist mit dem vor vier Jahren nicht zu vergleichen. Damals war es ein Finale, heute ein Gruppenspiel", sagte Robben.

Oranje in Ekstase

Ein Gruppenspiel allerdings, das ein ganzes Land in kollektive Ekstase versetzte. Und die Fußball-Welt in ehrfürchtiges Erstaunen.

"Ich bin einfach stolz auf meine Mannschaft. Zwei Tore zu erzielen, ist immer schön, aber mein Stolz auf die Mannschaft überwiegt. Ich bin stolz auf die Leistung des Teams, denn darum geht es", sagte Robben.

Stolz war auch Louis van Gaal. Nach dem Schlusspfiff schritt der General über den Platz. Nahm seine Helden in den Arm. Genoss den Jubel in vollen Zügen.

Auch ihm war die Erleichterung anzusehen. "Das habe ich so nicht erwartet", meinte der frühere Bayern-Coach: "Wir sind sehr glücklich."

Systemumstellung führt zum Erfolg

Allen voran er selbst. Denn van Gaal war in den vergangenen beiden Jahren als Bondscoach seinen eigenen Weg gegangen. Mal wieder. Und er erntete Kritik, als er vor der WM das System vom "Voetbal Total", also vom offensiven 4-3-3, auf ein defensiveres 5-3-2 umstellte. In den Niederlanden eine Todsünde.

Aber offenbar der Schlüssel zum Erfolg. Mit der Demontage Spaniens haben sich die Niederländer innerhalb von nur 90 Minuten vom chancenreichen Außenseiter in den engen Favoritenkreis dieser Weltmeisterschaft geschossen.

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Zweite Hälfte ein einziger Rausch

Also auch Genugtuung für ihn selbst?

Ja. Denn dass Doppel-Torschütze Robin van Persie nach dem 1:1 zu ihm lief und mit ihm abklatschte, wertete er als wichtiges Zeichen: "Das ist ein Zeichen von Anerkennung. Und die Anerkennung ist beiderseitig."

Anerkennung für die Mannschaft, die sich in der zweiten Halbzeit praktisch in einen Rausch spielte, gab es auch von Robben:

"Ich habe immer sehr viel Vertrauen in diese Mannschaft gehabt. Wir können schon etwas, wir müssen nur daran glauben."

Stimmung zunächst abwartend

Dieser Glaube war am Freitag nicht immer vorhanden gewesen. Vor dem Anpfiff spürte man beim Fan-Fest in Venlo eine Mischung aus Anspannung und Skepsis. Die Stimmung? Freundlich ausgedrückt abwartend und zurückhaltend.

Es schien, als warteten die leidgeprüften Fans nur auf eine spanische Lehrstunde. Die Führung des amtierenden Weltmeisters nahmen die Oranje-Fans dann auch schweigend hin. Nahezu teilnahmslos. Gesänge? Fehlanzeige.

Bis van Persie und Robben den Weltmeister praktisch im Alleingang überrollten und in seine Einzelteile zerlegten.

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Von Matchwinnern zu Mahnern

Die Matchwinner wurden nach ihren Glanzleistungen jedoch schnell zu Mahnern:

"Es ist unerklärlich, fantastisch! Aber wir dürfen jetzt nicht abheben. Es sind letztlich auch nur drei Punkte, das ist die Realität", sagte van Persie.

"Wir müssen die Füße am Boden behalten", ergänzte Robben: "Wir müssen jetzt konzentriert bleiben und so weitermachen. Einerseits genießen, andererseits ist morgen auch ein neuer Tag. Dann gilt der Fokus Australien."

Ziel: Brasilien aus Weg gehen

Denn: In der schwierigen Gruppe mit Spanien, Chile und den Aussies garantiert wohl nur Platz eins, dass man Gastgeber Brasilien im Achtelfinale aus dem Weg geht.

Sollte Chile am kommenden Mittwoch gegen Spanien ebenso gewinnen wie die Truppe von van Gaal gegen Australien, wäre das Achtelfinale schon perfekt. Und ein Endspiel gegen Chile um den Gruppensieg ebenfalls.

Doch das ist Zukunftsmusik: "Momentan haben wir gar nichts. Wenn wir unser nächstes Spiel gegen Australien nicht gewinnen, haben wir keinen Fortschritt gemacht", meinte van Gaal.

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